Grillen & Backen auf dem Kartuschenkocher?

Wer meinen Blog verfolgt weiß, dass Kochen bei meinen Touren im Mini-Camper für mich eine gewisse Bedeutung hat. Normal kochen und Braten oder mit dem Omnia funktioniert bestens, aber eins hat mir immer ein wenig als Option fürs Essen zubereiten gefehlt. Grillen! Aber die schmutzige Rumpütscherei mit einem Holzkohlegrill, das Ding, die Kohle und Anzünder mitschleppen oder gar die Anschaffung eines Gasgrills und damit weiterem, platzraubenden Zeugs sind nicht so meins.
Warum nicht mit einer Grillplatte den sowieso vorhandenen Gaskocher zum Grillen nutzen?

Flop

Aber funktioniert das auch brauchbar und schmeckt das Gegrillte dann überhaupt? Da hilft nur ausprobieren! Mit einem Einsatz von 12,89 € bei Ebay schien das Risiko nicht wirklich allzu groß. Nach etwas Recherche hatte ich mich zunächst für die unten beschriebene Platte entschieden. Sie ist zweiteilig, besteht aus Alu und ist daher mit 500g recht leicht. Die Grillplatte lässt sich mit einem mitgelieferten Griff auch heiß sicher entnehmen. Der Griff ist allerdings etwas klöterig zu handhaben.
In den Korpus wird zum Grillen Wasser eingefüllt. Damit soll für die spätere leichte Reinigung herunter tropfendes Fett und Sonstiges aufgefangen und zudem die Rauchentwicklung deutlich reduziert werden.
Unter dem Korpus befinden sich 4 Sicken, die für einen genau definierten und auch sicheren Stand auf dem Topfkreuz sorgen sollen. Dank der Beschichtung soll sich die Platte zudem einfach reinigen lassen. Schaun mer mal …

Für meine Tests grillte ich Gemüse, Würstchen und Fleisch, also das Standardprogramm. Ich begann mit einigen „Trockenübungen“ zuhause. Folgende Kriterien waren mir bei meinen Tests wichtig:

  • Gelingt wirklich schmackhaftes Grillen mit diversem Grillgut?
  • Brennt Grillgut an?
  • Verbrennt Grillgut zu stark?
  • Verzieht sich die Grillplatte?
  • Hält sich die Rauchentwicklung in Grenzen.
  • Lässt sich die Grillplatte einfach reinigen?

Ich begann mit mariniertem Nackenfleisch, Thüringer Bratwurst und roter Paprika.
Der Grill hatte innerhalb einer Minute Betriebstemperatur. Fleisch aufgelegt und los gings. Es gab zwar Rauch, aber in Grenzen. Ein paar mal gewendet und dann kam der spannende Moment. Das Fleisch war innen noch leicht hellrosa und saftig und schmeckte mit leichten Röstaromen durchaus gut. Beim Wenden stellte ich allerdings fest, dass das Fleisch recht stark anklebte und die Grillplatte sehr instabil im Korpus lag. Schon bei leichtem Druck auf die äußeren Bereiche verrutscht sie sehr leicht und das Grillgut drohte auf den Brenner zu fallen. Ich bekam das zwar einigermaßen hin indem ich mit einem Holzlöffel genau auf die Mitte der Grillplate Druck ausübte, doch toll ist so etwas wirklich nicht. Dazu kam, dass die Sicken im Korpusboden offenbar nicht tief genug sind. So stand das Teil beim Hantieren einfach nicht sicher genug auf dem Topfkreuz.
Außerdem stellte ich fest, dass die Grillplatte leicht verzogen war. Aufgrund der Wölbung der Grillplatte war er nur schwer möglich Wurst und Gemüse zu platzieren. Immer wieder herunter rollten sie herunter.
Dann kam die rote Paprika dran. Auch hier war das Ergebnis durchaus in Ordnung.
Zuletzt testete ich mit Thüringer Bratwurst aus der Kühlung von Edeka. Die grillte ich möglichst langsam, mit kleiner Brennerflamme auf den gerippten Aussparungen der Grillplatte was wegen der Wölbung der Grillplatte schwierig war. Sie garten gut durch und blieben auch saftig. Allerdings verbrannte die Haut für meinen Geschmack zu stark. Der Geschmack war jedoch trotzdem noch in Ordnung.

Grillen geht also, wenn auch mit Abstrichen. Aufgrund des dünnen Materials, der nicht wirklich funktionierenden Antihaftbeschichtung und der daraus resultierenden aufwändigeren Reinigung war es nicht das ganz das reine Vergnügen. Die gewölbte, instabile, leicht verrutschende Grillplatte ist m.E. jedoch ein stabiles „no go!“. Deshalb musterte ich dieses Gerät bereits nach meinen ersten Tests wieder aus. Testnote: Mülliger Klöterkram!

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Nach weiterem Suchen fiel meine Wahl auf die unten abgebildete Platte aus Gusseisen. Die fand ich im Web für nur 24,90 € (kostet sonst meist das ca. doppelte) + 5,90 € Versand.

Diese Platte passt dank knapp 30 cm Innendurchmesser problemlos auf das Topfkreuz, liegt dort stabil und sicher darauf. Kein Vergleich zum klapperigen Handling des zuvor getesteten Modells!
Mit ihren stolzen 3,5 kg Gewicht, einer gerippten und einer flachen Seite und soliden Griffen versprach sie auch ein besseres Handling. Eingebrannt war sie werksseitig auch schon und ließ dank der Wärmeleiteigenschaften des Gusseisens ein ordentliches Grillergebnis erwarten.

Wieder startete ich mein Testprogramm. Um es kurz zu machen. Die Grillergebnisse bei Fleisch, Wurst und Paprika waren deutlich besser als auf dem anderen Gerät. Gusseisen bringt eben im Vergleich zu dünnem Alu einfach bessere Ergebnisse. Auch das Hantieren am Grill ging jetzt endlich leicht und sicher von der Hand.

Was ich toll finde ist, dass sie auf einer Seite zum Grillen geriffelt ist und auf der anderen glatt, also eine „Planche“. Auch Gemüse, Omelett, Pfannkuchen, simples Toasten und anderes sind so möglich. Dank des ca. 1 cm hohen Rands tropfen weder Fett noch andere Flüssigkeiten herunter.

Bei Würstchen musste ich ein wenig tüfteln bis ich den Bogen raus hatte. Bei den ersten brannten mir die Riffeln zu tief ein. Das passierte nicht mehr als ich sie diagonal oder sogar längs zu den Riffeln auflegte. Auf der glatten Plattenseite geht natürlich auch. Die gibt ihre Hitze gleichmäßiger an die Teile ab. Aber auch hier muss man aufpassen dass sie nicht anbrennen. Sie schmecken allerdings von beiden Seiten gut.
Fleisch auf der gerippten Seite grillen funktionierte dann allerdings bestens, obwohl es wiederum auch auf der glatten gut funktioniert. Allgemein gilt: Volle Pulle Platte heiß machen, auf kleiner Flamme grillen!

Reinigen (immer ohne Spülmittel!) nach dem Grillen ist simpel. Einfach Kocher ausstellen, Platte etwas abkühlen lassen und dann gaaanz vorsichtig! zumindest sehr warmes! Wasser geben. Ist die Platte noch zu heiß kann sehr viel sehr heißer Dampf entstehen. Verbrühungsgefahr! Unbedingt auch kein kaltes Wasser nehmen ! Die Platte könnte Risse bekommen. Nach kurzem Aufbrodeln ca. 5 Minuten einwirken lassen und dann Eingebranntes einfach mit einem Holzspatel/einer Spülbürste lösen. Wenn die Platte abgekühlt ist alles sorgfältig abspülen, gut abtrocknen und wenn sie schließlich getrocknet ist unbedingt mit hoch erhitzbarem Öl (z.B. Rapsöl) leicht einreiben. Das erhält den Antihaft-Effekt und schützt vor Korrosion.
Die Platte ist in Sachen Grillen und Reinigung m.E. ganz unprobematisch wenn man auf die Sicherheit achtet. Die Rauchentwicklung beim Grillen ist abhängig vom Grillgut meist eher gering.

Mein Fazit bis jetzt: Für mich ist die Gusseisenplatte eindeutiger Favorit für eine Nutzung des Kartuschenkochers als Grill – soweit es eben nicht unbedingt aufs Gewicht ankommt. Die Platte kommt mit „voller Pulle“ in wenigen Minuten schnell auf Grilltemperatur, ist deutlich sicherer in der Handhabung und leichter zu reinigen. Alles klappte auf Anhieb. Für ganz optimale Ergebnisse bedarf es jedoch wie bei vielen anderen Dingen ein wenig der Erfahrung. Der etwas höhere Gasverbrauch wird m.E. durch all die Vorteile mehr als nur wett gemacht.
Die Platte hat den Nutzwert meines Gaskochers m.E. enorm aufgewertet und es kommt sogar noch etwas dazu!

Grillplatte als Backofen dank Backhaube

Bei der Testerei kam mir nämlich eine Idee. Die Platte speichert schnell ernorm Wärme und gibt sie dann recht ganzflächig wieder ab. Sie müsste sich daher doch außer zum Grillen auch gut zum Backen, z.B. von Pizza, Baguette oder Croque Monsieur, eignen!
Für die erforderliche Oberhitze braucht es dann allerdings eine passende Abdeckung, eine Backhaube in ausreichender Höhe. Für erste Tests nutzte ich als Provisorium einfach eine umgedrehte Bratpfanne. Sie passte sie gut auf die Grillplatte und war mit 7 cm gerade noch hoch genug für ein Croque. Das funktionierte dann im Test schon recht gut. Sowohl Pizza, als auch Croque Monsieur gelangen. Bei Pizza aus Fertigteig backe ich übrigens den Teigfladen auf der Oberseite immer ein paar Sekunden an. Dann dringt die Tomatensauce nicht so in den Teig ein.
Toastbrot läßt sich auch auf der Platte auch gut toasten. Beim Backen von Croques erspart übrigens untergelegte Alufolie einige Reinigungsarbeit.

Die Pfanne war natürlich nur ein Provisorium für den Nachweis der Machbarkeit. Für die endgültige Abdeckung wurde ich bei IKEA fündig. Die Schüssel „Blanda Blank“ aus Edelstahl mit 28 cm Durchmesser und 13 cm Höhe war ideal und kostet nur 5,99 €. Einen Griff brachte ich mit starken Neodym-Magneten an. Backhauben kann man übrigens auch fertig kaufen. Die kosten allerdings gut Geld. Um 50 – 70 € sind da durchaus möglich.
Wer sich für die simple Metallschüssellösung mit Magnetgriff entscheidet sollte beim Kauf mit einem Magneten testen. Manche Metallschüsseln sind nicht magnetisch. In der Nähe des Schüsselbodens habe ich zunächst einmal ein 3 mm Loch gebohrt damit heißerWasserdampf entweichen kann. Das Loch befindet sich nicht zu nah am Griff, damit ich mich nicht am heißen Dampf verbrühe.


Ich backe Pizza und anderes nicht direkt auf der heißen Grillplatte. Pizza backe ich auf einem Pizzagitter (auch Pizza-Screen genannt) und Croque oder Baguette auf dem Rundgitter meines Pfannenofens. Damit vermeide ich, daß die Teile unter dem Boden schon schwarz werden während oben der Käse noch gar nicht ganz verlaufen ist. Eine Erfahrung von meinem Pfannenofen.
Pizza und Sonstiges backen funktioniert mit diesem Setup für Oberhitze dann auch bestens. Dank des blanken Edelstahls wird die Hitze sehr gut auf das Backgut reflektiert. Also Grillplatte ordentlich vorheizen, Pizza drauf und dann auf kleinerer Flamme backen. Normal sind Pizza und dergleichen fertig, wenn der Käse satt verlaufen ist und sich der Teigrand nur ganz leicht zu bräunen beginnt. Zur Kontrolle die Schüssel nur ganz kurz anheben damit nicht unnötig viel Wärme verloren geht.

Mit TK-Pizza klappt es bereits prima!

Das Rundgitter Rundgitter unter dem Pizza-Gitter sorgt für ausreichende Oberhitze. Die heiße Luft kann dann einfach besser durch den relativ schmalen Spalt am Rand zirkulieren. Wenn Pizzagitter und Pizza direkt auf der Grillplatte liegen schirmen sie einen Großteil der Hitze ab und die Oberhitze ist zu schwach.

Eine Alternative zu obiger Backhaube hätte der Deckel meines Omnia sein können. Er hat knapp 25 cm Durchmesser und ist ca. 5 cm hoch. Aufgrund der Auflagefläche für das Unterteil des Omnia gehen noch ca. 2 cm Durchmesser verloren. Für 26 cm Pizzen reicht es also nicht. Aber durchaus für kleineres wie Croques oder Baguettes. Aufgrund des kleineren Backraums funktioniert es mit der Oberhitze damit möglicherweise noch besser.

Test auf Tour

Der Härtetest soll dann auf meiner „Fischbrötchen-Tour 2025“ durch McPom stattfinden. Da muss sich zeigen, ob dieses Setup für die Tour wirklich tauglich ist. Auch davon gibt es dann noch eine Ergänzung.
Bezüglich Koch-, Brat-, Grill- und Backmöglichkeiten für Unterwegs sind bei mir inzwischen kaum noch Wünsche offen. Ich kann also ganz normal Kochen, ganz normal Braten und auch Gerichte mit meinem Omnia zubereiten. Jetzt dürfte auch noch ordentlich Grillen und brauchbar Backen funktionieren. Und das sogar ohne den Schmutz und der damit verbundenen aufwändigen Reinigung eines Holzkohlegrills. Was will ich mehr?

Edit 18.09.2025

Der Härtetest fiel sehr positiv aus. Das Grill- & Back-Setup funktioniert auch im praktischen Einsatz wie erhofft. Es stört beim Handling damit auch nicht bezüglich der räumlichen Gegebenheiten in einem Mini-Camper.
Bezüglich der Reinigung mittels heißem Wasser gab es allerdings noch eine neue wichtige Erkenntnis. Nach dem Gebrauch die Grillplatte diese unbedingt ein paar Minuten herunter kühlen lassen. Gibt man jedoch sofort heißes Wasser auf die noch sehr heiße Grillplatte entwickelt sich schlagartig eine große Menge sehr heißer Dampf. Da besteht Verbrühungsgefahr!

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