„Warm up“ für Frankreich per Rad 2018

Große Touren werfen lange Planungs- und Vorbereitungsschatten voraus. Und nun ist es mal wieder soweit: 2018 soll es ab Anfang Mai mit Claudia – der besten Tourgefährtin schlechthin – knappe drei Monate durch Frankreich gehen. Runde acht Monate der Vorbereitung und Planung bleiben also noch und etliches ist bereits geschehen. Diese Phase möchte ich von nun an bis zum Starttag in einer Art Journal dokumentieren. Für mich und für alle, die es interessiert.
Neue Einträge erscheinen in diesem Post immer dann, wenn es etwas zu berichten gibt. 

9.9.2017 – So fing es an

Dieser erste Eintrag wird wohl der längste sein, denn er fasst vieles zusammen, was bisher geschah.
Alles fing an mit Claudia. Sie wollte sich mal eine etwas längere Auszeit vom Job gönnen und etwas machen, für das ein normaler Urlaub nicht reicht. Und tatsächlich, ihr Arbeitgeber würde sie für rund drei Monate ziehen lassen. Da bin ich etwas freier, denn ich bin schon im Ruhestand.

Das Vehikel zur Tour

Ideen, was sie denn mit dieser Zeit anfangen wollte, hatte sie viele – und die Qual der Wahl. Letztlich entschied sie sich für eine genüssliche Rundtour mit dem Fahrrad und mir durch Frankreich. Es sollte allerdings „ihre“ Tour werden und sie wollte diese für sie so kostbare Zeit weitgehend ihren Vorstellungen entsprechend gestalten. Ich fand das richtig und gut und hatte kein Problem damit, selbst ein wenig zurück zu treten und die Tour notfalls auch allein zu machen, sollte Claudia aus irgend einem Grund ausfallen.

Zunächst einmal etwas zu unseren Überlegungen bisher zu allen möglichen Aspekten der Fahrt

Unsere „Reisephilosophie“
Es soll eine entspannte Reise werden, auf der wir die Gemächlichkeit neu entdecken und Zeit für uns und unsere Gedanken haben wollen. Zurückgelegte Kilometer sind nebensächlich und wenn es uns irgendwo besonders gut gefällt, bleiben wir halt ein paar Tage. Die Route ist nur eine grobe Vorgabe und wir werden von Tag zu Tag entscheiden, wie wir weiter fahren. Wir wollen im hohen Maß flexibel sein und werden daher auch jeder die eigene komplette Ausrüstung dabei haben.

Die Route
Nach vielen Überlegungen können wir uns folgende Route als Anhalt vorstellen:
Start in Basel nach Mühlhausen,
– dann am Kanal, Doubs und Saone bis Chalon-sur-Saone,
– nach Süden bis ans Mittelmeer
– und dort entlang der Küste Richtung Spanien,
– entlang Canal du Midi und Canal de Garonne
– bis auf Höhe Arcachon, dort zum Atlantik queren
– und nun die Küste entlang bis zu Seine-Mündung.
– Der Seine folgend bis Paris, von dort
– Flüssen folgend wieder nach Chalon-sur-Saone
– und wieder entlang der Saone, Doubs usw. zurück nach Basel.
So könnte es sein. Wies wird? Schaun mer mal …

Wir folgen möglichst Flusstälern, Kanälen und Meeresküsten (Claudia möchte unbedingt – in Anlehnung an unsere holländischen Nachbarn – „die Zee zeen“), denn größere Steigungen mögen wir beide nicht. Zeitlich dürfte es auch mit etlichen Ruhetagen problemlos in zweieinhalb bis drei Monaten machbar sein.

Wir verfügen beide über umfangreiches Equipment für unterschiedlichste Outdooraktivitäten. Neuanschaffungen halten sich also in Grenzen. Für uns steht eher die Frage im Vordergrund, was wir mitnehmen wollen. Hier meine bisherigen Überlegungen und erste Maßnahmen dazu.

Ausrüstungsfragen

Fahrrad
Das wichtigste Ausstattungsstück für eine Radtour. Da ich über nichts für den Zweck verwendbares verfügte, musste etwas neues her und so kam ich zu meinem Koga Miyata Traveller, einem wirklichen Reiserad.
Es war gebraucht und ich habe es erst einmal meinen Vorstellungen entsprechend renoviert. Wichtig bei der Anschaffung war mir eine hinreichende Belastbarkeit (140 kg) und gute Bewertungen von Reiseradlern in den einschlägigen Foren.
Ich habe es im Juli auf einer fünftägigen Tour getestet und was soll ich sagen, das Rad ist wirklich toll! Ich besaß noch nie ein derartig gut laufendes Fahrrad. Ich glaube, es war eine gute Wahl.

Zelt & Schlafen

TarpTent oder …

Hier habe ich die Wahl: Mein selbstgebautes HexHex oder mein Tarptent MoTrail. Derzeit präferiere ich das MoTrail, denn es bietet im Innenraum etwas mehr Platz und wird bei Hitze angenehmer sein, da es sehr luftig ist. In Frankreich kann es ja schon im Mai sehr heiß sein. Zudem ist es mit dem MT-Shelter und dem MT-Batwing sehr flexibel. Leicht

… HexHex. das ist die Frage

sind beide Zelte.

Quilt oder Schlafsack, was ist geeigneter? Bei unserem Start kann es durchaus noch kühl bis kalt sein, im Süden werden wir es jedoch oft mit Hitze zu tun haben. Ich weiß einfach noch nicht, wie ich mich entscheide oder ob ich irgendeine andere Lösung finde.

Kochen
Da stehen mein Picogrill 85 oder ein Trangia zur Wahl. Der Pico schied jedoch inzwischen aus. Für eine Ostseeumrundung wäre dieser Hobo mit Spiritusoption für mich erste Wahl gewesen, aber in Frankreich mit seiner Waldbrandgefahr allenorten?

Ob 25er oder 27er – ein Trangia wirds auf alle Fälle!

Ein Trangia wird es also sein! Warum? Weil ich es supersimpel, betriebs- und ausfallsicher haben möchte und Wert auf problemlosen Brennstoffnachschub lege. Und da ist ein Trangia m.E. unübertroffen (in meinem Fundus gibt es durchaus auch diverse Gas- und Benzinkocher).
Doch welcher Trangia, der kleine 27er oder der größere 25er? So wie es aussieht wollen wir viel selbst kochen und auch braten, auch mit frischen Sachen, die das Land so hergibt. Dafür scheint mir der große Trangia mit Non-Stick-Töpfen geeigneter, auch wenn er schwerer und voluminöser ist. Mal sehen …

Die Schüsselfrage ist …

Es wird eine lange Reise und daher will ich nicht mit Kompromissen bei der Ausstattung leben, die anfangen, mich nach zwei, drei Wochen zu nerven. Ich werde mir daher für meine Küchenausstattung einen genau für die Ortlieb Frontroller passenden Behälter, eine „Küche“, nähen, in der fast die gesamte

… auch noch nicht geklärt

Küchenausstattung (außer Brennstoffflasche) sauber und

geordnet untergebracht wird. Ein Griff in die Packtasche und die Küche ist einsatzbereit. Lebensmittel werden extra verstaut.
Zur Ausstattung gehört bei mir auch brauchbares „Werkzeug“. Neben den üblichen Dingen u.a.  Pfannenwender, Schneebesen und Schöpflöffel in Kleinformat und ein kleiner Sparschäler.
Und natürlich eine leichte Schüssel für alle möglichen Zwecke, z.B. Salat anmachen. Für den kleinen Trangia hab ich schon eine, für den großen überlege ich noch, eventuell die hier.

Klamotten
Da gilt bei mir die Devise „So wenig wie möglich und soviel wie nötig!“! Leicht müssen sie sein, einfach zu waschen und schnell trocknen. Shirts dürfen nicht so schnell anfangen zu müffeln – deshalb möglichst aus Wolle. Und gute Sichtbarkeit bei allen Wetterlagen ist angesagt. Deshalb sind viele Sachen mit Signalfarben (neongelb) und Reflexionsflächen an Bord.
Schuhwerk: Sporthalbschuhe und Crocs.
Für den Kopf: Helm mit Regenschutz und Unterziehkappe, Sonnenhut.
Für den Anfang sind sogar leichte Fleecehandschuhe dabei.

Navigation
Hier setze ich weitgehend auf GPS. Karten (OpenAndroMaps) und GPX-Tracks sind schon vorhanden. Ebenso eine Übersicht von Campingplätzen in Frankreich als POI.
Für die Übersicht und Planung nutze ich allerdings die klassische

Stressvermeidung durch sichere Navigation

Karte „Voies vertes et Veloroutes de France“ vom IGN. Die ist dafür sehr gut geeignet.
Sollte mein Smartphone ausfallen, steht als Backup mein Tablet zur Verfügung, das ich u.a. auch deshalb mitnehme, weil ich im Blog möglichst aktuell von der Tour berichten möchte.

Ein Problem war zunächst die regensichere Montage der Geräte am Fahrrad. Meine Lösung ist pragmatisch. Bei trockenem Wetter wird das Smartphone mittels „Finn“ am Lenker befestigt, bei nassem Wetter können Smartphone oder Tablet im durchsichtigen Deckelfach meiner Ortlieb Ultima 6 pro Lenkertasche  (in Beschaffung) untergebracht werden. In der finden auch meine Akkupacks Platz.

Fahrradreparatur
Ich nehme nur mit, was für Notreparaturen erforderlich ist. Für andere Dinge sind Fahrradwerkstätten im Fahrradland Frankreich zuständig. Es gilt hier die Devise gute Qualität, nur, was am Rad wirklich erforderlich ist und leicht, leicht, leicht.
Auch für das Werkzeug werde ich eine passende Tasche nähen in der alles Werkzeug und die meisten Ersatzteile Platz finden. Extra verpackt werden nur Faltdecke, Ersatzschlauch und Luftpumpe sein.

Kultur
Meine Schulfranzösisch möchte ich wohlwollend als „rudimentär“ bezeichnen. Ich möchte mich aber schon mit Menschen verständigen oder einfache Texte erfassen können. Deshalb werde ich über Winter einen Kurs an der Volkshochschule belegen.

Körper
Auch wenn wir die Tour gemächlich angehen. Einigermaßen Fit will ich schon sein und unser diesjähriges Trekking in Norwegen hat mir einige Verbesserungspotentiale aufgezeigt. Deshalb werde ich bis zum Aufbruch regelmäßig trainieren.

15.9.2017 – Parlez vous ähm … Französisch Kurs gebucht

Nachdem Claudia flink vorgelegt hat, habe ich nun auch einen Französischkurs an der VHS gebucht. Bescheiden A1 aber immerhin „Turbo“. Wenn ich dann für Einheimische verständlich nach dem Weg fragen kann und – noch wichtiger – die Antwort auch verstehe, dann bin ich zufrieden.

28.9.2017 – Je m’appelle Hartmut – et toi?

Mein Französischkurs hat begonnen. Ich war doch recht überrascht, dass etliches von vor rund 45 Jahren wieder an die Gedächtnisoberfläche blubberte.

Also, wenn das nicht Motivation fördert, was dann?

Die Kursteilnehmer sind nett und die Dozentin scheint genau richtig. Ich denke auch die Entscheidung zu A1 war passend. Ich freue mich schon auf die nächsten 13 Termine. Und Vokabeln und Grammatik werden auch fleißig gelernt. Nicht, dass es mir geht wie vor 45 Jahren, vier Wochen vor dem Abitur. Ich hatte mal wieder einen Text vorgelesen und mein Franz-Lehrer meinte nur: „Herr Henkel, wenn sie vorlesen, vorzüglich, eine Aussprache wie ein Franzose. Leider wissen sie meist nicht was sie lesen!“ Letztlich erreichte ich ein wohlwollendes „ausreichend“, das einzige und meine schlechteste Note. Es harmt mich heute noch …
Neben Vokabeln lernen denke ich derzeit noch darüber nach, wie ich am besten eine Werkzeugtasche und meine „Küche“ nähe.

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