Nähte abdichten

Das Problem ist immer das gleiche: Der Stoff ist dicht, aber durch die Nähte kommt das Wasser rein. Und dann wird es hektisch – und zuweilen richtig schlimm. Dabei ist es gar nicht einmal so schwer, Nähte hinreichend abzudichten. Hier ein paar Vorschläge resultierend aus meinen Erfahrungen bei vielen Projekten im Outdoor-Bereich.

Man darf sich nichts vormachen, so ganz erreicht man die Qualität industrieller Nahtabdichtungen nicht. Doch immerhin bekommt man mit etwas Sorgfalt Nähte soweit sicher dicht, dass kein Wasser eindringen kann und darauf kommt es letztlich an.
Und auch darauf, was man denn abdichten möchte. Vom Material, aber auch von Objekt her. Es macht also Sinn, das Thema etwas intensiver zu beleuchten.

Nähmaterial

Sofern man nicht z.B. gekaufte Objekte abdichten möchte, fängt beim Selbermachen (DIY) das Thema „Nahtabdichten“ tatsächlich bereits bei der Auswahl des Nähmaterials, also Nadel und Faden an. So eigenartig dies klingt.

Nähnadeln

Insbesondere bei dünnen, beschichteten Synthetics wie z.B. Ripstop-Nylon kommt es immer auf die Wahl der richtigen Nadel an. Für solche Stoffe verwende ich z.B. immer Microtex-Nadeln. Da sie besonders spitz sind, wird das Gewebe so schonend wie möglich perforiert.
Auch die Wahl der richtigen Nadelstärke ist von Bedeutung. Je geringer, des so kleiner das Loch, das sie sticht. Ich nähe alle meine Projekte mit 75er Garn und verwende dafür zumeist eine 80er Nadel, obwohl die Empfehlung der Hersteller 90 – 100er lautet.

Die Nadel sollte auch nicht abgenutzt sein. Spätestens sobald beim Nähen ein vernehmliches „Ploppen“ zu hören ist, ist die Nadel stumpf, stanzt zuweilen richtig große Löcher ins Gewebe. Spätestens dann sollte sie unbedingt gewechselt werden.
Als Nadeln empfehle ich unbedingt Markenmaterial. Ich verwende regelmäßig die von Schmetz und bin bisher sehr zufrieden damit. Unter dem Link findet man übrigens ein prima Infos zum Thema Nähnadeln.

Garn

Bei allen Nähprojekten, egal ob Klamotten, Rücksäcke, Zelte usw., verwende ich sogenanntes „Corespun“-Garn. Bei diesem ist um einen synthetischen Kern ein Mantel aus Baumwolle gesponnen. Dies hat den Effekt, dass Feuchtigkeit die Baumwolle quellen lässt und so das Nadelloch schon einmal abdichtet. Ein reines Synthetikgarn leistet so etwas nicht.
Das ist natürlich für beschichtete Stoffe von Bedeutung, aber sogar auch für unbeschichtete, reine Baumwollstoffe oder BW-Mischgewebe wie z.B. Zeltstoffe von Tencate. Deren Dichtigkeit basiert auf genau diesen Quelleffekt der Baumwolle.

Als Nähgarn verwende ausschließlich „Amman Rasant 75“ in 1.000 m Wickeln. Mit diesem Garn habe ich bisher absolut positive Erfahrungen gemacht und bei z.B. Ebay oder Amzon bekommt man es in vielen Farben.

Tape für Nähte

Industriell aufgebrachte Tapes werden auf links über den Nähten förmlich verschweißt und dichten sie i.d.R. zuverlässig. Eine derartig robuste Versiegelung habe ich bei aller Sorgfalt mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln nie erreicht. Selbermacher können Tapes nämlich nur aufbügeln. Die damit erreichte Verbindung ist nicht so stark wie die industrielle, reicht aber meist aus. Sich lösende Bänder kann man einfach nachbügeln oder ersetzen.

Tapes habe ich bisher nur für Anoraks, Regenhosen, selten für Taschen oder Rucksäcke verwendet.
Auch die Wahl des richtigen Tapes ist wichtig. Für zweischichtige Stoffe aus Gewebe und Beschichtung (z.B. beschichtetes Ripstop) verwendet man eine Art Folien-Tape.
Für zweieinhalb- oder dreischichtige Stoffe (Beschichtung zwischen zwei textilen Lagen oder einer textilen und einer aufgedruckten) gibt es textiles Tape mit dickerer Klebstoffbeschichtung. Folientapes halten bei diesen Stoffen nicht sonderlich gut bis gar nicht.
Folientapes halten nur brauchbar, wenn sie auf der beschichteten, normalerweise linken Seite, aufgebügelt sind. Bei manchen Ripstops ist diese nur schwer zu erkennen. Meist fühlt sie sich etwas glatter an, die rechte Seite zeigt unter der Lupe eine klare Webstruktur Mit linker Seite ist in der Näherei die normalerweise nicht sichtbare Seite eines Stoffes oder Werkstücks gemeint.

Das Tape bügle ich immer mit der maximal zulässigen Hitze für Tape und Stoff auf. Bevor ich z.B. einen mühsam genähten Anorak tape, teste ich alles erst einmal alles etwas intensiver an Reststücken. Sicher ist sicher!
Tapes für Zelte, Tarps o.ä. zu verwenden halte ich für Hobby-Näher nicht für empfehlenswert. Im Gebrauch ist die Dichtigkeit aufgrund langer Nähte und deren Dehnbarkeit nicht hinreichend gesichert. Bei diesen Objekten favorisiere ist die noch folgenden Versiegelungsmethoden.
Meine Tapes beziehe ich immer von Extremtextil: Folie, Textil.

Für silikonisierte Stoffe gibt es übrigens (derzeit) noch kein Tape.

SeamGrip

Für Objekte wie Rucksäcke, Tarps oder Zelte, die mit PU, Acryl oder dgl. beschichteten Stoffen gefertigt sind, nutze ich SeamGrip aus der Tube o.ä. zum Abdichten der Nähte.
Doch auch hier gibt es einiges zu beachten. Bei Taschen oder Rucksäcken trage ich SeamGrip aus optischen Gründen immer innen auf, was aufgrund der Nahtzugaben dort etwas frikelig sein kann. Bei Tarps oder Zelten sorge ich jedoch ausschließlich von außen für eine optimale Versiegelung. Und damit bin ich nicht allein. Siehe auch dieses Video bei Tarptent (ganz unten).
Warum von außen? Das hat zwei Gründe. Von innen gestaltet sich die Abdichtung von Nähten oft schwierig, da man manchmal nicht an alle Relevanten Nahtbereiche gut heran kommt. Und außerdem ist es sinnvoller, Nässe gar nicht erst quasi herein zu lassen und dann innen abfangen zu wollen.
Sieht außen aufgetragenes Dichtmittel nicht irgendwie blöd aus? Nein, denn richtig und sorgfältig gemacht sieht man es kaum.

Bei umfangreicheren Abdichtungendieser Art ist der Fehler Nr. 1, dass SeamGrip direkt aus der Tube aufgetragen wird. Die Konsistenz ist viel zu dick und führt zu unsauberen Ergebnissen. Direkt aus der Tube ist nur bei kleineren oder Notabdichtungen zu empfehlen.

Ich verdünne SeamGrip in einem Mischbecher mit Spiritus bis zu einer Konsistenz von sehr dünnflüssigem Honig und trage es dann mit einem preiswerten, nicht zu großem Pinsel sorgfältig auf. Dabei achte ich darauf, dass es wirklich auch satt in die Steppnähte läuft. Wenn alles fertig aufgetragen ist, dann lasse ich es 24 Stunden trocknen.
So abgedichtet waren bisher alle meine Tarps und Zelte auch beim wüstesten Unwetter dicht.

SeamGrip haftet sehr gut auf beiden Seiten beschichteter Gewebe, aber nicht auf silikonisierten Stoffen! Dort „pellt“ es einfach ab.

SilNet

Für das Abdichten von silikonisierten Stoffen mit SilNet o.ä. gilt bis auf eine Ausnahme das oben gesagte analog.
SilNet wird nicht mit Spiritus verdünnt, sondern mit Waschbenzin! Die Verdünnung ist hier besonders wichtig, denn das Silikon soll in das Gewebe und insbesondere in die Nähnaht eindringen.
Als Preiswere Alternative zum recht teuren SilNet habe ich auch qualitativ höherwertiges Sanitär-Silikon (z.B. von Pattex oder UHU) verwendet. Einen wahrnehmbaren Unterschied zu SilNet konnte ich bisher nicht feststellen.

SilNet oder Silikon hält nur auf silkonisierten Stoffen. Diese sind normalerweise auf beiden Seiten Silikonisiert. Daher haftet es sehr gut. Auf anderen Stoffen erhält man keine dauerhafte Abdichtung.

Soweit zum Thema „Abdichten von Nähten“ aus meinen ganz persönlichen Erfahrungen. Vielleicht hilft dies ja einigen, ein trockenes Fell zu behalten.

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