2018 – La France à vélo – von Mulhouse zum Midi

Endlich sind Claudia und ich auf dem Weg! Unser Traum, mit dem Fahrrad, viel Zeit und Muße im Gepäck durch Frankreich zu reisen, wurde vor ein paar Tagen Wirklichkeit. Nun sind wir schon einige Tage unterwegs und ab jetzt führe ich ein kleines Reisejournal, immer wieder ergänzt mit ein paar Fotos und anderen Infos. Die Einträge werden in kürzeren Abständen hier im Blog veröffentlicht, damit die daheim Gebliebenen uns zumindest in ihrer Phantasie begleiten können.

Der erste Reiseabschnitt wird uns vom Oberrhein ans Mittelmeer bringen.

Die neuesten Artikel sind immer oben und Bilder kommen peut a peut – und alle accents am heimischen PC 🙂 .

Freitag, 18.05. – Arles

Was für ein herrlicher Tag! Wir hatten ihn in Arles zugebracht und waren begeistert. Dabei wären wir benahe einfach schnöde vorbei gefahren, denn Claudia zog es mit Macht zum Meer. Doch schließlich gab sie meinem innigen Wunsch nach (wenn ich nicht nur meinen Dackelblick aufsetze sondern auch noch meinen Augen einen Ausdruck tiefster Traurigkeit verleihe, gibt sie meist auf) und wir haben es nicht bereut! Claudia hatte auch noch die Größe zuzugeben, dass es ein Fehler gewesen wäre, nicht zu bleiben. Chapeau! Doch von vorn, denn der Tag begann nicht sonderlich vielversprechend.

In der Nacht hatte sich Claudias Exped-Matte mit lautem “Plopp“ delaminiert so dass sie für den Rest der Nacht die Wahl hatte, halbwegs auf dem harten Boden oder auf einem Kamelrücken zu schlafen. Beides war nicht geeignet, Frohsinn bei ihr zu fördern. Also marschierten wir am nächsten Morgen in aller Frühe zum nächsten der allgegenwärtigen Decathlons und tatsächlich, sie fand eine geeignete Matte. Happy, happy. Der schlimmste Druck war erst einmal aus dem Kessel.

Dann stiegen wir im Sinne des Wortes die Altstadt hinauf. Die Römer hatten nämlich geschickterweise Arles auf der einzigen flutsicheren Erhebung weit und breit im beginnenden platten Rhonedelta gebaut. Und fast zwangsläufig landeten wir bei der Attraktion Arles, der Römischen Arena! Die besichtigten wir natürlich ausführlich.

Danach wanderten wir kreuz und quer durch die winkeligen Gassen, lauschige Ecken, gönnten uns ein gefülltes Crepe hier und stöberten in Geschäften dort. Avignon war prima aber doch schon sehr geschäftig auf das hektische Geschäft mit den Touris ausgerichtet. Arles empfanden wir ganz anders: Südländischer und entspannter. Ein Ort an dem wir uns gleich wohl fühlten. Kurz: Vor die Wahl gestellt würden wir beide uns für Arles entscheiden. Es hat noch soviel vom südfranzösischem Charme bereits vergangener Zeiten, den wir uns zu finden gehofft hatten und wir wurden nicht enttäuscht.

Gegen Nachmittag wurden die Füße schwer und wir “mieteten“ uns für einen Orangensaft und eine Flasche Wasser einen Platz in einem Restaurant unter schattigen Platanen. Die leicht dösige Ruhe währte kurz. Ein richtiggehender Schwarm Asiaten (ich: Japaner, Claudia: Chinesen) fiel in unsere schattige Insel der Glückseligkeit ein. Sie waren laut wie ein Heuschreckenschwarm, schwirrten überall herum und waren insgesamt recht rücksichtslos. Wir waren froh, als sie nach schier endlos scheinender Zeit endlich verschwanden. Derartige Reisegruppen sind eine echte Heimsuchung!

Aber auch wir brachen bald auf, ergänzten noch in einem kleinen von uns entdeckten Util-Markt unsere Vorräte und pilgerten zurück zu unserem Campingplatz. Es war ein schöner Tag!

Frisch geduscht gönnten wir uns im Platzrestaurant noch eine ausgezeichnete Pizza und verschwanden bald in den Zelten. Morgen sollte es in aller Frühe in die Carmargue gehen. Wegen der Hitze und weil bis Mittag Nordwind, also Rückenwind herrschen sollte. Auf was man bei Radreisetouren doch so achtet!

Donnerstag, 17.05. – Avignon – Arles, 46 km

Nach dem herrlichen aber doch anstrengendem “Ruhetag“ in Avignon waren wir heute auf unserer vorletzten Etappe zum Mittelmeer, die uns bis Arles führte. In der Frühe verabschiedeten wir uns von der ca. 30-köpfigen toughen Schülergruppe aus Zürich. Die hatten die ganze Strecke bisher im Schnitt mit 120 km Tagesetappen – wenn auch ohne Gepäck – zurück gelegt. Respekt.

Wir wichen in großen Teilen von der neuen offiziellen Wegführung der Via Rhona ab, da uns die neue nicht so recht zusagte. In Tarscone machten wir in Sichtweite der gewaltigen Burg Rast. Das Teil ist absolut beeindruckend, auch bezüglich seines fantastisch guten Erhaltungszustandes. Hinter Tarascone fuhren wir nur noch auf kleinen Departementstraßen und erreichten unseren Zeltplatz “Camping City“ zur Mitte des Nachmittags. Der Platz ist nicht toll aber ordentlich, hat aber den Vorteil, dass man zu Fuß die Altstadt erreichen kann.

Ingesamt habe ich jetzt das Gefühl, wirklich im Süden angekommen zu sein. Die Pinien und Akazien überall, die in der Mittagshitze flirrende Felder und vor allem der unbeschreibliche Geruch des Südens nach Sommer, Kräutern und vor allem Pinien.

Mittwoch, 16.05. – Avignon

Für Avignon sollte man sich mindestens einen Tag Zeitnehmen. Also schipperten wir am späten Vormittag mit der kleinen Personenfähre hinüber zur Altstadt. Die Fähre ist übrigens gratis und nimmt auch Fahrräder mit. Dann bummelten wir durch winkelige Gäßchen zum Papstpalast hinauf. Dabei kamen wir an zwei wundervollen Läden vorbei: Einem für Seifen aller Art und einem für Tischtücher und Stoffe der für diese Gegend bekannten Baumwolldruckstoffe. Claudia war sofort hin und weg und gebs ja zu, auch ich war begeistert. Dieses Kaleidoskop an Düften und die strahlenden Farben der Drucke, einfach toll! Es gab jedoch ein kleines Problem: Claudia wollte die Sachen für ihre Lieben in einem Paket nach Hause schicken und wir standen erst am Anfang unserer Sightseeing-Tour. Also kaufte sie zunächst nur Stoff für die eine Tochter und eine Tischdecke. Die schwere Seife wollte sie nicht durch den Papstpalast schleppen und sowieso würde sie die auch noch woanders bekommen. Nun ja …
Der Papstpalast ist wirklich sehenswert und sollt keinesfalls ausgelassen werden. Durch so ein ehemaliges absolutes Zentrum der Macht zu wandern ist schon ein eigenartiges Gefühl. Toll ist auch die eingesetzt Technik. Jeder Besucher erhält ein spezielles Tablet mit Kopfhörer. Damit bekommt er jede Menge Infos und kann sich vor allem ein Bild machen, wie die Räumlichkeiten zur Zeit der Päpste aussahen. Das ist wirklich klasse gemacht.
Auf unserem weiteren Stadtbummel fand sich kein Seifengeschäft mehr und das Paket ging ohne für stolze 25 € Porto nach Deutschland. Zu Mittag gabs gebratene Ente und ein herrliches Eis. Auf dem Rückweg kamen wir dann wieder an besagtem Seifenladen und diesmal gabs kein Zögern mehr: Diverse Mitbringsel würden jetzt einige Wochen in einer Packtasche mitreisen.
Zum Campingplatz vielleicht noch kurzes Wort. Die Lage ist supergünstig und schlecht ist er auch nicht, aber vier Sterne hat er nach unserer Meinung nicht. Mit 10 € fand ich ihn nicht zu teuer, Claudia schon. Was aber nach unserer Meinung überhaupt nicht geht, sind die unverschämten Abzockpreise für Internet. Die sind in der Höhe (s. Foto) keinesfalls zeitgemäß und für einen Platz mit 4-Sterne-Niveauanspruch sowieso no-go!

Dienstag, 15.05. – Pont Saint Esprit – Avignon, 56 km

Endlich, endlich klarte es auf. Wir ließen uns Zeit, frühstückten gemütlich uns konnten fast trocken einpacken. Um 10.40 Uhr rollten wir.
Zunächst waren erst einmal die ca. 1,5 Kilometer Steigung vor St. Esprit zu bewältigen. Ich war sie am Vortag zum Lidl hinauf gefahren und konnte sie einigermaßen einschätzen, Claudia hatte jedoch ziemlichen Respekt. Letztlich gings besser als befürchtet denn ein zunächst kräftiger Wind aus Nord half und schob uns spürbar.
Der Weg war wieder wie die Tage zuvor: Schön und abwechselungsreich. Allerdings scheint die Wegqualität davon abhängig, in welchem Departement man sich gerade befindet. Da waren wir verwöhnt. In den letzten beiden war es nicht mehr so perfekt wie zuvor. Der V17 bietet zuweilen Varianten auf beiden Ufern. Wir wählten jeweils diejenige, welche die wenigsten Steigungen verhieß. Was jedoch zunehmend nervte, waren die immer wiederkehrenden Querungen der Rhone auf ihren recht speziellen Brücken. Sie sind zuweilen sehr schmal, oder sehr lang, oder mit heftigem Verkehr, oder mit ausgeprägter Bogensteigung, oder ohne Fahradweg, oder mit sauschlechtem Fahradweg, oder auch alles zusammen.
Tja, und in Roquemaure schließlich tauchte ich auf der Suche nach einer angeblich dort vorhandenen Einkaufsmöglichkeit leichtfertig in die labyrinthischen Altstadtgassen ein und verscholl fast. Eine Mausefalle! Ohne GPS hätte es wohl ein Weilchen länger zurück auf den V17 gebraucht.

Am Weg auch immer wieder Pflanzungen mit allen möglichen Früchten, die hier schon deutlich weiter als in Deutschland sind oder gar nicht dort angebaut werden. Feigen, die schon dicke Fruchtstände hatten, Kirschen auf denen erstes Rot leuchtete, Kiwis, Oliven und Wein, Wein, Wein.
Der inzwischen recht heftige Mistral schoss uns förmlich nach Avignon. Auf der letzten Brücke hatten wir selbst beim Schieben der Räder leichte Probleme! Nach ungfähr drei Stunden reine Fahrzeit erreichten wir schließlich den Campingplatz “Le Pont d’Avignon“. Der Name ist Programm und so hatten wir von der Zeltwiese Blick auf den Papstpalast und die berühmte Brückenruine.

 

Montag, 14.05. – St. Just

Nutella zivilisiert auf Croissant. Es funktioniert auch aus der Flasche direkt in die Schnute – wie wohl unterrichtete Quellen berichten …

Regen, die zweite! Der reichliche Segen kam weiter von oben und gegen Mittag beschlossen wir, noch einen Tag zu bleiben, denn auch die Zugverbindungen nach Avignon waren wegen der Streiks sehr unsicher. Der Wirt des Campingplatzes berichtete von ca. 30 cm Schnee hoch oben an der Ardeche. Am frühen Nachmittag hörte es dann endlich auf und ein paar mal blinzelte sogar die Sonne durch die Wolken. Das nette junge Paar war übrigens im Regen weiter nach Avignon gefahren. So was machen wir nur, wenns unbedingt sein muss.

Morgen soll das Wetter deutlich besser werden und mit Rückenwind. Schaun mer mal …

Sonntag, 13.05. – St. Just

Regen, Regen, Regen! In der Nacht weckte er mich mit einem heftigen Trommelwirbel aufs Zeltdach. Es pladderte derart, das ich zur Sicherheit mit der Lampe einen kurzen Zeltcheck machte.

Die Oktogon-Pyramide “St. Helens“ bewährte sich bestens. Sie ist mein erstes selbst genähtes Zelt

Alles ok! Ich drehte mich also um, kuschelte mich ein und schlief weiter. Immer, wenn ich kurz aufwachte, hörte ich es prasseln und so ging es weiter und weiter bis zum späten Nachmittag. So schnell kann man zu einem Ruhetag kommen. Hatten wir uns gestern noch ein wenig geziert – der Gedanke Ruhetag kam uns durchaus aufgrund unserer etwas mangelnden Performance – nahm uns jetzt das Wetter die Entscheidung ab.
Wir durften sogar unter der überdachten Terrasse des Restaurants frühstücken und lernten dort ein nettes Paar vom Bodensee kennen. Sie wollten per Rad nach Marseille. Ich liebe diese Plaudereien über das Woher? und Wohin?. Irgendwann wurde es jedoch zu kalt und es ging zurück in die Zelte bis der Regen aufhörte.
Wenn schon abwettern, dann hätte es uns allerdings kaum besser treffen können, als auf “La Plage“.

Samstag, 12.05. – Malataverne (Aire naturelle Le Moulinas) – St. Just (Ardeche), 42 km

Heute zahlten wir den Preis für die gestrige Anstrengung. Schwere Beine, es wollte nicht so recht laufen und dazu noch Gegenwind. Aber heute sollte es zum Glück ja nur ein kleiner Schlag nach Lapalud werden, bevor wir morgen Avignon erreichen wollten.

Es ist einfach schön hier

Trotzdem war ich immer wieder begeistert, wenn ich durch die Uferbäume immer wieder die Rhone mit ihren teils mächtigen Felsformationen am jenseitigen Ufer erblickte. Doch, was soll ich sagen? Der Campingplatz in Lapalud war geschlossen! Na wunderbar! Unser Müdigkeitslevel steigerte sich schlagartig um 100 %.
Im Schatten der gewaltigen Bäume der mächtigen Platanenallee des Ortes hielten wir erst einmal Kriegsrat.

Die Rezeption und Bar vom La Plage. Ein schöner Platz mit sehr freundlichem Wirt

Wir beschlossen, auf einen der drei CP von St. Just, etwas nördlich von Pont-Saint-Esprit zu fahren. Einer davon sollte doch wohl sicher das anscheinend große Campingplatz-Sterben in Südfrankreich überlebt haben. Außerdem traute Claudia den beiden südlich von Lapalud gelegenen Plätzen nicht mehr so recht – und auf ihr Bauchgefühl war meist Verlass.
So gegen 16.00 Uhr erreichten wir Pont-Saint-Esprit, kauften im Casino-Marche ein – gibts in Frankreich eigentlich kein Chilli? – und rollten kurze Zeit später scheinbar endlos bis zum Campingplatz La Plage bergab. Welch Genuss!
Zum Abendessen schwelgte ich in reichlichen auf dem Trangia gebratenen Hähnchenteilen in Paprikamarinade mit einer Riesenportion Salat. Welche Seeligkeit!
Der Tag klang dann noch mit ein wenig Träumerei am Strand der nahen Ardeche aus, bis uns erste dicke Regentropfen in die Zelte trieben. Irgendwie war doch noch alles gut geworden. Gute Nacht!

Freitag, 11.05. – Charmes sur Rhone – Malataverne (Aire naturelle Le Moulinas)

Markt in Le Pousin

Der Start in Charmes war vielversprechend und es schien, als erwartete uns ein Tag mit Höhepunkten. Mit Sonnenschein und Rückenwind gings locker auf einer erstklassig hergerichteten Via Rhona durch einfach nur schöne Landschaft weiter nach Süden. Tagesziel sollte Chateuneuf sur Rhone mit seinem Campingplatz sein.
Die erste Höhepunkt des Tages wartete in

Meine ersten frischen Erdbeeren des Jahres

Le Pousin auf uns: Es war Markt und die Lebensmittel der Region die reinste Versuchung. Letztlich bliebs aber nur bei frischen Erdbeeren aus der und einem ganz tollen Käse. In Le Pousin teilt sich die Via Rhona. Wir wählten den Weg am rechten Ufer, denn der andere würde später einige Höhenmeter bereit halten, die nicht so unser Ding waren.
Ein paar Kilometer hinter Le Pousin kamen wir zu einem kleinen, halb verlassenen Dorf am Rhoneufer, ich glaube, es hieß Baix, wo die Via plötzlich durch die engen, winkeligen Gassen geführt wird. Total malerisch und einfach pittoresk.

Für mich die Blumen des Rhonetals

Unter zwei riesigen Platanen machten wir Rast und genossen den Moment. Das war der zweite Höhepunkt.
Als dritten “Höhepunkt“ umfuhren wir bei Cruas das dortige AKW. Auf einem der riesigen Kühltürme hatte man ein ebenso großes am Strand mit einer Muschel spielendes Kind gemalt. Sehr eigenartig! Es zeugt vom doch etwas anderen Verständnis der Atomkraft hierzulande.

Baix, ein Kleinod

Weiter gings auf endlosen, exponierten Dammkronen. Zwischenzeitlich hatte der Wind wie vorhergesagt auf Süd gedreht und die Fahrt wurde zu Plackerei. Endlich kamen wir in Chateuneuf sur Rhone an, ackerten uns noch den Ort hoch und mussten feststellen, das der angekündigte Campingplatz dicht hatte. Deutlich lange Gesichter bei uns, denn die letzten Körner waren so ziemlich aufgebraucht. Einzige

Pause unter mächtigen Platanen

greifbare Alternative war der relativ nahe Campingplatz bei Malataverne. Also weitere Kilometer und diverse Höhenmeter. Und dann waren wir da, aber wo war der Campingplatz? Wir sahen nur ein relativ baufälliges Haus mit ein paar Schildern, die auf einen Campingplatz hinwiesen, dass ganze leblos und verkommen mit eingedetschter Eingangstür. Der vierte und

Pittoreske pur!

niederschmetterndste Höhepunkt. Wir waren platt. Und doch fügte sich alles noch zum Guten. Eine Frau erschien mit ihrem Auto, telefonierte die Wirtin herbei und wir checkten in einer Rumpelkammer von Rezeption für ein Spottgeld ein. Dann führte uns die übrigens sehr charmante Chefin persönlich zum etwas versteckt liegenden Platz von enormer Größe. Wir waren wohl die einzigen Gäste. Der Platz

Weiter auf exponierten Dammkronen

war genau so herunter gekommen wie alles andere, ein Wohnwagenfriedhof. Das Sanitärhaus war ebenfalls recht schrottig, aber nicht siffig in dem Sinne. Offenkundig wurde noch regelmäßig sauber gemacht. Aber: Wir hatte Toiletten, eine warme Dusche, Trinkwasser und einen Naturerlebniszeltplatz vom ruhigsten. Wir waren nur froh, dass der Tag noch so ein glimpfliches Ende genommen hatte und

Die “Rezeption“ in Malataverne
Ein Campingplatz mit viiiel Platz

schliefen schon bald den wohl bisher tiefsten Schlaf.

Donnerstag, 10.05. – Charmes sur Rhone

Waschtag!

Welcher Napfkuchen meint eigentlich, dass man am Ruhetag Ruhe hat? Das ist ein Mythos! Meine Klamotten verströmten bereits eine herzhafte Grundwürze und nirgendwo mehr frisches Textiles in Sicht. Also Waschtag! Auch sonst waren diverse Kleinigkeiten zu verrichten.

Nach dem gestrigen, herrlich warmen Midi-Tag, war es nun bedeckt und kühl und

So stelle ich mir gute Zeltwiesen vor! Tisch und Stühle sind “geborgt“
Zottelkatze holte sich ihre Streicheleinheiten ab

so fiel uns die leidliche Fron nicht zu schwer. Die Wascherei auf Tour ist wirklich das Einzige, was ich ehrlich aus tiefster Seele hasse.

 

Mittwoch, 09.05. – Gigny sur Saone – Charmes sur Rhone, 24 km

… und am Ende lauerte auch noch ein großer Felsbrocken!

Es waren nur 11 Kilometer bis Gigny – den Rest fuhren wir mit der Bahn – aber die hatten es in sich. Teilweise derber Schotter und dann noch ein ordentliches Stück komplett zugewachsenen Weges bergauf zu einem Tunnel unter der Bahn hindurch. Wir waren beide reichlich geschafft, als wir uns am Bahnhof trafen.

Im Zug war mächtiges Gedränge, Fahrräder, Kinderwagen usw.. Ein total

Zugtransport nach Valence. Man beachte die rustikale Fahrradsicherung des französischen Velos

aufgeregtes Männchen fiel uns auf. Es wollte irgendwo hin und war ganz hektisch. Schließlich blieb er hinter Claudi ganz ruhig, mit schier fatalistischem Gesichtsausdruck bis Lyon stehen. Sie rümpfte heftigs die Nase. Das Baby vor ihr war wohl nicht, nein! Er hatte wohl bis zuletzt tapfer gekämpft – aber dann doch in die Hose geschissen! Ursprünglich wollten wir bis Orange aber aufgrund des Streiks kamen wir nur bis Valence, aber das war ok.

Wir kauften noch flugs etwas ein und und schlängelten uns dann durch die Stadt zu nahen “Via Rhona“ (V17) und bald sahen wir den hier mächtige Strom in der Sonne glitzern.

Die Rhone, wir sind da

Claudia hatte mit ihrem Naviki eine tolle Route zum ersten Campingplatz südlich von Valence gefunden. Zuerst lief alles prima, doch dann wich die die Route von der Via ab. Die verlief etwas hin und her im Hinterland, während die Route weiter dem Flussufer folgte. Für uns folgten einige Kilometer holperiger Schotterweg. Wunderbar! Seit dem Desaster vom Morgen der zweite größere Schnitzer von Naviki. Spätestens jetzt wäre es von meinem Phone geflogen. Ich nutze seit Jahren Locus Pro auf meinen Androiden und bin wunschlos glücklich. Claudia ist jedoch grundsätzlich zufrieden damit, denn bis auf das Routing funktioniert alles recht gut und erfüllt ihre Erwartungen.

Der Campingplatz  “Les deux Rives“ machte von außen erst einmal keinen sonderlich einladenden Eindruck. Wir waren unschlüssig: Noch 5 Kilometer weiter fahren oder bleiben? Eine Münze entschied: Bleiben! Gute Münze, wir bereuten es nicht. Zunächst saß da mal da ein Typ mit dem Rücken zu uns und suckelte an seinem Bier. Er drehte sich um und Alex schaute uns mit runden Augen an! Wie konnte das sein? Wieder so ein unmögliche Zufälligkeit! Seinen Glauben an die Menschheit fand er schnell wieder, als ich ihm erzählte, dass wir ein ganzes Stück mit dem Zug gefahren waren. Seine 100 Kilometer pro Tag hatten also Bestand. Die etwas abgelegene Zeltwiese ganz am Ende des Platzes gefiel uns dann so gut, dass wir einen Ruhetag beschlossen. Als Nachbarn hatten wir neben Alex noch ein nettes holländisches Ehepaar auf Tour. Wir plauschten noch ein wenig und als wir unser Abendessen beendet hatten, wurde es schon dunkel. Zeit fürs Bett nach einem irgendwie schon anstrengenden Tag.

Dienstag, 08.05. – Gergy – Gigny sur Saone

 

Endgültig Schluss mit perfektem Radweg

Wir hatten Chalon sur Saone erreicht und wollten nun dem angeblich fertig gestellten  V50 entlang der Saone nach Lyon folgen. Erst ging auch alles prima, doch dann standen wir bereits außerhalb Saone vor einem gut bewachsenen Feldweg mit zwei Fahrspuren. Hhhhmmmmm …

Wir machten erst einmal – Pause und Palaver. auf dem Ackerweg wollten wir keineswegs weiter. Entschluss 1: Weiter bis Gigny aud Departementstraßen, Entschluss 2: Morgen ab Tournus mit der Bahn ein Stück nach Süden. Die Akazie, unter der wir lagen spendete kühlen Schatten in der Mittagshitze und der kurz geschorene Rasen war herrlich bequem – es wurde eine längere Pause.

Camping a la Carte, kaum zu glauben

Der CP in Gigny war etwas besonderes, in und um ein altes Schloss gebaut. Wirklich empfehlenswert!  Es gibt einen kleinen Laden für die wichtigsten Dinge und prima Pizza “emporter“ zu einigermaßen zivilen Preisen.

Montag 07.05. – Seurre – Gergy, 47 km

Ein Motiv für van Gogh

Nachdem ich die einzig schmerzfreie Liegeposition für meine maltätierte, sowieso schon halbsteife Wirbelsäule gefunden hatte, umarmte mich Morpheus mit seinen gnädigen Armen. Über Nacht wurde es dann besser und gegen Morgen konnte ich mich wieder halbwegs normal bewegen.
Wir ließen uns Zeit mit dem Aufbruch und gegen 09.30 Uhr verließen wir noch in der

Immer wieder ländliche Szenen

den gastlichen Ort.

Über die Fahrt selbst ist gar nicht soviel zu berichten, denn es ging weiter durchs unaufgeregte, ländliche Frankreich mit seiner idyllischen Schönheit. Es ist einfach nur schön, entspannt  unter der zunehmend stärker scheinenden Sonne mit warmen Wind im Rücken durch die gleißende Weit zu rollen. Irgenwann erreichten wir Gergy. Ich hatte mir dabei die Freiheit genommen, ein wenig abseits des EV6 meinen Weg zu suchen, da mir die offizielle Wegführung manchmal nicht so zusagte.

Solche Bilder sind keine Seltenheit

Der Municipal-Platz in Gergy ist recht ordentlich und spottbillig. Während des Abendessenkochens wehte ein kräftiger Wind und während ich mich darüber freute, wie schön dieser für ordentlich Flamme an meinem Spiritusbrenner sorgt, brannte besagte Flamme bereits ein Loch in meine schöne Päckchenküche . Zut!!! Dezent höhnische Kommentare von der weiblichen Seite des Daseins – bis auch sie

Trotz großem Loch hälts doch!

feststellte, das unter ihren Trangia der Tisch brannte. Ich brachte genügend Klugheit auf, mich jeglichen Kommentares zu enthalten und nur nach innen zu grinsen.

06.05. – Saint Jean de Losne – Ruhetag

Salsa-Klänge des aus der Bar des CP-Chefs brachten uns mühsam in den Schlaf, ein leise rauschender Sommerwind weckte uns. Ein guter Platz für einen Ruhetag!

Kochen, wenn die Bedingungen nur einigermaßen sind machen wirs recht gern

Neben den üblichen Routinejobs war faulenzen angesagt. Ach wie schön sind da unsere leichten Reisehängematten. Ich träumte gerade so vor mich hin, krach, und ich fand mich nach 30 cm ungebremstem Fall auf der harten Erde wieder. Jaaauuuuuullll … als ich wieder Luft bekam ließ auch der Schmerz langsam nach! Wie schön. Die Matte ist für die Tonne aber mir zum Glück nichts ernsthaftes passiert.

Samstag, 05.05. – Osselle – Saint Jean de Losne, 64 km

Nach Osselle weitete sich das Tal Stück für Stück und je mehr der Fluss mäandrierte, so breiter und ebener wurde der Talboden.Gutes Fahrradland! Die Kälte der vergangenen Tage verließ uns zunehmend und wich immer heftigerer Sonnenwärme, von sanftem, warmen Schiebewind gemildert. Pausen waren wieder angenehm und nicht nur eine Notwendigkeit.

Dole taucht plötzlich märchenhaft auf

Einen Höhepunkt hatte der Tag dann doch, die Durchfahrt durch Dole mit seiner in der Sonne erstrahlenden Kathedrale. Wirklich beeindruckend.
So war das Fahren recht angenehm und erst als der Weg bei Tavaux für einige Kilometer den Kanal verließ, erinnerten wir uns daran, dass Steigungen mit Gepäck zu fahren mühsam ist. Die zunehmende, noch ungewohnte Hitze saugte zudem an uns.

Wasserbau allenorten – in Frankreich irgendwann zu Kunst erhoben

In Saint Jean de Losne kauften wir zunächst im Casino Marche, nur ein paar hundert Meter hinter der Brücke ein, bevor wir uns zum CP aufmachten. Dort gabs von der Wirtin erst einmal zwei große Gläser kaltes Wasser für zwei verschwitzte Radler und dann einen Platz fürs Zelt. Der Platz mit seinem alten Baumbestand bietet gut Schatten, wir haben einen Tisch und zwei Stühle. Gute Voraussetzungen für einen Ruhetag.

Freitag, 04.05. – Besancon – Osselle, 35 km

Ein denkwürdiger Tag! Nachdem wir unsere paar Einkäufe im riesigen Super-Marche nahe dem CP getätigt hatten, suchten wir uns einen Weg auf der rechten Doubs-Seite zur nächsten Brücke flussabwärts, denn wir wollten nicht wieder den einen Kilometer entlang der vierspurigen Straße zum EV6 zittern.

Die meisten Outdoor-Unfälle sind Folgen dummer Handlungen

Erst gings mal richtig bergan, dann schön bergab und dann hielt uns ein freundlicher Franzose an und meinte, dass es keine gute Idee sei, weiter zu fahren denn der Weg würde doch sehr schmal werden.
Unsere Karten gaben anderes her, Umkehren schien uns keine wirkliche Alternative, wir fuhren weiter – und der Weg wurde seeehr schmal. Claudia schob, ich fuhr noch ein Stückchen. Als ich dann auch meinte, es sei langsam Zeit abzusteigen, verhakte sich irgendwie das Sitzpolster meiner Radhose unter der Sattelspitze, ich krachte seitwärts ins dornige:  Gebüsch und meine Frontroller flogen weg. Merde!

Die Zitadelle von Besancon – wahrhaft beeindruckend

Claudia half mich aus dem Rad zu flechten. Erster Check: Ein paar Kratzer und blaue Flecken, leichte Dehnung hinterer Oberschenkelmuskel – das Rad war vollkommen ok. Schwein gehabt! Die Standpauke, die anschließend auf mich herunterrauschte und in der Feststellung gipfelte, dass ich ja nun wüßte, warum Frauen im Schnitt älter werden als Männer, ließ ich kleinlaut und demütig geschehen. Merke: Die meisten Unglücke bei Outdooraktivitäten sind eine Folge leichtfertiger Dummheit! Endlich am Flussufer stießen wir dann auf einen niegelnagelneuen Radweg, der noch in keiner Karte verzeichnet war. Klasse, die ganze Schinderei umsonst!
Nach kurzer Zeit gings über eine mächtige Brücke wieder auf den EV6 und wir radelten wieder, jetzt einmal mit leichtem Rückenwind, durch dieses liebliche Tal. Endlich war es auch einmal etwas wärmer und so flogen die Kilometer nur so. Bald war die mächtige Zitadelle von Besancon erreicht und hier gibt es eine Besonderheit. Der Radweg wird zusammen mit dem Kanal unter dem Festungsfelsen durchgeführt.

Dieser schrille Vogel weckte unsere Aufmerksamkeit

Auf der anderen Seite trafen wir auf einen anderen Reiseradler aus Deutschland mit einem knallrosa Flamingo am Gepäck. Nach etwas Smalltalk fragte er mich, ob er meine Wunden versorgen solle. Das war nicht erforderlich und ich verabschiedete mich dankend. Eine viertel Stunde weiter machte ich gerade Rast, als Claudia wieder zu mir stieß. Sie zeigte mir ein Selfie mit dem Fremden, an den sie fast vorbei geradelt wäre. Es war Jochen, der Mann

Jocven & Claudia – dieses Treffen hätten sie auch einfacher haben können

ihrer besten Freundin Katja. Wie groß mag wohl die Wahrscheinlichkeit eines solchen Zusammentreffens sein?
Jochen wollte mit seinem Pedelec heute bis nach Dole, kam aber auf dem CP noch einmal bei uns zu einem kleinen Plausch vorbei. Sein Ziel war Santiago di Compostella. Bon voyage et bon camino, Jochen.
Der Platz in Osselle ist sehr ordentlich, aber die Ferienkneipe nebenan nimmt

Abendstimmung Campingplatz Osselle

gesalzene Preise. Claudia trug noch etwas Arnika-Salbe auf den gedehnten Muskel auf, dann die übliche Abendroutine und schon bald waren wir in unseren Zelten verschwunden. Ich hoffte, die Muskelverletzung würde über Nacht etwas abklingen und mich auch weiterhin beim Radfahren nicht allzu sehr beeinträchtigen.

Donnerstag, 03.05. – L’Isle sur le Doubs – Besancon, 62 km

Heute morgen noch ein kurzer Plausch mit Alex und dann gings los zu unserer bis dahin längsten Etappe kurz vor Besancon. Es ist immer noch kalt, aber wir fahren uns langsam ein. Der Radweg ist immer noch erstklassig und führt uns immer weiter in das wirklich schöne und abwechselungsreiche Fluss-/Kanaltal hinein. Immer wieder sind wir fasziniert von den vielen kleinen Schleusen. Ob der Kanal bei der Unmenge von Schleusen wohl jemals wirtschaftlich  zu betreiben war?  Nun sind wir auf dem CP und hoffen auf eine heiße Pizza.

Mittwoch, 02.05. – Ruhtag in L’Isle sur le Doubs

Ente und Frankreich sind für mich eins

Jaaaaa, so habe ich mir das vorgestellt, geweckt werden vom Duft ofenfrischer Croissants. Ruhetag auf diesem schönen und gepflegten Platz war die absolut richtige Entscheidung! Wir haben beschlossen, uns zunächst langsam einzurollen um dann später einen Schnitt zwischen 50 und 60 Kilometer pro Tag zu erreichen – und sollte der Mistral uns mal über 100 Kilometer schieben, dann sind

DerPlartz ist ideal für unsere Bedürfnisse

wir auch. Am späten Nachmittag unterbrach Alexander aus Berlin unsere Faulenzerei. Er war auf dem Weg nach Cadiz und hatte schon runde 1.000 Kilometer hinter sich. Überhaupt waren uns in den letzten Tagen überraschend viele Tourenradler begegnet.

Dienstag, 01.05. – Montreux-Chateau – L’Isle sur le Doubs, 46 km

Alles gut gelaufen! Niemand kam uns zu kontrollieren und ggf. ein Ordnungsgeld zu verpassen. Kurz vor unserem gestrigen Ziel hatte wir den Scheitelpunkt des Kanals überfahren und nun geht es immer bergab Richtung Chalon sur Saone.

Immer am Kanal lang

Hatte ich eigentlich schon die wunderbaren, zuweilen etwas steilen Rampen an den Schleusen erwähnt? Welch ein Genuß sie nun ohne wesentlichen Gegenwind herunter zu rollen! Je weiter wir fuhren umso abwechselungsreicher wurde die Landschaft. Nicht mehr nur endlose Wiesen links und rechts, sondern zunehmend bewaldete Hänge, lauschige Flussteile und kleine Dörfchen. So rollte es sich herrlich auf dem erstklassig ausgebauten Weg, aber immer wieder erinnerten abgerissene Zweige und Blätter an den gestrigen, ruppigen Tag.
Der Campingplatz in L’Isle sur le Doubs ist günstig und recht hübsch am nebenan rauschende Doubs gelegen.Da die Pizza in der nahe gelegenen Pizzeria Don Camillo etwas hochpreisig (ab 10 € die Pizza) war, beschlossen wir selbst zu kochen und waren trotzdem mit uns und der Welt zufrieden.

Montags, 30.04. – Mulhouse – Montreux-Chateau, 34 km

Die Nacht war überraschend stürmisch. Böen über Böen schlugen regelrecht in die riesigen Kastanien, begleitet von einem ständigen, bedrohlichen Grundrauschen im Blätterwerk über mir. Hatte ich mich bei der Sonnenhitze die Tage zuvor noch glücklich über das Schatten spendende Grün geschätzt, so verwünschte ich jetzt beim Prasseln der kleinen Zweige auf das Zelt meine Leichtfertigkeit! Im Halbschlaf sah ich schon einen riesigen Ast herab rauschen, sich erst durch das Zelt und dann durch mich bohrend! Ich hätte es besser wissen müssen, wußte es auch und hab trotzdem das Zelt unter dem Baum aufgestellt. Nun war es auch egal- Augen zu und schnarch …

Vorher – auf nachher sind wir gespannt …

Unsere erste gemeinsame Etappe führte nun immer auf dem EV6 entlang des Kanals Richtung Rhonetal. Leichter Ritt – dachten wir, immer schön eben am Kanal entlang. Bis zum Übernachtungsplatz kein Problem. Nur mit dem wirklich heftigen Gegenwind hatten wir nicht gerechnet und diesen hässlichen kleinen Anstiegen vor den Schleusen. Beides zusammen ergab eine teuflische Mischung, die förmlich unsere Kraft heraus sog. Da half dann auch der wirklich erstklassig hergerichtete Weg nichts mehr.

Startbereit

So waren wir froh, als wir endlich den Caravan-Stellplatz neben der Brücke bei Montreux-Chateau erreichten. Hier hofften wir irgendwie unsere Zelte aufschlagen zu dürfen. Der Platz war prima, mit Toiletten, Wasser und geschützten Sitzgelegenheiten doch – “Camping interdit!“ Camping nur für Radtouristen wäre sicherlich die bessere Idee gewesen, denn um die geht es hier direkt am EV6 doch. Wir schätzten also die Lage ein: Vorsaison, morgen 1. Mai ( da haben auch in Frankreich die

Später gabs sogar Schaumkronen auf dem Wasser
Camping interdit – wir zelteten “stealth“ hinter der Rasthütte
Erstaunlich, die Reisegenossen anderer Tourenfahrer

Ordnungshüter gut zu tun), wir sind platt und dumm stellen fällt uns leicht (häufig hilfreich). Entschluss: Wir stellen die Zelte hinter der Hütte auf und hoffen das Beste.

Sonntag, 29.04. – Mulhouse

Wir blieben den Sonntag noch! Ein schöner Platz mit angenehmer Atmossphäre. Die Jugendherberge ist prima und ob der CP tatsächlich die bessere Wahlvwäre bleibt offen. Wir fühlten uns auf alle wohl unter den riesigen Kastanien auf der Zeltwiese … und haben einen warmen Tag in unseren federleichten SeaToSummit-Hammocks genossen. Die Dinger sind unser kleiner Luxus und total genial.

Cafe a la carte!
Blinde Passagiere- Daniel und Monique haben sich in Claudias Lenkertasche eingerichtet

Samstag, 28.04. – Mulhouse

Heute, gegen Abend stieß heute Claudia zu mir. Sie war schon seit dem frühen Morgen aus dem Backnanger Bereich unterwegs und dann die gleiche Strecke wie ich Tags zuvor nach Mulhouse geradelt. Die Freude war groß aber sie war müde. So hielten sich die Wiedersehensfeierlichkeiten in Grenzen. Das Lager eingerichtet und dann erst einmal lang machen, jaaaa, das ist es!

Schöner Zeltplatz, tollr Jugendherberge

Den Tag verbrachte ich mit ein paar Einkäufen im nahe gelegenen, riesigen “Magasin Leclerc“, dem sortieren meines Gerödels und damit, dass ich an meinem Rad den mitgebrachten Außenspiegel montiert habe.
Vielleicht bleiben wir Sonntag noch, damit Claudi sich auch noch ein wenig sortieren kann. Egal wie, gut is.

Freitag, 27.04. – Basel – Mulhouse, 44 km

Die Nacht war unruhig, zuviele Gedanken an das Kommende marschierten durch mein Unterbewußtsein. Trotzdem fühle ich mich einigermaßen ausgeruht und das kleine, im Fahrpreis inbegriffene Frühstück tat ein Übriges nund wurde auch nicht durch das superenge Schlafabteil getrübt.
Basel!

Basel, ich liebe diese Stadt

Anders, als ursprünglich geplant, stieg ich schon am Badischen Bahnhof aus. Dort rollte ich mein Rad über eine bequeme Rampe den Bahnsteig herunter und zottelte dann problemlos durch den quierligen Verkehr zum Rhein hinunter. Und plötzlich lag er vor mir, wälzte sich behäbig unter der strahlenden Sonne an den schönen Fassaden der gegenüber liegenden Altstadt vorbei. Ich genoss den Augenblick auf einer Bank der Promenade und fühlte mich ä befreit. Endlich saß ich nach der langen Vorbereitungszeit auf dem Rad!
Dann gings über die nächst gelegene Brücke zur anderen Flussseite und dort auf kürzestem Wege zu Eurovelo 6 (EV6). Dem folgte ich dann bis zum CP Mulhouse. Das Wetter war angenehm sonnig und der gut befahrbare Weg führte problemlos immer entlang des Kanals durch recht abwechselungsreiche Landschaft. Ideal zum Einrollen zu Beginn einer längeren Tour. Einmal überholte mich mit wahrem Affenzahn eine größere Gruppe Jugendlicher auf Liegerädern. Die wirbelten richtige Staubwolken auf!
Auch mehreren Reiseradlern begegnete ich zu meiner Überraschung. Darunter ein Pärchen aus Österreich, die direkt am Weg campiert hatten. Sie waren ein Jahr dur Frankreich, Spanien und Portugal unterwegs und nun auf dem Weg nach Hause.
In Mulhouse war der Stadt die Pächter des “Camping Municipal“ abhanden gekommen und der Platz daher geschlossen. Ein freundlicher Mensch gab mir den Tipp mit der nahe gelegenen Jugendherberge. Dort könne man auch Zelten. Hier bin ich also nun. Es war ein wirklich guter Rat! Am abend noch ein wenig mit einem tschechischen Paar geplaudert und dann genoss ich nur noch die Ruhe meines Zeltes

Donnerstag, 26.04. – Anfahrt Basel

Auf gehts!

Da stehe ich nun auf Gleis 14 der Hamburger Hauptbahnhofes und warte auf die Ankunft des Nachtzuges „Nightjet“, der mich nach Basel bringen soll. Die große Frankreichtour „a velo“ hat begonnen! Selbiges Velo steht wie ein vollbepackter, geduldiger dalmatinischer Esel neben mir. Alles ist so gut es geht vorbereitet und jetzt, wo ich hier stehe, ist irgendwie ein wenig die Luft raus. Auf dem Bahnhof herrscht die übliche rastlose Atmosphäre des frühen Abends.
Der blaue Zugwurm rauscht herein und ich sehe zu, mein Rad im entsprechenden Waggon zu verstauen. Nachdem ich es angeschlossen ha e arbeite ich mich schnaufend mit meinem Gerödel durch vier Waggons zu meinem Schlafabteil. Ich teile es ab Hannover mit zwei anderen. Wie sich später heraus stellt sind die beiden verträglich und schnarchen vor allem nicht. Trotzdem schlafe ich nur oberflächlich.

Eine Antwort auf „2018 – La France à vélo – von Mulhouse zum Midi“

  1. Hallo Hartmut,
    ich wünsche Euch beiden eine schöne und nicht allzu stressige Reise. Schön von Dir und Claudia zu hören und Deine Reiseberichte sind top verfasst, ich denke Du hast das Zeug ein Buch zu schreiben, ehrlich. Sehr schön geschildert.

    Meine Planung zum Radforum nach Lauterbourg und weiter zum Bodensee musste ich leider wegen eines familiären Trauerfalls absagen.

    Mit Rad und Zelt in die Welt,
    der VeloRudiX

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