Optimal Verstauen – Dachbox abbauen!

Irgendwie gleicht es der Quadratur des Kreises. Auf der einen Seite vergleichsweise kleine Hochdachkombis als Mini-Camper ausgebaut, auf der anderen Seite der Wunsch nach einem gewissen Maß an Komfort, trotz beengter Verhältnisse. Auf der einen Seite der Wunsch eines leichten Zugriffs auf regelmäßig benötigte Ausstattungsteile im Fahrzeug, auf der anderen Seite deren Unterbringung dort ohne die Notwendigkeit ständigen Hin- und Hergeräumes oder Umbauens.
Es geht also um die Frage des Stauens von Ausstattungsteilen und der Optimierung desselben. Nachdem ich nun die erste große Tour mit meinem Caddy gemacht hatte, erkannte ich schon etliche Verbesserungsmöglichkeiten. Getriggert wurde das Ganze schlussendlich durch Oskar, der mir bei einem kleinen Treffen für Solo-HDK-Mini-Camper seinen wunderbar kompakt zusammenlegbaren Bamboo-Falttisch zeigte. Oskar, Du bist schuld! 😉 Das deutet schon an, dass sozusagen „en passant“ auch das eine oder andere Ausstattungsteil gleich mit optimiert wurde.

Nachteile einer Dachbox

Hauptsächlich für meine Campingausstattung hatte ich zunächst auf meinem Caddy eine Dachbox montiert. Neben den bekannten Vorteilen sehe ich für mich jedoch auch einige Nachteile:

  • Keine Nutzungsmöglichkeit der meisten Parkhäuser wegen der Höhe. In Innenstädten geradezu ein Graus.
  • Kein Zugang auf etlichen Stellplätzen mit Höhenbegrenzung wegen der vermeintlichen „weiße Pest“.
  • Höhere Autobahnmaut in manchen Ländern.
  • Viele Fähren sind teurer.
  • Höherer Treibstoffverbrauch durch mehr Luftwiderstand und reichlich Kilos zusätzlichen Gewichts.
  • Keine Zugriffsmöglichkeit mehr, wenn das Tarp angebaut ist.

Durchaus gute Gründe also, mir Gedanken zu machen, ob es vielleicht nicht auch ohne Dachbox geht. Doch dafür gab und gibt es eine für mich unverzichtbare Anforderung: Die Dinge, um die es geht, müssen einerseits leicht zugänglich, gleichzeitig aber ohne sonderliche Umbaumaßnahmen erreich- und verstaubar sein. Dabei müssen der Ausbau und alles darin weiterhin uneingeschränkt funktionieren!
Es ging für mich also darum, heraus zu finden, welche Möglichkeiten bestehen und wie ich diese mit geschickten Lösungen nutzen kann.

Optimales Equipment verwenden

Bisher habe ich mein vorhandenes Equipment genutzt. Bezüglich der Verstaubarkeit, aber auch der Nutzbarkeit ist das jedoch nicht immer optimal.

Ich musste mich also vor allem um die Ausstattungsteile kümmern, die ich bisher in der Dachbox transportierte. Und da hieß das Zauberwort „optimale Faltbarkeit“. Folgende Ansätze fand ich:

Stuhl – Bisher nutzte ich sehr robuste Regiestühle von Meru (früher Globetrotter). Deren Faltmaß ist jedoch recht unhandlich. Und wenn es draußen kühler ist bekomme ich einen kalten Rücken wegen der Lücke zwischen Rückenlehne und Sitzfläche.
Künftig nutze ich ein Modell von Zeltler. Das hat eine höhere Lehne für mehr Sitzkomfort und eine durchgehende Stoffbespannung für Rückenlehne und Sitzfläche. Das entscheidende ist aber, dass dieser Stuhl zu einem recht schmalen, länglichen Paket faltbar ist. Für meine Zwecke optimal!

Ein WalkstoolHocker gehört bereits zu meiner Ausstattung. Der ist unverwüstlich und extrem klein verpackbar. Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen.

Als Tisch setzte ich bisher einen Nachbau des bei Faltbootfahrern legendären Berger-Rolltisches aus meiner Faltbootzeit ein. Ein wirklich schönes Teil aber für Camping vor allem wegen der etwas wackeligen Platte m.E. eher weniger geeignet.
Der wird durch einen Falttisch von Bo-Camp mit solider Bambusplatte ersetzt. Auch hier ist das kompakte, längliche Faltmaß interessant.

Einen Tritthocker nutze ich, vor allem um bei aufgebautem Bett bequem ein- und aussteigen zu können. Das bisherige, etwas sperrige Modell aus Kunststoff wird durch einen Klapptritt aus Metall ersetzt.

Bei den anderen Ausstattungsteilen wie Tarp oder Shelter erkenne ich bisher keine Optimierungsmöglichkeiten.

Die spannende Frage war jetzt, ob es Möglichkeiten gibt, all diese Dinge so zu verstauen, dass die Dachbox unter Berücksichtigung meiner unverzichtbaren Voraussetzung (s.o.) überflüssig wird.

Geeigneten Stauraum finden

Als ich begann, mich damit zu beschäftigen, die Dachbox überflüssig zu machen, hatte ich zunächst das Gefühl, dass meine Anforderungen vielleicht zu hoch gesteckt sein könnten. Erst als ich systematischer vorging lichtete sich der Nebel nach und nach bis ich schließlich ein praktikables Konzept hatte.

Im Grund ist es einfach: Je größer das unterzubringende Teil, je größer ist das Stau-Problem. Es ist also sinnvoll, von großen Packmaßen beginnend, kompakt faltbare Alternativen zu suchen. Es ist aber auch sinnvoll, parallel dazu das Fahrzeug bezüglich Verstaumöglichkeiten zu durchforschen. Dies sollte mit unverstelltem Blick geschehen und auch auf den ersten Blick vermeintlich unsinnige Ideen umfassen.

Am besten ist natürlich, all diese Dinge bereits bei der Planung des Ausbaus zu berücksichtigen. Doch wenn man, wie ich, zum ersten Mal einen Mini-Camper ausbaut, dann fehlt es einfach an Erfahrungen und auch dem Wissen um manche eigene Anforderungen. Ein wenig kann dieses Defizit abgefedert werden, wenn man auf die Skills anderer, z.B. bei hochdachkombi.de zurück greift. Genau dafür poste ich auch diesen Bericht.

  • Der größte Brocken war der von mir präferierte Klappstuhl von Zeltler. Mit seinem Packmaß von 126x25x20cm fand ich zunächst partout keinen Platz für ihn im Kasten. Doch warum eigentlich im und nicht auf? Und wie würde sich normalerweise die Transportsituation darstellen?
    Neben dem Solarpanel ist doch nach dem Wegfall der Dachbox genug Platz auf den Dachträgern! Dafür braucht es dann nur noch eine Regenschutzhülle. Allerdings würde die Fahrzeughöhe, wenn auch nur gering, die zwei Meter überschreiten.
    Doch meistens würde ich den Stuhl gar nicht derart transportieren, denn das Pack wird einfach in den Kasten gelegt. Egal, ob das Bett aufgebaut ist oder nicht. Sollte es bei einem Aufenthalt dann nachts oder bei schlechtem Wetter keine Unterstellmöglichkeit geben, da Tarp und Shelter nicht aufgebaut sind, dann stelle ich das Pack einfach im Fussraum des Fahrersitzes ab, solange ich mich im Kasten aufhalte.
    Bei der Lieferung des Stuhls gab es noch eine positive Überraschung: Der mitgelieferte Packsack des Stuhls ist aus solidem, beschichteten Stoff gefertigt. Extra noch etwas Regenfestes zu nähen hatte sich damit auch erledigt.
  • Der Walkstool Hocker kommt mit in die Hülle für den Stuhl.
  • Der faltbare Bambustisch findet schlicht im Staufach unter dem Dach seinen Platz.
  • Der Tritthocker muss schnell und problemlos greifbar sein. Er liegt bei der Schiebetür einfach im Gang vor der Frontkiste.
  • Tarp, Shelter und Beutel mit Zubehör liegen im Fußraum hinter dem Fahrersitz. Auf einem C-Platz o.ä. gibt es kein Sicherheitsproblem, wenn man an der Fahrerseite hantiert
  • Warndreieck, Verbandkasten, Wagenheber etc. liegen im Fußraum hinter dem Beifahrersitz. Dieser Platz ist ausschließlich für diese Dinge vorgesehen. Es geht um Sicherheit. Im Falle einer Panne hantiere ich auf der dem Verkehr abgewandten Seite des Fahrzeugs. In Ländern mit Linksverkehr bin ich nicht unterwegs.
  • Ebenso meine Hängematte.
  • Der Packsack für Aufstellstangen, Rohre etc. wird rechts senkrecht rechts an den Ringösen der Seitenblende hinter dem Beifahrersitz angeschnallt.
  • Sofern ich mein Dahon Classic III-Klapprad mitführe, steht es in seiner Transporttasche im Fußraum des Beifahrersitzes oder auch einfach im Kasten.
  • Eine Eurokiste mit Lebensmitteln des täglichen Bedarfs steht bei der Heckklappe im Gang zwischen Küchenblock und Seitenkiste.
  • Die Trittleiter brauche ich nicht mehr.

Ach ja, dann fiel mir noch meine Kabeltrommel ins Auge. Dieses Ding ist zwar praktisch, aber auch sehr sperrig und nimmt nimmt daher einiges an Platz ein. Christiane59 aus dem HDK-Forum erwähnte einmal, dass sie ihr Landkabel einfach als Bündel zusammengelegt mitführt und so einiges an Platz gewinnt. Also habe ich das Kabel abgerollt und CEE-Stecker montiert. Christianes Erkenntnisse kann ich nur bestätigen.
Von ihr kam auch noch der Tipp mit einer Kabeltasche. So kann nichts mehr vertüddeln und im Fahrzeug rumfliegen. Da mir die Kaufmodelle allesamt nicht zusagten war wieder Nähen angesagt. Doch das ist ein anderer Bericht.

Sonstiger Klöterkram

Da ich gerade so schön im „Flow“ war, habe ich mir auch gleich noch einige andere Dinge vorgenommen.

  • Meine Steingut-Tassen habe ich durch meine Hightech-Isoliertasse von Thermos ersetzt.
  • Meinen Kaffee habe ich bisher gefiltert. Das funktioniert, aber so richtig zufrieden war ich damit nicht. Deshalb habe ich jetzt auf eine chice kleine Bialetti umgesattelt. Jetzt kann ich meine schöne Thermos-Tasse allmorgentlich mit herrlichem Latte füllen. Eventuell kommt noch eine kleine Bodum für „normalen“ Kaffee hinzu.
  • Mein bisheriger Bordeimer war einfach zu sperrig. Deshalb habe ich ihn durch einen faltbaren Silikoneimer für viele Zwecke ersetzt. Wichtig war mir, dass er leer sicher steht.
  • Aus gleichem Material gibt es jetzt auch ein Faltsieb.

So, wie jetzt verstaut, sind all diese Dinge einerseits gut zugänglich, andererseits aber bei den alltäglichen Verrichtungen im, am und um den Caddy nicht im Wege .
Es ist aber schon erstaunlich, dass kaum auffällt, wie fast der komplette Inhalt meiner Dachbox nun im Fahrzeug seinen Platz findet. Natürlich ist das meine ganz individuelle Lösung. Aber vielleicht helfen ja meine Überlegungen und mein Vorgehen der/dem einen oder anderen bei der Lösungsfindung ihrer/seiner Stauprobleme.

Ach ja, in die meisten Parkhäuser dürfte ich mit knapp zwei Meter Gesamthöhe inklusive Solarpanel jetzt auch problemlos fahren können.

Haftungsausschluss

Und auch noch ein Wort zu einem anderen Thema. Meine Berichte wurden mit großer Sorgfalt abgefasst. Trotzdem sind Fehler nicht vermeidbar.
Wer also meine Berichte dazu nutzen will, selbst so ein Projekt durchzuführen, tut dies vollkommen auf eigene Gefahr und in dem Wissen, das sie Fehler enthalten können.
Ich hafte für keinerlei Schäden, die daraus entstehen könnten. Weder für Personen, Sach- oder Vermögensschäden beim Nutzer meiner Berichte oder bei Dritten.
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Arbeiten im Zusammenhang mit dem 230 V Stromnetz oder den 12 V Netzen im und am Fahrzeug sollten ausschließlich von Fachpersonal durchgeführt werden.