Nun doch ein Klapprad – aber „E“ und 20″!

Warum? Weil es mir einfach nicht möglich war, seinerzeit (Juli 2026) einen E-Scooter zu finden, der meinen persönlichen Anforderungen entspricht! Im Kern heißt das 150 kg belastbar, um ca. 25 kg schwer, Wechselakku, mind. 70 km Laborreichweite, für mich akzeptabler Preis um 1.000 € und keine substanziell negativen Nutzerrückmeldungen.
Da blieben nur zwei übrig: der perfekte Egret GT. Premium, aber mir mit rund 1.600 € leider zu teuer und mit gut 32 kg auch deutlich zu schwer. Dann der SoFlow SO4 PRO MAX. Der hatte zwar, was ich suchte, aber bedauerlicherweise auch ein wirklich sehr gemischtes, zu oft negatives und vor allem andauerndes Nutzer-Feedback bezüglich Qualität und insbesondere dem Service.
So wurde es schließlich auch für mich vollkommen überraschend doch wieder ein Klapp-Bike. Diesmal jedoch eins mit 20″ Rädern und als Pedelec: Das ENGWE O20 Boost.

Eigentlich wollte ich kein Klapprad mehr. Das von mir seinerzeit so empfundene extrem wackelige und damit unsichere Fahrgefühl auf dem ansonsten durchaus schönen 16″ Dahon war noch zu sehr präsent!
Ich stolperte auch eher zufällig über das ENGWE, als ich mal wieder vergeblich und langsam die Hoffnung aufgebend nach einem für mich passenden E-Scooter im Web suchte. 150 kg Zuladung weckten sofort mein Interesse. Dazu sah das Teil auch noch recht gut aus. Dann überraschte mich die Ausstattung: hydraulische Scheibenbremsen, gefederte Vorderradgabel, 20″ Räder, Shimano Altus mit 8 Gängen, klappbare Pedale, rostfreie Kette, 720 Wh Akku mit LG-Zellen, 75 Nm Motor, Drehmomentsensor und ein ordentliches Display. Darüber hinaus schien es perfekt verarbeitet zu sein und ließ sich bei erster Inaugenscheinnahme wohl auch simpel und komfortabel zusammenklappen.

All das sollte normal 1.299 € kosten. Vergleichbar ausgestattete E-Klappbikes in der Preisklasse fand ich nicht. Die kosten meist das Doppelte oder mehr, was natürlich z.T. auch dem Geschäftsmodell geschuldet ist. ENGWE ist ein international agierender Direktvermarkter mit chinesischen Wurzeln und zentralisiertem Service. Die Kosten eines ausgedehnten Händler- und Servicenetzes fallen da weg. Bei Problemen findet man also u.U. keine Werkstatt in der Nähe. Das sollte man wissen. Umso mehr kommt es dann also auf die Qualität des Produktes an! Nach allem, was ich bisher diesbezüglich wahrgenommen habe, mangelt es da beim ENGWE O20 Boost wohl nicht.
Da das Teil gerade neu auf den Markt kommt, startete ENGWE einen befristeten Vorverkauf bis Mitte August 2026 mit 1.099 €, also 200 € unter Normalpreis. Als Zugabe ein Faltschloss und ein GPS-Tracker für iOS und Android. Eigenartigerweise auch ein Gepäckträger! Ich dachte, der gehört eigentlich zum Bike! Ob er später wohl extra erworben werden muss?
Doch damit nicht genug. Bei meinen weiteren, recht umfangreichen Recherchen stieß ich dann noch auf diverse Rabattcodes von meist 10 %. Dank „Scooterhelden“ sollte das Teil letztlich gerade einmal 989,10 € bei 0 € Transport kosten. Rechnet man dann die rund 60 € für das erforderliche Schloss auch noch ab wird es noch weniger. Da alle weiteren Recherchen nichts wirklich Negatives zum Rad, aber auch nicht zum Hersteller allgemein erbrachten konnte ich nicht widerstehen und bestellte mir das Rad. Denn auch Mitführen, Transport und Lagerung im Mini-Camper sollten für mich, wie bei einem E-Scooter, kein Problem sein und genau das ist mir sehr wichtig.
ENGWE fertigt die Bikes in China und hat wohl Auslieferungslager in der EU. Zollprobleme gibt es daher nicht. Mein Rad kam z.B. aus Polen, das Schloss separat aus den Niederlanden.
Der Bestellvorgang mit Bezahlung über PayPal war absolut unproblematisch. Allerdings musste ich wie angekündigt noch einige Tage auf mein Rad warten. Aber dann war alles genau so, wie im Internet angekündigt.

Das Rad kam weitgehend vormontiert und super verpackt bei mir an. Der restliche Zusammenbau erforderte keine besonderen Schrauberkenntnisse und war in ca. einer halben Stunde erledigt. Im Aufbauvideo von ENGWE und der Bedienungsanleitung ist alles einwandfrei dargestellt. Akku aufgeladen, Reifendruck überprüft, Helm auf und dann ab zur ersten Testfahrt.

Beim Aufbau fielen mir ein paar Dinge auf.

  • Das Lenklager muss fixiert werden. Dies geschieht mittels Festziehen einer Schraube unter einer kleinen Abdeckung zentral im aufgeklappten Lager und der zwei Schrauben außen am Klappmechanismus. Im Aufbauvideo wird das nur ganz kurz und ohne Kommentar gezeigt. In der ansonsten ausgezeichneten (leider nur englischen oder polnischen) Aufbauanleitung wird unter 2.1.3 Nr. 6 lediglich auf die beiden äußeren Schrauben hingewiesen.
  • Rad fertig aufgebaut, Akku montiert, eingeschaltet, Starttaste gedrückt und es passierte – erst einmal gar nichts! Ladeanzeige am Akku gedrückt – null! Nach erster Ratlosigkeit dämmerte mir dunkel etwas von BMS und Ruhemodus. Also Akku zum Aufwecken ans Ladegerät angeschlossen und siehe da, er erwachte zum Leben. Die Ladeanzeige zeigte es farbenfroh. Akku ins Rad eingeschoben und nun erwachte auch das Rad zum Leben! Nur Verlierer lesen Aufbauanleitungen nicht! 😉
  • Das vordere, sehr solide Schutzblech aus Kunststoff war durch die Verpackung verzogen. Bei der Montage ließ sich das jedoch sehr einfach beheben.
  • Insgesamt macht das Rad einen wirklich sehr soliden Eindruck. Man glaubt ihm die 150 kg Traglast einfach. Von den Prä-Testern monierte Dinge sind gefixt. Alles passt, alles ist sehr sauber verarbeitet und wirklich bis ins Detail gut durchdacht. Das Design ist durchaus chic. So wünscht man es sich. Das hat rein nichts von billigem China-Kram!

Ich mache es kurz. Das Ding ist und alles war und funktionierte tatsächlich genau so, wie ich es in den vielen Videos der Pre-Lauch-Tester gesehen hatte.
Das Rad fährt sich selbst ohne Motorunterstützung wirklich leichtgängig und tadellos! 5 Unterstützungsstufen sind in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich. Als Neuling auf dem Pedelec war ich überrascht, dass bereits in der ersten Unterstützungsstufe eine spürbare, aber dank Drehmomentsensor angenehm sanfte Unterstützung einsetzte. Boostfunktion und 8 Gänge zeigen auch leistungsmäßig ihre Wirkung. Ein wackeliges Fahrgefühl hatte ich nicht, wenn auch der Drehimpuls größerer Räder schon mehr Stabilität vermittelt.
26.5 kg sind jedoch schon deutlich spürbar beim Hantieren mit dem zusammengeklappten Rad. Allerdings hätten für mich infrage kommende E-Scooter in der gleichen Gewichtsklasse gelegen. 150 kg Traglast müssen wohl irgendwoher kommen.

Zum Bike gibt es bereits jetzt zahlreiche Videos bei YouTube. Ich möchte hier nicht wiederholen, was dort schon erschöpfend dargelegt wurde. Hier nur eins, das ich recht informativ finde.
Einen Testbericht möchte ich allerdings doch noch empfehlen und verlinken. Er ist m.E. recht informativ und praxisnah und deckt sich in weitgehend auch mit meinen ersten Eindrücken.

Alle meine bisherigen Eindrücke sind natürlich sehr frisch. Wie sich das ENGWE letztlich auf Dauer macht, muss sich zeigen.

Etwas eigenartig finde ich allerdings das Thema Diebstahlsicherheit bei dem Rad berücksichtigt. Am Rad selbst gibt es dafür offenkundig zunächst erst einmal keine entsprechenden Vorrichtungen!
Natürlich lässt sich das Rad mittels Schloss gegen Diebstahl sichern. Ich bekam ja eins von ENGWE als Geschenk für Vorbesteller. Sonst ist extra kaufen angesagt. Auch über NFC lässt sich der Controller nicht per Phone oder Chip schnell sperren. Ebenso kann der Akku nicht per Schlüssel elektrisch vom System trennen.
Das System zu sperren ist nur über die ENGWE-App per Bluetooth möglich. Die App bietet dann aber auch die von einigen im Display vermisste %-Anzeige für den Ladestand des Akkus und einiges mehr.
Der mitgelieferte Tracker funktioniert prima, ist aber auch kein Schutz gegen Diebstahl. Er bringt erst dann etwas, wenn man das Bike sucht. Mir ist aber lieber, es gar nicht erst suchen zu müssen! Es soll ja einen verborgenen Anbringungsort für den Tracker geben, aber den fand bisher offenbar noch niemand. Was ja letztlich für seine Verborgenheit spricht.
Ich kette also mein Rad irgendwo an und deaktiviere das System per App. Einfache Wegnahme und Nutzung sind dann nicht mehr so einfach möglich.
ENGWE bietet als Zubehör noch einen akustischen Bike-Alarm für rund 25 € an.

Einige Tester monierten das Handling des Doppelständers als gewöhnungsbedürftig und zu fummelig. Na ja, das ist wirklich Geschmackssache und erscheint mir aber doch recht überzogen! Ich z.B. halte das Teil für optimal, da er einen deutlich stabileren Stand als die üblichen Seitenständer bietet und gut beim Zusammenklappen unterstützt. Das zusammengeklappte Rad steht dann recht stabil auf dem Ständer. Zudem ist er, was manchen Testern wohl nicht auffiel, sehr einfach in der Höhe anpassbar.

Die gefederte Sattelstütze, die man Pre-Launch-Testern zur Verfügung stellte, habe ich mir erst einmal nicht zugelegt. Ich fahre hauptsächlich normale Straßen und Wege und dafür müssten die gefederte Gabel und der Federkomfort der voluminösen Reifen vermutlich vollkommen ausreichen. Nachrüsten geht immer! Schaun mer mal …

Doch welches Zubehör halte ich für den täglichen Gebrauch für wichtig? Ein solides Gliederschloss gab es für Vorbesteller gratis dazu. Ich werde es erst einmal testen und dann sehen, ob es mir genügt. Falls nicht, habe ich mir schon einmal das AMZLOCK‑Handschellenschloss mit 8‑mm‑Kette ausgesucht.
Für den Fall des Falls habe ich das O20Boost noch für rund 59 € p.A. gegen Diebstahl, Vandalismusschäden, Unfallschäden, Elektronikschäden und Schäden durch Feuchtigkeit bei meiner Kfz.-Versicherung versichert. Ist es mir wert!

Wichtig war mir eine möglichst kleine, nicht zu schwere elektrische Luftpumpe, mit der ich auch einfach den Reifendruck messen kann. Ich habe mich für die Domor Luftpumpe mit knapp 380 g entschieden. Es gibt noch deutlich leichtere, aber die Domor erschien mir einfach sehr solide.
Für den Gepäckträger werde ich mir für Einkäufe eine Packtasche selbst nähen. Eine Idee dafür habe ich schon.
Auch für den Transport im ÖPNV und im ICE werde ich mir wohl eine passende Abdeckung für die Kette anfertigen und so hoffentlich Diskussionen mit dem Personal weitgehend vermeiden. Eine Transporttasche ist für meinen Bedarf überpowert.

Als Pannenprävention wird noch Slime in beide Reifen gefüllt. Das dürfte meist genügen. Zur Sicherheit habe ich noch einen Radmutterschlüssel, Reifenheber und Flickzeug dabei. Das war es dann aber auch schon.

Fazit

Ich bin weder Tester, noch habe ich den Vergleich mit anderen E‑Klapprädern. Aber nach allem, was ich bisher lesen, sehen und vor allem selbst feststellen konnte, heben diverse Merkmale das ENGWE O20 Boost wohl recht deutlich von anderen E-Klapprädern in dieser Preisklasse ab:

  • Traglast (Rad + Fahrer + Gepäck) von 150 kg!
  • Motor mit 75 Nm.
  • Batteriekapazität von 720 Wh! und eine damit einhergehende große Reichweite.
  • Leistungsfähige 48 V Stromversorgung statt der meist 36 V.
  • Boostfunktion.
  • Drehmoment- statt einfachem Trittfrequenzsensor.
  • Hydraulische Scheibenbremsen, „no name“. Einige Tester meinen, von Shimano. Ein Indiz dafür kann sein, das Shimano-Bremsbeläge verwendet werden.
  • Shimano Altus 8-Gang Schaltung.
  • Rostfreie Kette.
  • Laden mit 4 A.
  • Sehr komfortabler, einfacher und schneller Klappmechanismus.
  • Design auf der Höhe der Zeit.

Das sind schon eine Menge Dinge, wie man sie zumeist nur bei sehr viel teureren E-Klapprädern findet. Das ENGWE O20 Boost ist m.E. daher aktuell (Bestelltermin Juli 2026) das unangefochtene Topangebot in der Preisklasse bis 1.500 €. Ich fand einfach nichts vergleichbar oder besser Ausgestattes! Zudem überzeugen mich stabiles und komfortables Fahrverhalten sowie die wirklich hochwertige Verarbeitung.
Fazit also soweit: Dieses Rad würde ich mir jederzeit wieder kaufen!

Was würde ich mir noch wünschen? Zwei Dinge:
Ein Video des Herstellers, wie man das Hinterrad zum Reifenflicken ausbaut! Als Direktvermarkter ohne großes Kundendienstnetz sollte er seinen Kunden für die wichtigsten Arbeiten am Rad Hilfestellung geben, wie es z.B. Egret bei seinen E-Scootern m.E. perfekt macht.
Der Schutz der Leitungen im Klappgelenk des Rahmens wurde nach der Kritik der Tester zwar verbessert, ist aber immer noch nicht optimal. Ich musste trotz Schutz die Leitungen in den Rahmen stopfen.

Inzwischen bin ich diverse Kilometer mit dem Rad gefahren. Bei einer Runde um den C-Platz Dilsburg, nahe Neckargemünd, bin ich aus dem Neckartal ca. 700-800 Meter die Uferböschung mit 12-14 % Steigung hinaufgefahren. Die Gesamtlast lag so bei 150! kg. Mit Boost kein Problem. Als ich oben ankam, war ich nicht einmal außer Atem! Das Rad scheint wirklich zu halten, was versprochen wird.

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich mein Rad selbst gekauft habe und keinerlei Verdienst oder andere Vorteile aus diesem Bericht generiere! Dieser Post gibt meine persönliche Meinung wieder und berichtet von persönlichen Erfahrungen.

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