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Was mich wirklich nervt ist, dass ich bei einem längeren Aufenthalt mit Mini-Camper mit aufgebautem Heckzelt und eventuell auch Tarp mehr oder weniger an meinem Stellplatz angenagelt bin! Ein erster Versuch der Abhilfe mit einem Dahon-Klapprad war nicht so meins. Das Rad war ja bestens, allerdings fühlte ich mich aufgrund des kurzen Radstands und der 16″-Räder zu wackelig-unsicher darauf.
Vor einiger Zeit berichtete ich hier über meine Ü70-Erfahrungen mit Leih-E-Scootern. Die waren durchaus positiv und im Hinterkopf setzte sich zunehmend der Gedanke eines Kaufs fest. Allerdings gibt es für mich einige Hauptkriterien, die erfüllt sein sollten:
- Zuladung von mindestens 140 kg,
- Wechselakku für mindestens 75 km Labor-Reichweite, denn im Haus kann ich keinen Scooter laden,
- Vollfederung.
- max. um 30 kg Gewicht
Letztes Jahr brachte Soflow den voll gefederten den So4 Pro Max zum absolut bemerkenswerten Preis von aktuell um 800 € heraus. Dieser erfüllte meine Hauptkriterien. Ein durchaus schöner Scooter! Allerdings ließen mich immer wieder im Netz auftauchende Berichte über den so erlebten, wohl recht miserablen Kundenservice bei Soflow und auch über nicht erklärliche Defekte in der Elektronik an den Scootern zögern. Dazu kamen 2025 noch Berichte von inzwischen wohl überwundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei SoFlow mit all den möglichen Folgen für SoFlow-Besitzer.
Bei meiner weiteren Suche stieß ich dann auf den Egret GT. Ein Traum von einem Scooter, aber mit aktuell um 1.600 € doppelt so teuer wie der So4 Pro Max! Das verursachte bei mir erst einmal Schnappatmung! Weitere Recherchen machten jedoch deutlich, dass er sein Geld wohl durchaus wert sein dürfte. Rein technisch und von der Ausstattung her ist er in seinem Segment m.E. derzeit „state of the art“ mit einigen z.Z. einmaligen Innovationen. Premiumklasse, quasi der Maybach unter den Scootern! Dazu kommt dann noch der allgemein hochgelobte Kundenservice bei Egret. Ich fand tatsächlich diesbezüglich keine wirklich negativen Posts im Web. Doch brauche ich so einen teuren High-End-Scooter wirklich?
Weitere Scooter, die meinen Spezifikationen entsprechen fand ich bisher nicht.
Im Alltag will ich meinen Scooter bei Nichtgebrauch im Caddy lagern. Darin ist gut Platz. Transportieren kann ich ihn aufgeklappt im Mittelgang. Zusammengeklappt findet er bequem auf einer Schutzplane längs oder quer auf dem aufgebauten Bett oder sogar quer auf den Vordersitzen Platz. Letzteres ist vor allem fürs Übernachten wichtig. Allerdings ist es für mich mit fast Mitte 70 schon ein spürbarer Unterschied, ob ich die 32 kg des Egret (ohne Akku immer noch gut 27 kg) oder die des mit Akku rund 10 kg leichteren SoFlow ins Fahrzeug hieven muss.
Im Alltag hätte ich also immer eine sichere Aufbewahrung des Scooters, immer schnellen Zugriff darauf und er ist ruckzuck einsatzbereit. Zum Transport im Auto kann er dann sehr einfach mit Spanngurten an den Zurrlaschen des Caddy gesichert werden.
Doch für welches Modell sollte ich mich nun entscheiden, wieviel war ich bereit zu investieren und letztlich was ist eigentlich mein realistischer Bedarf? Ich bin sicherlich kein Poweruser, der ein Maximum an Perfomance braucht. Geländefahrten sind auch nicht beabsichtigt. Ich möchte es komfortabel und brauche das Teil einfach nur für meine alltägliche Mobilität auf vergleichsweise kurzen, normalen Strecken zum Einkaufen, den Arztbesuch oder eben auf dem Campingplatz und sonstigem derart. Ich bin nicht mehr besonders gut zu Fuß und möchte für alltägliche Strecken nicht immer auf mein Auto oder den ÖPNV angewiesen sein. Mir geht es also einfach auch darum, mir eine niederschwellige Mobilität mit zunehmendem Alter so lange es geht zu erhalten. Nach meinen bisherigen Erfahrungen ist ein E-Scooter für mich dafür ideal. Letztlich entschied ich mich nach sorgfältiger Abwägung aller Aspekte pro und contra Egret oder SoFlow für keinen von beiden! Der eine ist für meinen Bedarf überpowered und damit deutlich zu teuer. Beim anderen schreckten mich immer wieder geäußerte Mängel beim Service und der Qualität ab. Ein Egret mit 140 kg Zuladung, Wechselakku und Vollfederung für max. 1.000 € wäre mein Wunsch.
Einige Worte noch zum Zubehör und zur Versicherung. Sollte ich einen passenden Scooter finden, werde ich mir noch zwei Dinge zulegen, die ich für wichtig halte. Einen Helm habe ich schon. Wenn immer vermeidbar fahre ich nie ohne!
Derzeit ist das 75 cm lange AMZLOCK E Scooter Handschellenkettenschloss mit 8 mm Dicke für rund 50 € meine Wahl. Wichtig beim Schloss ist, dass es den Versicherungsbedingungen der Teilkasko für den Scooter entspricht.
Dazu eine kleine, leichte elektrische Luftpumpe. Der preiswerte und allseits von E-Scooter-Nutzern hochgelobte Portable Electric Air Compressor 2 von Xiaomi ist mir mit fast 500 g zu schwer. Meine Wahl fiele derzeit auf die gerade einmal 123 g schwere Peakspeak Elektrische Mini Fahrradpumpe AS260PRO für rund 43 €
Meine leichte Minipumpe für Handbetrieb vom Fahrrad funktioniert bei den Schrader-Ventilen natürlich auch bestens. Mit einer elektrischen Luftpumpe lässt sich der Druck allerdings präzise einstellen. Na ja, bequemer ist es auch.
Neben der üblichen Haftpflicht würde ich bei meine Kfz.-Versicherung (HUK) zusätzlich Teilkasko abschließen, die u.a. auch Diebstahl, Beschädigung und Vandalismus abdeckt. Bei einem Scooter in meiner angestrebten Preisklasse scheint mir das sinnvoll. Andere Versicherer wie z.B. der ADAC haben vergleichbare Angebote.
Soweit zu meinen ganz persönlichen Vorstellungen bezüglich E-Scooter im Mini-Camper und für schwergewichtigere und/oder ältere. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich von keinem der hier verlinkten Unternehmen irgendeine Vergütung erhalte. Die Links dienen einzig der einfacheren Information!
Ich finde es schon recht eigenartig, das die Hersteller, insbesondere aus Europa, ganze potentielle Käufergruppen einfach weitgehend ignorieren.
Thema Wechselakku: Ich vermute, in Deutschland wohnen viele in Mietwohnungen, oft noch ohne Fahrstuhl.
Thema Zuladung: Gerade viele Schwergewichtige dürften E-Scooter als erleichternden Segen empfinden.
Thema ältere Nutzer so ab 50: Die scheinen in den Überlegungen der Hersteller auch kaum vorzukommen. Meist mit ordentlich Kaufkraft ausgestattet. Die noch älteren finden bei den Herstellern gar nicht mehr statt. Da gibt es viele Voreingenommenheiten ob das für diese Gruppe nicht viel zu gefährlich ist. Ja, kognitive Fähigkeiten und Reaktionsfähigkeit lassen mit zunehmendem Alter nach, auch der Gleichgewichtssinn. Da sollte sich jeder selbst kritisch prüfen. Ist man nicht mehr hinreichend fit, lautet meine Empfehlung eindeutig: Finger weg vom E-Scooter! Für alle anderen kann das Ding ein wahrer Segen sein, zumal, wenn sie nicht mehr gut zu Fuss sind.
Tipps zum Einstieg für Späteinsteiger hatte ich in meinen Ü70-Erfahrungen mit E-Scootern aus meiner persönlichen Sicht und eigenen Erfahrung zusammen gefasst.
Diesmal also Blog pur, so ganz ohne Bilder. Ich habe einfach nichts Geeignetes und irgendwelche Urheberrechtsverletzungen möchte ich auch nicht riskieren. Aber die Dinge, die wert sind anzuschauen, habe ich verlinkt.

Moin Helge,
erst einmal vielen herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und deine tollen Vorschläge. Diese Räder kannte ich noch nicht! Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut.
Viele deiner Gedanken bewegen mich auch schon seit Jahren und ja, ich wäre gern in diese Richtung gegangen. Mein persönlicher Favorit wäre so ein minimalistisches Brompton gewesen. Leider stehen dem jedoch einige Umstände entgegen, die ich nicht näher ausführen möchte. Insbesondere aber immer wieder mein Gewicht von aktuell rund 125 kg. Dafür sind auch die von dir vorgeschlagenen Räder leider nicht gebaut.
An die E-Scooter bin ich aus purer Neugierde gekommen. Ich wollte sie vor Jahren mal ausprobieren und stellte schnell fest, dass ich gut damit klar komme. Aber auch, dass die Dinger im Gebrauch nicht ganz ohne sind, gerade auch für Leute in meinem Alter. Deshalb plädiere ich vehement dafür, dass gerade diese Gruppe sich ehrlich selbst prüft und vor allem solche Teile erst einmal, am besten unter Anleitung, in einem sicheren Bereich ausprobiert und auch die Verwendung übt.
Bezüglich E-Bikes habe ich auch den Eindruck, dass das Marketing vieler Hersteller gerade die Gruppe Ü60 bearbeitet. Aufsteigen, losfahren, alles easy. Kann doch jeder! Meines Erachtens aber eben nicht! Ü60 kommt dagegen bei den E-Scooter-Herstellern so gut wie gar nicht vor.
Also, nochmal Danke für deine ausführlichen Gedanken!
Beste Grüße aus Lübeck – Hartmut
Lieber Hartmut,
stets habe ich deinen messerscharfen Verstand und Deinen Erfindungsreichtum geliebt. Du bist ein genialer Tüftler und alle Deine Posts liebe ich.
Bitte erfreue uns als Community noch lange mit Deinen genialen und durchdachten Beiträgen.
Zu Deinem Problem:
Mobilität auf kurzen wie langen Wegen wird das Zukunftsthema schlechthin für die Menschheit. Da ich 45 Jahre alt und topfit bin, bewege ich mich vorsichtig mit Kommentaren zu elektrisch betriebenen Fortbewegungsmitteln, da ich die körperlichen Befindlichkeiten der älteren Menschen natürlich in meinem Zustand schlecht einschätzen kann.
Was mir aber immer wieder auffällt:
Den älteren Menschen wird in jeder Möglichkeit ein Akku geradezu aufgedrängt. Der Inbegriff des Unsinns ist für mich das Riese und Müller Delite 5. Satte 38 (!) Kilogramm Gesamtgewicht. Hier wird viel Augenwischerei betrieben, denn sowohl das Gewicht als auch ein Antiblockiersystem sind als Senior nicht zu heben oder vermitteln trügerische Sicherheit.
Das du Dich mit 16 Zoll Rädern wie beim Dahon oder alten Brompton kippelig fühlst, verstehe ich gut und gern.
Dennoch möchte ich Dir den Tipp geben, kurze Wege lieber rein muskelbetrieben und langsamer zu fahren. Das Fortbewegungsmittel ist dann deutlich leichter zu heben und vor allem zu handeln.
Mein 82- jähriger Vater lehnt E- Bikes konsequent ab. Auch den Garten bearbeitet er noch selbst. Seine Fitness ist dadurch erstaunlich. Er hat mir immer gelehrt: Wer es sich bequemer macht, fällt zurück.
Und hier kommen wir zu einem genialen Fortbewegungsmittel für Kurzstrecken: dem Faltrad mit 20 Zoll Rädern.
Mein Vater fährt das 20 Zoll Vello mit Titanrahmen und rund 10 Kilo Gewicht. Das Stahlrad ist aber genauso toll. Er hat es gern im Auto dabei und fährt Tagestouren.
Ich fahre das Tern BYB P8. Dieses Faltrad fährt so schnell und effizient, dass ich mit Minimalgepäck und Zelt sogar Bikepackingtouren mit 95 Kilometern Tagestour gefahren bin. Es lässt sich mühelos für die Bahn falten, hat einen satten Lauf und langen Radstand.
Ich denke, damit kannst du glücklich werden. Bedenke auch bitte in deinem Alter, dass die Sturzgefahr bei E- Rollern durch die kleineren Räder erhöht ist. Das kleine Vello 20 Zoll Rad meines Vaters hat einen satten Lauf, ist klein zusammenzufalten und bequem zu verladen.
Alles über 14 Kilogramm möchte ich selbst mit 45 Jahren nicht gefaltet schleppen und verladen.
Beste Grüße von Helge