Leichter Rollpacksack á la EXPED

Seit meinem Exped Orion Extreme bin ich von Rollpacksäcken überzeugt: Kein Gewürge beim Verpacken des Zeltes und alles wird beim Schließen automatisch auf optimales Packmaß sanft komprimiert.
Leider kann man die Dinger nicht solo kaufen und zudem hab ich es auch gern etwas leichter. Also nachgedacht – selbst gemacht. Inzwischen habe ich von meinem nachempfundenen Rollpacksack etliche Exemplare gefertigt, die sich sich alle sehr gut bewährt haben.

Material

Der Materialaufwand ist gering. Ich benötige entsprechend der Größe des Packsacks (Links = Beispiele):

  • Stoff – leicht und mit PU o.ä. beschichtet. Da franst später nichts aus. Möglichst jedoch kein Silnylon, denn das kann durchaus ausfransen.
  • Schnur – 2 mm, ca. 2 m
  • LineLoc – Steckschnalle oder normal + Haken + Gurtband

Schnittmuster & Zuschnitt

Schnittmuster Teil 1

Das hier vorgestellte Schnittmuster ist dem Tarptent Motrail angepasst. Für andere Zelte muss es modifiziert werden. Da ist ein wenig Knobeln angesagt. Wichtiger ist das Fertigungsprinzip und das stelle ich hier vor.

Schnittmuster Teil 2

Das Schnittmuster enthält vier verschiedene Teile (in Klammern die Anzahl der Zuschnitte):

  • Korpusteil (1) – die Länge ist etwas größer als erforderlich
  • Seitenteil (2)
  • Abdeckklappe (1)
  • Tunnelteil (2)

Der Zuschnitt erfolgt dann entsprechend dem Schnittmuster.

Näharbeiten

Die Näharbeiten sollten unbedingt in der angegebenen Reihenfolge erfolgen.
„Auf links“ bedeutet spätere Innenseite, beschichtet. „Auf rechts“ bedeutet spätere Außenseite, unbeschichtet. Wenn ich also „auf links“ nähe, dann ist diese Seite beim Nähen sichtbar, am Packsack im Gebrauch nicht.
Und wenn ich z.B. von „rechts auf rechts“ schreibe bedeutet dies, dass diese beiden Seiten aufeinander liegen.
Meine Nähte haben grundsätzlich immer eine Stichlänge von 2,5 mm.


Der an drei Seiten abgesteckte Deckel

Der Deckel wird auf links an drei Seiten (spätere Seiten, eine Querseite) einfach 1 cm gesäumt, da ja nichts ausfransen kann.
Die schrägen Enden der Tunnelteile werden auf links 1 cm gesäumt und dann jeweils an den Längsseiten mit 0,5 cm Nahtzugabe einfach links auf links zusammengenäht.


Die Seitenteile werden nun auf links mit 1 cm Nahtzugabe an das Korpusteil genäht.  Beide Teile werden an der gleichen Querseite des Korpusteils genau passend positioniert, angesteckt und dann zusammengenäht. In den Rundungen sollte dies so exakt wie möglich geschehen.
Da die Länge des Korpusteils etwas größer als erforderlich dimensioniert ist, steht es an der anderen Querseite nun etwas über. Der Überstand wird bündig abgeschnitten.
Nun wird der zusammengenähte Korpus auf rechts gedreht und die Nähte gekappt, d.h. die Nahtzugaben werden jeweils von rechts mit einer zweiten Naht am Korpusteil fixiert.


Nun werden die anderen Teile angenäht.
Dazu wird zunächst eines der Tunnelteile rechts auf rechts am Rand des Korpus festgesteckt. Die jeweiligen Enden sollten dabei an beiden Querseiten an gleicher Weise etwas über die Mitte reichen, wie abgebildet. In gleicher Weise das zweite Tunnelteil. Die Enden beider Tunnelteile müssen sich dann an den Querseiten am Rand überlappen und am oberen Rand ein paar Zentimeter auseinander stehen.
Um eine zusätzliche Naht zu vermeiden, stecke ich an einer Querseite auch noch die Klappe mit der ungesäumten Seite rechts auf rechts auf dem Tunnel an. Ich gehe Stück für Stück vor und ziehe dabei die für den Tunnel nicht mehr benötigten Nadeln nacheinander heraus.
Nun nähe ich einmal mit 1 cm Zugabe um den Korpusrand herum und füge damit alles zusammen. Bei den Tunnelenden verstärke ich die Naht jeweils, damit sie später nicht so leicht ausreißen können.
Anschließend klappe ich sozusagen Tunnel und Klappe nach oben. Dadurch klappt die Nahtzugabe auf den Korpus und kappe die Naht, indem ich die Nahtzugabe von rechts am Korpus festnähe. Vorsicht! Nicht aus Versehen die Klappe irgendwo annähen.


Zum Schluss werden auf den Nähten der Seitenteile noch Schlaufen für Sicherungskarabiner angenäht. Damit kann ich bei Bedarf das Zelt gegen Verlust sichern kann.
Damit sind die wesentlichen Näharbeiten am Packsack erledigt.

Restarbeiten

Für den Verschluss und das Komprimieren des Packsack verwende ich LineLocs. Entweder die Ausführung als Steckschnalle oder einen normalen zusammen mit einem Kunststoffhaken.
An der Steckschnalle wird eine kleine Schlaufe aus passendem Gurtband stabil angenäht.
Beim der normalen Ausführung werden LineLoc und Haken mittels einer kleinen Gurtbandschlaufe verbunden.
Dann wird die Schnur in den Tunnel eingezogen. Die Enden sollten an einer Querseite herausführen. Nutze ich eine Steckschnalle, muss die Schnur beim Einziehen an der gegenüber liegenden Querseite durch der Gurtbandschlaufe geführt werden.
Die Schnurenden werden durch den LineLoc gezogen aber noch nicht gekürzt. Dies geschieht passgenau erst später mit eingepacktem Zelt. Daher sollte die Schnur beim Einziehen großzügig bemessen sein.

Nun wird das Zelt in passendem Maß zusammen- und in den Packsack gerollt. Zeltstangen verpacke ich extra und halte so das Packmaß mit 43 x 15 cm recht klein. Ich ziehe die Schnurenden unter dem freiliegenden Schnurstück der anderen Querseite durch und zu mir heran. Dadurch zieht sich alles schon einmal zusammen. Dabei darauf achten, dass der Deckel gut aufliegt. Nun lege ich die Schnur um den Packsack herum, stecke entweder die Schnalle zusammen oder hake den LineLoc dort ein, wo ich die Schnur zuvor drunter durch gezogen habe. Das Ganze wird dann durch nicht zu brachiales Ziehen an der Schnur schön weiter komprimiert und gleichzeitig verschlossen. Jetzt noch die Schnurenden auf 10 bis 15 cm verknoten, kürzen,  verschweißen und fertig!


Für Häringe  und sonstiges Zubehör sowie ggf. Zeltgestänge nähe ich mir aus dem gleichen Material entsprechende Packbeutel. Die kleinen nähe ich im Rollpackbeutel an den Querseiten an. So können sie bei Wind nicht fortfliegen oder sonst verloren gehen.
An den Packbeutel für das Gestänge kommt ein kleiner Sicherungskarabiner. Ich wäre nicht der Erste, der seine Zeltstangen verloren hätte.
Die Anfertigung dieser Beutel hat Ray Jardine vor langer Zeit in seinem ersten Tarp Book beschrieben. Dazu werde ich später einen gesonderten Beitrag schreiben, denn das ist ein anderes Thema.

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