Superleichte Faltschüssel

Faltschüsseln sind eine feine Sache. Man kann Wäsche drin waschen, Wasser damit holen, Salat drin anmachen und, und, und …
Da ich aber gern so leicht wie möglich unterwegs bin, ist meine Ortlieb-Schüssel dann nicht unbedingt erste Wahl, da für meine Zwecke zu schwer. Und meine Sea-to-Summit Schüssel ist zwar etwas leichter aber mir genügt ihre Funktionalität nicht. Warum also nicht das Design der bewährten Ortlieb mit leichterem Material nachbauen?

Als Material für den Korpus und die Griffe habe ich ein 60 g Silnylon gewählt. Aus früheren Versuchen mit wasserdichten MYOG-Packsäcken weiß ich, dass dieser Stoff wirklich wasserdicht und recht robust ist. Zudem hatte ich noch einen Rest von einem anderen Projekt, ebenso wie Elastosil-Kleber.
Die Verstärkung am Schüsselrand habe ich aus 7 x 1 mm PVC-Rohr aus dem Baumarkt (0,95 €) gefertigt. Karbonrohr ist natürlich leichter 😉 .
Zusammengebaut wurde das Teil dann mittels Nähen und Kleben. Dazu hab ich vor einiger Zeit auch einmal einen kleinen Workshop gemacht. Die fertige Schüssel hat die Maße einer kleinen Ortlieb-Schüssel, wiegt aber nur 57 g statt 165 g.

Nachdem ich meine Ortlieb vermessen hatte (23 x 23 x 13 cm) hab ich erst einmal eine Skizze gefertigt, in die ich alles wichtige eingezeichnet habe. Die Randverstärkung aus PVC-Rohr sollte in den Saum eingeschoben werden. Den Saum würde ich nähen und ebenso die Griffe. Die Ecken der Schüssel sollten jedoch mit Elastosil geklebt werden. Das ist dann gleich wasserdicht und extrem haltbar.

Diese Skizze genügt

Daraus ergab sich, dass ich für den Korpus ein Stoffquadrat von 53 x 53 cm benötigte und für die Griffe zwei Streifen von 53 x 6 cm. Dazu ein kleines Verstärkungspad und etwas Material für einen Packbeutel
Soweit die Vorüberlegungen und dann wurde die Schüssel gebaut. Hier die wesentlichen Materialien:

Das schwarze Teil ist mein Spachtel, einfach passend aus einem einem CD-Case gebrochen

Schritt 1:
Nach dem Zuschnitt werden zunächst mittels einer Schablone und einem feinen Permanentstift alle wichtigen Montagemarkierungen auf dem auf den Stoff übertragen. Dies sind die Ecken (spätere Schüsselinnenseite) und der Saum (Außenseite).

Schablone an einer Ecke angelegt. Die 3 cm für den Saum müssen auf 4 cm erhöht werden.

Schritt 2:
Nun können die Klebearbeiten durchgeführt werden. Zunächst werden die Ecken zusammengefügt.
Die Kleberei mit Elastosil E43 oder E41 erfordert für ein sauberes Ergebnis etwas Sorgfalt. Zum Zusammenkleben wird ein ca. 3,5 cm breiter Streifen Klebstoff mit einem kleinen Plastikspachtel aufgetragen. Wichtig ist eine scharfe Klebekante und die erreicht man nur mit Abkleben. Auf Silnylon hält Klebeband aber kaum bis gar nicht. Was tun?
Ich nehme normalen, etwas breiteren Tesafilm, klebe ein Stückchen auf den Tisch und den Rest sauber entlang der Klebelinie. Dann noch ein Stückchen an der Querlinie. Das hält zwar nicht viel, verrutscht aber nicht gleich und ich kann zudem die Auftragfläche mit den Fingern beim Auftrag etwas straffen. Dann noch etwas Papier untergelegt und der Kleberauftrag kann erfolgen. Nach dem Auftrag werden Klebestreifen und Papier gleich entfernt und entsorgt, da das Zeug ansonsten garantiert für Sauerei sorgt.
Nun wird das Eckquadrat diagonal zusammengelegt. Langsam und sorgfältig „von oben“, damit möglichst im ersten Anlauf gleich Linie auf Linie zu liegen kommt. Mit den Fingern wird der Klebebereich vorsichtig zusammen und glatt gestrichen und dann mit der Schaumrolle gepresst. Wenn man behutsam vorgeht, können alle Ecken in einem Arbeitsgang geklebt werden.
Die Ecken könnten auch genäht und dann versiegelt werden. Aber mir gefällt diese Lösung nicht.


Schritt 3:
Als nächstes werden die Eckzipfel bis auf 3 cm abgeschnitten und die Reststreifen an den Korpus geklebt , jeweils zwei auf zwei gegenüber liegende Seiten.
Auch hier wird vor dem Kleberauftrag wieder abgeklebt und analog wie zuvor vorgegangen. Anschließend ist erst einmal Pause, damit der Kleber über Nacht aushärten kann.

Schritt 4:
Jetzt kann der Schüsselrand rundum nach außen gesäumt werden. Hier verzichte ich auf Kleben, da mir Nähen sinnvoller erscheint. Der Hohlraum im Saum muss gerade groß genug sein, damit die PVC-Rohre anschließend hinein geschoben werden können. Ich habe vorher mit einem Stoffrest eine Probe genäht.
Zunächst wird der Saum rundum an der äußeren Markierung abgesteckt und dann mit der Maschine mit Stichlänge 3 mm genäht. Ich nutze dafür Amann Rasant 75 und eine Microtex-Nadel nicht größer als 80. Das Garn hat einen mit Baumwolle umsponnenen Synthetikkern, der bei Feuchtigkeit aufquillt und so  die Naht weitgehend abdichtet. Mehr braucht es am oberen Rand der Schüssel nicht. Wer jedoch möchte, kann die Naht zusätzlich versiegeln.
Zum Schluss wird an einer Ecke außen noch ein kleiner Schnitt in den Saum gemacht, durch den später die Rohre eingeschoben werden.

Schritt 5:
Nun werden die Griffe genäht. Zunächst die beiden Stoffstreifen jeweils auf links an der Längsseite zusammennähen, auf rechts krempeln, die Enden jeweils 1 cm hineinschieben, die Kanten knappkantig nachnähen und die Griffe dann mit ca. 4 cm Abstand von den Ecken an der Saumnaht 3-fach festnähen.
Die Griffe müssen vor dem Einschieben der Rohre angenäht werden, da es anschließend nur noch mühsam möglich ist.


Schritt 6:
Jetzt werden vier PVC-Rohre zugeschnitten, an den Enden sauber abgerundet damit sie später nicht durch den Stoff scheuern und dann in den Saum eingeschoben. Die Rohre sollten so lang sein , dass an den Ecken jeweils immer der Nähfuß der Maschine gut dazwischen passt. Das erleichtert später die Fixierung und schafft genügend Spielraum, damit die Schüssel problemlos zusammengelegt werden kann.
Wenn alle Rohre eingeschoben sind werden sie an den Ecken mit einigen Stichen links und rechts im Saum fixiert.
Über die Schnittstelle im Saum wird noch ein kleiner Patch geklebt und die Faltschüssel ist fertig.

Nachsitzen:
Die Schüssel erhält ihre Struktur durch den Druck des Wassers in ihr. Sie sollte also immer mindestens halb gefüllt sein, damit sie vernünftig steht – dachte ich jedenfalls, obwohl ich immer leichte Zweifel hatte.

Doch es  funktionierte einfach nur unzureichend und so musste ich mir etwas einfallen lassen. Erst einmal eine Nacht drüber schlafen, nachdenken und dann probierte ich einfach erst einmal die Ecken zu versteifen. Das sah vielversprechend aus und ich ersetzte die Provisorien.
Dazu rollte ich zunächst dünne Bambusstäbchen mit Kleber in Silnylon. Dann das Äußere nach innen gestülpt und die Versteifungen in die Ecken geklebt. Nach dem Aushärten wieder umgestülpt, einen Streifen Stoff zum Fixieren drüber geklebt und fertig.

Getestet – es funktioniert. Der Wasserdruck fixiert die Ecken und die Schüssel steht jetzt überraschend stabil. Allerdings müssen alle Ecken nach außen gedrückt sein. Wenn das nicht der Fall ist oder bei sehr starkem Plantschen knickt die Schüssel ein und Wasser kann auslaufen. Also ist ein wenig Vorsicht bei der Nutzung angesagt. Ansonsten funktioniert alles wie es soll.

Na also, geht doch!

Die Schüssel ist ein Prototyp. Sollte ich sie noch einmal bauen würde ich statt PVC- Rohr und Bambusstäbchen  Karbonmaterialien nehmen. Ist stabiler und etwas leichter. Ansonsten muss die Schüssel jetzt im Gebrauch zeigen, dass sie erfüllt was ich erwarte.

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