SparrowQ – Quilt aus altem Exped-Schlafsack

Meine Schlafsäcke nutze ich von Frühling bis Herbst und dann meist nur als Decke. Das fühlt sich nicht so beengt an und ist bezüglich Kühlung, wenn es drunter mal zu warm wird, viel flexibler. Da ist es nur folgerichtig, dass ich inzwischen ein Fan von Quilts bin.
Zu meinem Fundus gehörte auch ein gut erhaltener, etwa 15 Jahre alter Exped Sparrow 450, den ich schon lange nicht mehr genutzt hatte. Da ich mir für meine Tour nächstes Jahr sowieso einen neuen Quilt nähen wollte, stellte sich die Frage, oder vielmehr stellte Claudia sie, ob es nicht sinnvoller wäre, den Sparrow zum Quilt umzuarbeiten. Ich schaute mir das Teil genauer an und fand es machbar – aber etwas Überwindung beim Zerschneiden kostete es dann doch.

Um aus dem Schlafsack einen Quilt zu machen, mussten einige Teile entfernt werden: Kapuze, Boden am Fußende, Abdeckleiste unter dem Reißverschluss und der Reißverschluss.
Damit die Daunen der Füllung kein Schneegestöber im Arbeitszimmer verursachen, habe ich den Schlafsack zunächst rundherum abgenäht. Ich musste beim Abstecken sehr sorgfältig auf Passgenauigkeit von Ober- und Unterstoff achten, dann gaaanz langsam nähen und dabei immer wieder unten und oben auf Faltenfreiheit und richtigen Sitz kontrollieren!
Danach konnte ich sehr, aber wirklich sehr vorsichtig überschüssige Teile mit 2 – 3 mm Abstand zur Naht abschneiden. Dies geschah in einem gelben Sack, um die heraus fallenden Daunen aufzufangen. Trotzdem ließ sich ein wenig Schweinkram durch herum fliegende Daunen nicht vermeiden.
Im Sack habe ich dann die Daunen sorgfältig aus den abgeschnittenen Teilen gepuhlt. Sie sollten anschließend in das ehemalige Unterteil des Schlafsacks verfüllt werden, da sich hier normalerweise weniger Daunen befinden, denn die werden eh platt gelegen!

Die Daunenausbeute, allemal lohnend zum erneuten Verfüllen

Um die Daunen in diese Kammern zu bekommen hatte ich eine alte Luftpumpe aus Kunststoff zur „Daunenkanone“ umgebaut, sprich dem Teil einfach die Ventilaufnahme abgesägt.

Die „Daunenkanone“ – fertig geladen zum Schuss

Dann habe ich Kammer für Kammer die gerade genähte Naht wieder ein Stück geöffnet, Pumpengriff heraus gezogen, Pumpe mit Daunen gestopft, in die Kammer gesteckt und mit einem hörbaren Plopp die Daunen hinein geschossen. Das geöffnete Stück wurde dann erst einmal provisorisch mit einer Federklammer verschlossen. Die Daunenmenge pro Kammer habe ich nicht gewogen sondern einfach abgeschätzt. Das Ergebnis zeigt, dass es funktionierte. Nachdem alle Kammern gefüllt waren, nähte ich die geöffneten Bereiche wieder zu.

Diese Federklammern für Dokumente eignen sich gut zum provisorischen Verschließen einer gerade mit Daunen befüllten Kammer

Für die daunendichte Einfassung des Randes am Kopfende und den Seiten habe ich von einem Reststück Pertex Quantum mehrere Streifen mit 4 cm Breite abgeschnitten und zusammen genäht. Dann noch einen Streifen von 8 cm Breite für den Tunnelzug am Fußende. Bei diesem habe ich in der Mitte auf links quer einen kleinen Streifen stärkeren Stoffes als Verstärkung für die Einschlagöse aufgenäht, durch welche die Schnur für den Tunnelzug geführt werden sollte.
Dann den Streifen längs zusammen gefaltet, den  2 cm breiten Tunnel abgenäht, die Zugschnur durch den Tunnel gezogen und anschließend ebenso eine ca. 5 cm lange Schlaufe durch die Öse, die ich mittels eines Tanka gesichert habe. Die Schlaufe wiederum wurde gegen Durchziehen durch den Tanka gesichert.

Der Tunnelzug mit Tanka und Schnursicherung. Man erkennt auch gut den aufgenähten Verstärkungsstreifen unter der Öse

Zum Annähen habe habe ich den Tunnel nur mit der unteren Stofflage rechts auf rechts am Fußende angesteckt. Die Öse sollte sich dabei in der Mitte des Fußendes befinden und so platziert sein, dass die spätere Bedienung von außen kein Problem ist. Nun mit 1 cm Nahtzugabe annähen, Stoff um die Kante klappen, die andere Stofflage auf 1 cm umlegen, anstecken und mit ca. 2 mm Abstand zur Stoffkante annähen. Damit war jetzt nicht nur der Tunnelzug angenäht sondern gleichzeitig auch die Kante eingefasst.
Die anderen Seiten habe ich analog mit dem 4 cm breiten Streifen eingefasst: Rechts auf rechts an der Kante auf der Oberseite angesteckt, mit 1 cm Zugabe angenäht, um die Kante geklappt, auf 1 cm umgelegt und angenäht. Sauber gearbeitet wurde, wenn sich diese zweite Naht mit ca. 1 – 2 mm Abstand zur ersten Naht auf der anderen Seite der Einfassung befindet. Auch bei dieser Arbeit muss man permanent darauf achten, dass nicht andere Stoffteile mit angenäht werden – ansonsten wartet der Nahttrenner!

So sollte die Naht der Einfassung oben und unten aussehen

Den 70 cm langen, teilbaren Reißverschluss für die Fußbox habe ich als Letztes noch am Fußende einfach links und rechts unter die Einfassung genäht. Das reicht für meine Zwecke vollkommen aus und der Quilt war nun fertig.

Der Reißverschluss der Fußbox ist eingenäht und das Fußende probeweise mittels Tunnelzug verschlossen

Das Rot und schwarz des alten Exped Schlafsacks zusammen mit der blauen Einfassung sieht ein wenig nach Mondrian aus oder nach Meinung einiger Lästerer wie der alte Patchwork-Polo von VW. Das stört mich jedoch nicht. Es ist halt ein Unikat!
Der Quilt ist am Kopfende 130 cm breit, an der breitesten Stelle 160 cm, am Fußende 100 cm und lang ist er 200 cm.
Und mit 773 g ist er trotz seiner Größe auch nicht gerade ultraleicht aber doch schon recht leicht geworden. Zu kleine Quilts mag ich nicht, weil es da zuweilen mal kühl an den Seiten reinzieht und eine Befestigung unter der Matte mag ich wegen des damit verbundenen Fummelkrams schon gar nicht. Da nehme ich dann lieber das kleine Mehrgewicht eines etwas größeren Quilts in Kauf und tatsächlich, unter dem SparrowQ schläft es sich ganz toll!

Der fertige Quilt offen und …
… mit geschlossener Fußbox

Und dann trat doch noch ein Problem auf. Der Tanka hatte nicht genügend Haltekraft für den Tunnelzug. Das geschlossene Fußende öffnete sich wieder. Nachdem ich den Tanka durch einen ClamCleat Leinenspanner ersetzt hatte war das erledigt.

Die ClamCleat behob das Problem des zu schwachen Tanka

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