2018 – La France à vélo – 3. die Atlantikküste hinauf und dann die Loire

Inhalt

Mit dem Atlantik hatten wir unser zweites großes Ziel erreicht. Nach ein paar Tagen Pause bei der Düne von Pilat machten wir uns dann an dessen Küste auf den Weg nach Norden, zur Mündung der Loire. Diese wollten wir dann noch ein Stück hinauf fahren, bis es wieder zurück nach Deutschland gehen sollte.

Bilder gibts eine Menge. Dank auch wieder einmal an Claudia für die von ihr zur Verfügung gestellten.

Freitag, 29. Juni – Rückfahrt Tours – Dijon – Deutschland

Das obligatorische “Nachher-Foto“, brauner, entspannter und mit längerem Bart

Diesen Morgen waren wir in aller Frühe in Tours unterwegs, denn der Zug nach Dijon sollte kurz vor 07.00 Uhr abfahren – sofern nicht streikbedingt etwas dazwischen kam. Es war zwar noch dämmerig aber derart warm, dass T-Shirts ausreichten.

Die Fahrkarten waren schnell am Automaten gekauft und wir hatten noch fast eine Stunde Zeit. Französische Fahrkartenautomaten kann man – anders als bei derartigen Geräten der Deutschen

Bange Blicke auf den Monitor …

Bummelbahn – ohne Hochschulstudium bedienen. Abgesehen davon ist es für deutsche Bahnnutzer recht verstörend, mit welcher für ihn geradezu erschreckenden Pünktlichkeit die Züge der SNCF meist fahren. Selbst wenn gestreikt wird. Und das war ein wenig unsere Sorge, denn zunehmend erschienen auf dem Anzeigemonitor für die Abfahrten hinter einzelnen

Wieder einmal fahren unsere Räder mit der Bahn – faule Dinger!

Verbindungen Bus-Logos für Ersatzverkehr. Nicht gut mit Vélo! Fünfzehn Minuten vor Abfahrt dann Seufzer der Erleichterung: Gleis A. Wenig später rollten wir aus dem Bahnhof. Während der mehrstündigen Fahrt hatten wir noch einmal ein nettes längeres Gespräch mit einem französischen Ehepaar, das auch mit Rädern unterwegs war. Die Verständigung in Französisch-Englisch-Deutsch war kein Problem, denn wir wollten uns verstehen.

In Dijon fuhren wir noch aus der Innenstadt heraus und bald erschien auch Peter, der gute Geist, der uns nach Deutschland zurückbringen würde, am vereinbarten Treffpunkt. Unsere Reise war zu Ende. Eine wunderbare, denkwürdige, interessante, anstrengende aber auch

Der Frech … ähem … Chefdachs freut sich jetzt auch auf den heimischen Bau – Tschüss!

erfüllende Reise. Au revoir la belle France, du wunderbares Land mit so vielen freundlichen Menschen. Du warst es jeden Tag wert!

 

Donnerstag, 28. Juni – Rückreise Ingrandes-sur-Loire – Tours

Nun geht sie tatsächlich zu Ende, unsere Rundreise durch Frankreich, denn die Hitze wird langsam zum Problem für uns.

Wir brachen bei Mondschein auf …

Heute morgen rollten wir bereits um 06.00 Uhr und kurze Zeit später standen wir auf dem kleinen Haltepunkt von Ingrandes. Kurzer Schreck in der Morgenstunde: Der Zug Richtung Angers fuhr auf dem anderen Gleis und zu dem führte eine irre hohe Brücke mit Treppen an beiden Enden. Ich hatte mich schon fast mit der bevorstehenden Schinderei abgefunden, als ich gerade noch eine

Die schnuckelige kleine Rezeption des Platzes war mir einfach ein Foto wert

problemlose Zufahrt über eine nahe Straßenbrücke entdeckte. Der Fahrkartenautomat war außer Betrieb. So kamen wir gratis nach Angers, denn im Zug wollte niemand unser Geld.

In Angers bekamen wir problemlos mit einer Stunde Wartezeit Anschluss nach Tours. Umsteigen in Angers ist kein Problem, denn es gibt dort großzügige Rampen. Auch der Fahrradtransport im

… waitin‘ for a train … im Hintergrung besagter Übergang

TER war aufgrund etlicher großzügig bemessener Radstellplätze wieder kein Problem. So kamen wir kurz vor 09.00 Uhr in Tours an und rollten wenig später bequem aus dem Kopfbahnhof. Ob der morgige Zug nach Dijon fahren würde – der Streik dauerte an – sollten wir am späten Nachmittag erfahren.

Der nahe Campingplatz war dann auch

… sittin‘ in a train …

eine Überraschung, denn es gab weitläufige Zeltwiesen mit vielen Bäumen und Sitzgelegenheiten. Und als die nette Frau an der Rezeption auch noch anbot, sich um die Info wegen des Zuges zu kümmern, war es perfekt. Hier würden wir es streikbedingt notfalls auch einige Tage aushalten.

Mittwoch, 27. Juni – Ste. Luce – Ingrandes-sur-Loire, 49 km

Teilweise war der Weg recht schön

Die Hitze heute hat uns fertig gemacht, machte uns auch um 21.00 Uhr noch platt. Und in den nächsten Tagen sollte es noch heftiger werden. Selbst die Einheimischen stöhnten. Die letzten Kilometer schleppten wir uns nur noch zum Municipal hier im Ort, obwohl die heutige Etappe leicht zu fahren und nicht sonderlich lang war. Zum Glück bot der Platz Schattenbäume.

Wohlweislich waren wir am Morgen – nach herzlichem Abschied von Elisabeth und Hannjörg – recht früh aufgebrochen. Das war schon bemerkenswert, da wir am Vorabend mit den beiden bis nach Mitternacht die Welt verbessert

Mein erstes Schloss an der Loire – wohl leider auch mein letztes …

hatten. Und eine müde Schwäbin zu wecken, kann ungefähr so sein, wie einer hungrigen Löwin die Antilopenkeule wegnehmen zu wollen. So nahmen wir für etliche Kilometer noch die Morgenkühle mit. Doch ab Mittag schlug die Hitze dann erbarmungslos zu.

Das nachmittägliche Paw Waw unter den Schattenbäumen des Platzes kam dann sehr schnell zu folgendem Ergebnis: Morgen früh mit dem Zug nach Angers und dann weiter nach Tours. Von dort am nächsten oder übernächsten Tag nach Dijon (ohne Umsteigen). In Dijon würde man uns dann abholen. Unsere Reise neigt sich ganz offensichtlich rasant dem Ende zu.
So, jetzt noch den Wecker stellen und dann versuchen, trotz der Wärme Schlaf zu finden.

Dienstag, 26. Juni – Ste. Luce-sur-Loire

Selfie mit Elisabeth und Hannjörg, sympathische Menschen, die wirklich etwas zu erzählen hatten

Tja, und besagtes Frühstück mit den Beiden dauerte dann bis 11.30 Uhr, der Zeit, wo die Mittagshitze langsam anfängt brutal zu werden. Aber unsere Gespräche waren so interessant, dass wir förmlich die Zeit vergaßen. Die Schönheit dieses Campingplatzes machte es dann mehr als nur leicht, uns für einen weiteren Tag dort zu entscheiden.

Auf dem Platz übernachtete auch eine deutsche Schulklasse mit ca. 14 – 15 jährigen Schülern, die sich wie eine Horde Wildschweine aufführten. Lautes Gegröhle, Kreischen, Gejohle und Sauflieder bis nach Mitternacht. Von den Begleitpersonen keine Spur. Solches Verhalten von deutschen Klassen und deren Begleitpersonen war uns schon zuvor äußerst unangenehm aufgefallen. Derartiges erlebten wir mit Schulklassen z.B. aus der Schweiz oder Frankreich nie.

Montag, 25. Juni – Ste.-Luce-sur-Loire

Bei der Rezeption

Uns gefiel es so gut hier, dass wir gleich einen Ruhetag einlegten. Der nahe Super-Utile sicherte die Versorgung und wir verbrachten einen unbeschwerten Tag. Da es auch gutes gratis Internet gab, fand ich endlich auch wieder Gelegenheit, alle noch ausstehenden Berichte nebst Fotos in meinen Blog zu stellen. So hatten irgendwie alle etwas von diesem Ruhetag.

Unser Stellplatz

Am Abend saßen wir noch eine ganze Weile mit Elisabeth und Hannjörg aus Zirndorf zusammen. Es war wieder einmal eine von diesen netten Begegnungen, die wir uns vor unserer Tour erhofft hatten. Zum Frühstück wollten wir uns noch einmal treffen.

 

 

Schöne schattige Ruheplätze unter Linden …
… in deren Blüten Heerscharen von Bienen summten

Sonntag, 24. Juni – Migron – Ste.-Luce-sur-Loire, 42 km

Wie fast üblich verließen wir den schönen Platz in Migron gegen 10.00 Uhr. Irgendwie hatte sich diese Uhrzeit zu einer Art Konstante +/- 30 Minuten für den morgendlichen Aufbruch entwickelt. Die vorherrschenden westlichen Winde zeigten sich wieder nicht, aber der Gegenwind war bei weitem nicht so stark wie Tags zuvor. Auch der Weg war viel schöner und abwechslungsreicher.

Dieses mal die Fähre über die Loire

Bei Le Pellerin querten wir die Loire mittels Fähre, denn die Wegführung am Nordufer schien uns günstiger (was uns später auch bestätigt wurde). Die Einfahrt in Nantes ist langwierig und führt durch ausgedehnte und unattraktive Hafengebiete, die Durchfahrt ist problemlos aber unspektakulär und bei der Ausfahrt steht man unvermittelt wieder in der Botanik. Der Verkehr war mäßig, aber es war ja auch Sonntag. Ein unglücklicher Sturz Claudias ging zum Glück glimpflich aus. Außer ein paar leichten Prellungen geschah ihr nichts und auch das Fahrrad trug keinen Schaden davon.
Highlight in Nantes war der seetüchtige Nachbau einer spanischen Galeone, die zur Besichtigung am Loireufer der Innenstadt festgemacht hatte.

Eine spanische Galeone hatt in Nantes fest gemacht. Der Nachbau war offenkundig seetüchtig

Der Rest des Weges bis zum Campingplatz führte einfach immer am Ufer entlang und war gut zu fahren. Einige Zeit nachdem wir an einer recht wüsten Siedlung aus alten Wohnwagen, Campmobilen und Mobil-Homes vorbei waren, wies ein Schild auf den Campingplatz von Ste. Luce hin. Ein kurzes Stück unscheinbarer Weg und durch ein kleines Seitentor gings auf den Platz. Der ist richtig schön und wie für Radtouristen gemacht. Alle Stellplätze für Zelte haben eigene Bänke und sind meist schattig. Zum Aufladen von Geräten gibts zudem normale Steckdosen. Der Platz ist sehr liebevoll angelegt mit Sitzplätzen unter Linden und die Leute sind freundlich. Das ansonsten alles sauber und picobello ist bedarf da keiner tieferen Erörterung. Wir fühlten uns sofort richtig wohl dort.

Samstag, 23. Juni – St. Nazaire – Migron, 24 km

Ich hatte gut geschlafen und nach vier Fahrtagen Lust auf einen Ruhetag. Anlass also für etwas morgendliche Konversation von Zelt zu Zelt.
“Claudi … ?“
“Grmmmpphhh …“
“Was hältst du von ’nem Ruhetag?“
“ Hhmmmmm …, weiß nicht, was meinscht?“
“Ich hab zuerst gefragt!“
“Hhmmmmm …“
“Ich mein nur, dann würde ich nämlich jetzt losfahren, frisches Baguette, duftige Croissants, Eier und Aufschnitt …“
“Ha! Du willst mich nur wieder so hinterhältig korrumpieren ………… ok, Ruhetag!“

Nun sind wir auf dem Loire-Radweg EV 6

Das reichhaltige Frühstück hatten wir dann zwar, doch mit dem Ruhetag wurde es doch nichts, denn der Platz war voll belegt und wir mussten weiter. So ists halt, wenn man quasi auf der Straße lebt. Schon etwas anstrengend.
Also beschlossen wir, heute nur bis zum Municipal von Migron zu fahren, denn direkt bis zum angepeilten Platz in Nantes war es uns zu weit, zumal bei kräftigem Gegenwind.

So wird an der Loire-Mündung gefischt

Bei unserer Abfahrt kamen gerade die Besitzer des benachbarten Mobil-Homes, bei dem wir uns Tisch und Stühle “ausgeliehen“ hatten. Puuuiiih, noch mal Glück gehabt! Manchmal haben auch eigentlich schlechte Nachrichten was Gutes.
Der EV 6 machte in seiner bisherigen Wegführung kurz hinter der Brücke einen mächtigen Schwenk ins Hinterland, der eine Menge zusätzliche Kilometer

Sehenswertes Kunstwerk in Palmboeuf

bedeutete. Die aktuelle Wegführung folgt dem Fluss, lässt sich gut fahren, bietet zunächst aber wenig Reize. Erst ab Palmboeuf hörte das Einerlei auf und es ging auf diesen kleinen heimeligen französischen Landstraßen weiter. In Palmboeuf steht übrigens auch ein interessantes Kunstwerk japanischer Architekten direkt am Weg, der “Jardin du Etoile“. Ich fand es sehenswert.
Irgendwann erreichten wir den

Ein Abenteuerplatz für Kinder und Erwachsene

Campingplatz in Migron und wie so oft erwies sich auch dieser Municipal als schnuckeliges Kleinod mit schöner Zeltwiese unter mächtigen alten Schatten spendenden Platanen. Als Zelter würde ich inzwischen diesen Plätzen meistens den Vorzug zu kommerziellen Plätzen geben. Alles wurde also mal wieder gut!

Freitag, 22. Juni – Les Moutiers-en-Retz – St. Nazaire (fast), 36 km

Der Hafen von Pornic …

Heute knirschte es etwas zwischen Claudi und mir. Ich hatte bei meinem Phone den Flugmodus nicht ausgeschaltet. Als sie im Hafen von Pornic einen schönen Pausenplatz entdeckte, versuchte sie mich zu erreichen, was natürlich nicht klappte. Normalerweise fahre ich hinter ihr und wäre automatisch dort vorbei gekommen. Doch mir stand mal wieder der Sinn nach einer Abkürzung und ich

… Claudia genoss ihn ohne mich

schnitt den Hafen kurzerhand ab. Nach einer halben Stunde wurde sie immer unruhiger, denn sie kennt ja meine Handicaps. Ihr Kopfkino begann in immer grelleren Szenarien zu arbeiten: War ich vielleicht mit irgendeinem Herz-Kreislaufproblem an einer der vielen kleinen Steigungen vom Rad gekippt oder an einer der kleinen kitzeligen Abfahrten gestürzt? Sie begann sich richtig Sorgen

An der Mündung der Loire laufen enden oder beginnen einige Radwanderwege

zu machen.
Inzwischen hatte ich in St. Michel den kleinen Flieger auf dem Display bemerkt und abgeschaltet. Mehrere WhatsApp und eingegangene Anrufe ließen nichts Gutes ahnen. Eben noch in Hochstimmung, weil ich hinter Pornic noch einmal eine tolle Abkürzung (minus 4 – 5 km!) und quasi über eine Hochebene gefunden hatte (die Original war nicht nur länger, sondern hatte auch noch viele Steigungen, wie ich

Das Friedens-Selfie vom nächsten Tag

später erfuhr) klingelte das Telefon. Der Gesprächsinhalt war kurz, der Ton frostig. Man treffe sich am Campingplatz. Ich fuhr also etwas belämmert weiter auf dem EV 1. Erst in in St.-Brevin-les-Pins trafen wir uns auf der Promenade wieder. Sie war nicht zu übersehen wütend und einer kriegerisch gestimmten, zornigen Schwäbin geht man selbst als sturmerprobter, gestandener Küstenmensch tunlichst aus dem Wege.
So ließ ich sie schwer grollend und finster dreinschauend auf einer Bank zurück und fuhr langsam weiter. Kurz vor dem Campingplatz kamen wir jedoch wieder zusammen und beim

Der erste Blick auf St. Nazaire

Abendessen wurden dann die Misslichkeiten, die ja weder böswillig noch beabsichtigt waren, geklärt und endlich schien die Sonne wieder richtig!
Die Strecke war ein immer wiederkehrendes auf und ab und ziemlich anstrengend, insbesondere als es ins Hinterland ging. Das Meer sahen wir erst kurz vor der Loire Mündung wieder. Am Parc du Pointeau in St. Brevin kam ich an alten Bunkern des Atlantikwalls vorbei und auf der anderen Seite grüßte St. Nazaire mit seinen mächtigen Werften und Trockendocks. Auch der monströse U-Bootbunker war gut zu erkennen. Wir fuhren noch bis zu dem Punkt in Mindin, an dem die diversen Radfernwege zusammen kamen, bestaunten die Riesenbrücke, über die wir zum Glück nicht fahren würden und machten uns dann auf zum nahen Camping de Mindin. Der ist recht klein und etwas früher am Tag eintreffen schadete sicher nicht.

Anmerkung zur Brücke: Nach unseren Informationen vor Ort ist es nicht mehr erlaubt, die Brücke mit Fahrrädern zu befahren. Statt dessen gibt es einen stündlichen Shuttle-Service, der allerdings etwas versteckt ist.

Donnerstag, 21. Juni –

Île de Noirmoutier – Les Moutiers-en-Retz, 39 km

Dämmerung über dem Watt

Um 04.00 Uhr trompetete mich der amerikanische Bugle zum Wecken aus süßem Schlummer. Da wir am Abend alles gut vorbereitet hatten, war alles schnell gepackt. Der Wind hatte aufgefrischt und Claudi meinte, dass ihr das nicht gefiele. Doch wir schlichen uns im Schein unserer Stirnlampen vom Platz und standen kurz vor sechs am Beginn der 4,5 Kilometer langen Passage du Gois. Erstes zartes

Die Zufahrt zur unterseeischen Straße bei Flut Tags zuvor

Morgenrot erschien gerade am östlichen Himmel und vor uns lag die nun trocken gefallene Straße im Watt. Ganz in der Ferne leuchtete das winzige rote Markierungslicht der anderen Zufahrt. Wir fuhren los und es ging überraschend gut. Nirgendwo die befürchteten glitschigen Algen oder Schlick. Der Straßenbelag wechselte, war aber insgesamt ordentlich befahrbar. Auch der Gegenwind wirkte sich nicht so übel aus, wie befürchtet. So

Die Zufahrt nun bei Ebbe

schnurrten wir langsam über dem Meeresgrund dem anderen Ufer zu. Zwei oder drei Autos kamen uns entgegen, das wars. Doch die vielen Rettungsbaken entlang der Strecke erinnerten uns stumm mahnend daran, dass sie für den Unachtsamen durchaus Gefahren bergen konnte.
Am anderen Ufer angekommen schauten wir noch einmal zurück auf dieses

4,5 km irgendwo im nirgendwo …

außergewöhnliche Wegstück. Der Himmel war jetzt grau und der weiter auffrischende und kälter werdende Wind kam uns genau aus Nord entgegen. Das war das Szenario für die nun folgenden, schier endlos scheinenden Kilometer durch die trostloseste Trostlosigkeit dieser Tour. Nicht nur die Umstände waren es, auch die Landschaft, die vielen kleinen herunter gekommenen Nutzbauten der

Boote im Schlick

Austernzüchter und Fischer und die bei Ebbe trocken gefallenen, wie in den Drecksschlick hingeschmissenen Boote in den vielen Wasserarmen zum Meer. Es ging nur im kleinen Gang mühsam vorwärts und ohne Frühstück war sowieso alles Mist. So kämpfte wir uns im Sinne des Wortes vorwärts. Oh La Vendée a Velo, wo sind nur deine vor kurzem noch gerühmten Reize geblieben?
Doch irgendwann hatte unser Elend ein Ende und das war bei Port de Collet. Von hier war es nicht mehr weit bis Les Moutiers-en-Retz und endlich konnten wir dort den ersten Kaffee des Tages genießen. Welche Wohltat!

Der Campingplatz war zwar etwas herunter gekommen, für Zelter mit seinen Wiesen und Platanen jedoch ideal. Und die “Bankräuber“ hatten mal wieder zugeschlagen, leider gabs die Beute nur in Kindergröße

Wir beschlossen, einen halben Ruhetag einzulegen und einen der Campingplätze des Ortes zu entern. So kauften wir noch etwas im Laden neben dem Cafe ein und schlugen schon bald unsere Zelte auf dem Campingplatz Anas auf. Der war zwar nicht auf dem neuesten Stand, dafür aber ruhig mit großen Schatten spendenden Bäumen – denn, man glaubt es kaum, inzwischen brannte die Sonne wieder erbarmungslos herab. Ein eigenartiger Tag.

Mittwoch, 20. Juni – St.-Jean-de-Monts – Île de Noirmoutier, 31 km

Die Hitze fängt langsam an zu schlauchen. Der weitere Weg durch die Vendée – der EV 1 heißt hier “La Vendée à Vélo“ – war auch heute von der hervorragenden Qualität, wie die Tage zuvor, aber die vielen kurzen Anstiege zusammen mit der Hitze forderten Tribut. Als ich dann auch noch den mächtigen Brückenbuckel über den Sund zwischen Festland und Insel überwunden hatte, reichte es mir und ich war froh, als ich kurz vor Claudia bald den nahegelegenen Zeltplatz erreichte. Dort fanden wir nach einigem Suchen zum Glück wieder einen tollen schattigen Platz – anders hätten wir es wohl schwer ausgehalten.

Da mussten wir noch rüber, dann waren wir auf der Insel

Wir mussten hier aber auch übernachten, denn wir wollten die Insel wieder über eine besondere Straße verlassen. Sie ist 4,5 Kilometer lang, liegt unter Wasser und ist nur bei Ebbe befahrbar. Das wäre derzeit am späten Nachmittag oder in den frühen Morgenstunden möglich. Unter anderem auch weil die nächsten Campingplätze noch so weit weg lagen, entschieden wir uns für die frühmorgendliche Option. Die Wecker waren auf 04.15 Uhr gestellt und alles so weit möglich für die Abfahrt vorbereitet. Schaun mer mal …

Dienstag, 19. Juni – Les Sables-d’Olonne – St.Jean-de-Monts (Camping Acapulco), 46 km

Mein Abschiedsfoto von les Sables

Claudia, Pessimistin aus Passion, unkte mal wieder rum, sie habe ein schlechtes Gefühl bei dem Stellplatz. Nach dem Einkauf im Utile-Express waren wir in die Straße mit den drei nächstgelegenen Campingplätzen eingebogen, am ersten vorbei gefahren – zuviel Fahnen, zuviel Rummel – und uns dann für “Acapulco“ entschieden. Tatsächlich, der Platz für unsere Zelte lag in der prallen Sonne und

Wieder ging es durch amphibische Landschaften

zwei Autos parkten darauf. Er war einfach Mist. Wir zurück zur Rezeption. Verhandlungsziele: Besserer Platz mit etwas Schatten oder Geld zurück. Der Besitzer war zufällig da und fragte, was sei. Der zugewiesene Platz sei zugeparkt. Ob wir denn mit dem Platz sonst zufrieden sein. Ich sagte ihm rundheraus “Nein!“ und erklärte warum. Aha, ein Lächeln huschte auf sein Gesicht, er schwang sich auf ein Fahrrad und bedeutete uns, ihm zu folgen. Wir kurvten wieder über den Platz und dann in eine etwas versteckte Ecke: Voila! Das war er, der Traumplatz im Schatten alter Nadelbäume und mit Wasserzapfstelle. Als ich noch wegen meines

Der Weg ist einfach vielseitig, …ö

Handicaps fragte, ob wir Tisch und Stühle von einem der umliegenden leeren Mobil-Homes nehmen dürften, meinte er nein, aber man würde welche vorbei bringen. Als er nach 10 Minuten mit den Sachen auf einem Caddy angefegt kam, freute er sich über unsere erstaunten Gesichter. Wir bedankten uns vielmals und ehrlich. Wenn das nicht Kundenfreundlichkeit war, was dann? Der Name des Campingplatzes: “Acapulco“.

…mal so …

Die Vendée ist überhaupt bis jetzt für uns beide die unerwartete und eigentliche Überraschung der Tour, wunderschön geführte und bestens gestaltete Wege, mal direkt an der Küste mit tosender Brandung, dann wieder im lieblichen Hinterland oder durch augedehnte und bewaldete alte Dünenformationen. Es war eine Lust, hier Rad zu fahren, zumal bei dem erstklassigen Wetter seit Tagen. Das

… oder so

wird allerdings zunehmend zur Last, denn die Hitze wird immer stärker. So auch heute wieder. Wir waren froh, als wir endlich in St. Jean ankamen.
Und wieder staunten wir über die sinnvoll angelegten Fahrradstraßen, die insbesondere in den größeren Orten und Städten. So hatte man z.B. vor St. Gilles Croix de Vie eine Autobrücke von zwei Fahrspuren auf eine für Autos (mit Ampel) und eine breite Fahrradspur umgebaut. Oder in der Stadt hatte man neben der Autobrücke über den Hafen extra eine sehr großzügige für Radfahrer und Fußgänger gebaut. Diesbezüglich sind wir in Deutschland da eher noch Entwicklungsland.

Montag, 18. Juni – Les Sables-d’Olonne

Die kleine Waldfrau am endlosen Ozean

Uns gefiel der Platz am Meer und so blieben wir einen Tag. Außer den üblichen Routineverrichtungen stand nichts auf der Agenda und wir waren mal wieder einfach nur faul.
In der Nacht hatte es ordentlich geweht. Da ich mein MT-Batwing aufgespannt hatte, war vom Wind im MoTrail kaum etwas zu spüren und ich konnte angenehm schlafen. Das Ding ist wirklich ein sinnvolles Zubehör. Man braucht es

Das MT-Batwing hat sich bewährt

sicherlich nicht oft, aber wenn, dann kann es einem die Nacht oder das Abwettern retten.
So langsam kristallisiert sich auch die Organisation der Rückfahrt immer mehr heraus. Von den Städten des Loiretals gibt es TER-Direktverbindungen, die uns an streikfreien Tagen weit das Loiretal aufwärts brächten. Von dort könnten wir mit dem Rad weiter fahren bis z. B. Digoin

Essen und Service waren ausgezeichnet hier!

oder sogar Chalon-sur-Saone und würden dort irgendwo von einem netten Menschen abgeholt, der uns per Auto zurück nach Deutschland bringt. Alles also im grünen Bereich.

Esszimmer mit Meeresblick

Sonntag, 17. Juni- Jard-sur-Mer – Les Sables-d’Olonne, 32 km

Amphibische Landschaft oder Hobbit-Land?

Ein Tag der Überraschungen! Wir hatten uns Tags zuvor noch die Karte angeschaut und das ausgedehnte Marsch- und Schwemmland, durch das EV 1 gleich hinter Jard führte, versprach wieder öde, langweilige Kilometerabreißerei. Doch weit gefehlt! Der Weg führte uns uns durch eine seltsam liebliche amphibische Landschaft mit Teichen und Inseln, auf denen auch immer wieder kleine Häuschen gebaut waren, manchmal

… auf jeden Fall malerisch

überschattet von den ausladenden Schirmen dunkler Akazien. Der Weg war schlicht toll und prima zu befahren. Z.T. hatte man ihn sogar aufgeständert durch einzelne Gewässer geführt.
Bei Talmont verließ der EV 1 diese Zauberwelt, um schon wenige Kilometer hinter dem Ort direkt an der wilden Küste weiter zu führen. Es war so beeindruckend, dass wir dort wieder

Wir vergessen mal wieder die Zeit …

reichlich Zeit auf einer Bank, versunken in halbphilosophischen Gesprächen verbrachten. Doch dann mussten wir weiter auf Klippenweg und Promenade und bald tauchte die beeindruckende Wasserfront von Olonne auf und rückte langsam näher. Wir mussten uns in Château-d’Olonne an einer gerade stattfindenden Triathlon-Veranstaltung vorbei schlängeln – ein befreundeter Kayaker nannte solche

… an dieser wilden Küste

Menschenansammlungen einmal etwas unfein aber doch treffend “Fleisch-Verblockungen“ – und dann durchquerten wir diese irgendwie schöne Stadt, meist auf der französisch großartigen Seepromenade mit ihrer interessanten Wasserfront. Bei den erstklassigen Radwegen und der optimalen Wegführung war das wirklich kein Problem. Hinter Olonne kamen wir wieder an den Strand

Durch Olonne auf modernsten Wegen

und ca. einen Kilometer vor dem ersten Zeltplatz nach der Stadt machten wir für einen kleinen Snack Rast bei einer windschiefen Hütte mit ein paar Tischen aus alten Kabeltrommeln. Bald war klar, der nahegelegene Zeltplatz in Les Sables-d’Olonne sollte unser Tagesziel sein. Wir haben wohl insgesamt langsam zur deutlich mehr Muße gefunden.
Alles andere war kein Problem und bald

Hi, ich bin Daniel, der Chefdachs des Unternehmens. Claudia genießt den Vorzug, dass ich auf ihrem Lenker mitfahre. Ohne mich würden diese beiden Luschen übrigens so gut wie nichts gebacken kriegen!
Die Küste nahe Olonne …
… und ganz nahe Olonne

standen unsere Zelte. Tisch und Stühle durften wir uns mit Erlaubnis der Platzleitung von einem Mobil-Home nehmen.

Samstag, 16. Juni – St. Michel en l’Herm – Jard-sur-Mer

Ich kam vom Duschen zurück und schaute ungläubig auf die Szene. Ein Cocker-Spaniel kackte seelenruhig auf den freien Platz neben unserem und sein holländischer Besitzer – deren Camper stand auf der anderen Seite besagten leeren Platzes – stand seelenruhig daneben und wartete, bis das Geschäft verrichtet war. Meine mehr als erstaunten Blicke bemerkte er schon, übersah sie jedoch geflissentlich gelangweilt. Weg gemacht hat er den Dreck dann auch nicht. Sachen gibts! Eigentlich hätte man ihm nachts auf den Teppich vor seinem Camper schei….. müssen.
Der Tag begann damit, dass Madame so gar keine rechte Lust hatte, ihn freudig zu begrüßen. Ich hatte schon fast fertig gepackt, als sie etwas zerknautscht aus dem Zelt kroch. Doch dann kam alles wieder in den gewohnten morgendlichen Takt und gegen 10.00 Uhr rollten wir. Den eigenartigen Schlenker von immerhin rund 12 Kilometern, den der EV 1 hier nach Süden macht, schnitten wir ab und fuhren direkt nach ‚Aiguillon-sur-Mer und folgten dann wieder dem EV 1.
Am Ortseingang dort befindet sich ein großer Super-U-Markt nebst Tankstelle. Zeit und gute Gelegenheit mal wieder den Druck auf den Reifen zu erhöhen, befand ich. Am Pressluftgerät also den Druckschlauch aufs Ventil des Vorderrades gesteckt, “+“ gedrückt, nichts passierte. Das Ding wollte bestimmtes Kleingeld, das ich jedoch nicht hatte. Also wechseln beim Service-Mann. Der teilte mir mit, das Teil sei außer Betrieb. Nun gut, also Schlauch wieder abgenommen und weiter. Glaubte ich jedenfalls, denn vorne war nun fast keine Luft mehr drin, war wohl beim aufgesteckten Schlauch raus gezischt. Na prima! Also musste jetzt meine kleine Lezyne-Pumpe ran und als ich mir den reichlichen Schweiß abwischte hatte ich wieder ausreichend Druck auf dem Reifen. In La Tranche-sur-Mer gabs zum Glück wieder einen Super-U und dann war alles wieder gut.
Dort traf ich auch Claudia wieder und die bis dahin etwas eintönige Strecke führte nun abwechselungsreich durch Wald. Dort verloren wir uns wieder aus den Augen, denn sie bog irgendwo von mir unbemerkt auf einen netten Picknik-Platz, den sie entdeckt hatte und ich fuhr ebenfalls unbemerkt dort an ihr vorbei. So war ich irgendwann ca. 3 Kilometer vor ihr und an einem wunderbaren Platz mit freiem Blick aufs Meer. Dort machte ich ausgedehnt Pause, bis irgendwann auch Claudia erschien. Ich schwor etliche Eide, nicht absichtlich an ihr vorbei gefahren zu sein und ihr Blutdruck normalisierte sich wieder.

Mit Eis lockt man kleine Waldfrauen

Abgesehen davon war mein Platz vermutlich sowieso der deutlich bessere und auch Eis konnte man dort auch kaufen …
So saßen wir dann dort noch ein Weilchen und irgendwann hatten wir auch keine sonderliche Lust, weiter zu fahren. Also steuerten wir den Campingplatz Les Ecureuils in Jard sur Mer an. Fehlanzeige, nur Camper! Nun gut, im Ort gab es drei Campingplätze und beim La Ventouse hatten wir mehr Glück. Wir wurden sogar per Caddy zu unserem Platz geleitet und bis auf unserem – wie wir später feststellten- leicht asozial angehauchten Nachbarn war soweit alles ok, auch wenn ich dort sicher keinen Urlaub machen würde.

Freitag, 15. Juni – St. Michel en l’Herm

Wir hatten beschlossen noch einen Tag zu bleiben, uns etwas zu sortieren und an Akkus aufzuladen, was aufzuladen geht. Wir hatten bis auf die Loire alle größeren Ziele, die wir erreichen wollten, erreicht und konnten nun regelrecht bummeln. Bis St. Nazaire waren es in unserem Tempo nur noch etwa fünf Fahrtage.
Insgeheim hofften wir ja noch auf den schnuckeligen kleinen Campingplatz direkt am Meer mit allem Pipapo, auf dem wir noch ein paar Urlaubstage verbringen könnten.
Und so langsam begannen unsere Gedanken schon ein wenig um die Organisation der Rückreise zu kreisen. Nach Orléans würden wir wohl nicht kommen – und entsprechender Ehrgeiz zerfraß uns auch nicht gerade – wohl aber nach Nantes oder eventuell Tours. Dort könnten wir uns wohl in einer Autovermietung einen kleinen Transporter mieten, nach Straßburg fahren, ihn dort abgeben und beide mit der Bahn dann nach Hause fahren. So die ersten, groben Planskizzen. Doch schaun mer mal … war ja noch reichlich Zeit .

Donnerstag, 14. Juni – La Rochelle – St. Michel en l’Herm (Campingplatz La Dive), 38 km

Öde, öde, öde …

Zu berichten gibt es vom heutigen Tag nicht viel. Zunächst sahen wir zu, den EV 1 wieder zu erreichen. Der führte zunächst ein ganzes Stück an einem Kanal entlang und dann auf endlos scheinenden geraden Wegen durch eintöniges Marschland. Der Weg war oftmals auch nicht der beste und mit schmaler bereiften Rädern wäre er sicherlich kein Zuckerschlecken gewesen. Am Atlantik hatten wir sowieso immer mal wieder den Eindruck, dass der EV 1 außerhalb der touristischen Bereiche manchmal deutlich in der Wegqualität nachließ. Dazu grauer Himmel meist kräftiger Gegenwind. Es war einfach öde und Kraft raubend.
In St. Michel reichte es dann und wir steuerten den ersten Campingplatz an. Irgendwie ein Glücksgriff, schöne Zeltwiesen, überdachte Essplätze, gute Lademöglichkeiten für Akkus, ordentliche Sanitäreinrichtungen und Ruhe, es war so wunderbar ruhig hier!
Witzig ist, das der Ort St. Michel bis vor ein paar Jahrhunderten eine Insel war, die z.B. auch von den Wikingern überfallen wurde. Dann begann man, dem Meer das fruchtbare Marschland ringsum abzuringen. Heute ahnt man nicht einmal mehr, dass man sich im Ort auf einer ehemaligen Insel befindet.

Mittwoch, 13. Juni – La Rochelle

Einfahrt zum alten Hafen

Wir hatten beschlossen, uns La Rochelle anzusehen und zottelten auf unseren nun erstaunlich leichten Rädern am späten Vormittag in die Innenstadt. Wir ließen uns wieder von Naviki führen und ich muss ehrlich sagen, die von mir vor langer Zeit  so geschmähte GPS-App machte ihren Job wirklich ausgezeichnet ( so wie bereits am Tag zuvor und auch später bei der Rückfahrt). Vielleicht war mein früheres

Am alten Hafen

Urteil doch etwas vorschnell und dem damaligen Frust geschuldet.
La Rochelle ist eine sehenswerte und interessante Stadt mit einer bewegten Geschichte. So war sie z.B. eine Hochburg der Hugenotten mit einer recht fortschrittlichen Stadtverfassung. Bis die dann während der Gegenreformation

Markttag an den Markthallen

größtenteils massakriert und der Rest vertrieben wurden.
Wir zogen kreuz und quer durch die Altstadt und am alten Hafen entlang und genossen die Atmosphäre dieses quirligen Ortes und den wohltuenden Schatten der Arkaden, die z.T. bereits in der Gotik entstanden. Es war gerade Markt und die Markthallen geöffnet. Natürlich konnten wir nicht widerstehen und tauchten in das

Das Angebot verlockt zum Kaufen …

Getümmel ein. Irgendwann stand uns der Sinn nach Sitzen, nach Schatten und etwas Ruhe. Ein Stück an der Einfahrt zum alten Hafen vorbei Richtung offenes Meer fanden wir ihn dann, unseren Traumplatz, auf der Promenade unter breitkronigen Maulbeerbäumen. Es war ein herrlicher Sommertag, einer von diesen, bei denen das Sonnenlicht so eine silbrige Transparenz über Land und Meer wirft, in

Seufzzz…

der manche Dinge zu schweben scheinen. So auch die vielen Segler aller Größen, die auf dem glitzernden Wasser geschäftig hin und her wieselten. Wir waren faul, redeten mit weit in die Ferne gerichtetem Blick über die Dinge, die uns so in den Sinn kamen und wollten irgendwie beide nicht mehr fort von diesem kühlen Platz in der sanften Brise. Wir waren glücklich.

Schattenplatz auf der Promenade
Auf der einen Seite Badende, auf der anderen die Segler

Dienstag, 12. Juni – Rochefort – La Rochelle, 50 km

Ich hatte recht schlecht geschlafen – zu voller Bauch? – und dann fing es gegen 05.00 Uhr auch noch an zu regnen. Hmmmm, vielleicht ja doch noch ein Ruhetag? Irgendwie schwebte plötzlich der feine faulige Dunst der Korruption durch mein Zelt. Mal sehen, was die wackere Schwabenfrau nebenan so meinte. Irgendwann war auch sie auf Sendung und verkündete nach etwas Geziere weiter fahren zu wollen. Puff, das zarte Ruhetagswölkchen zerplatzte. Also nass einpacken, Frühstück im kleinen Aufenthaltsraum und dann gings los. La Rochelle war das Tagesziel.
Nachdem wir uns aus Rochefort heraus gewuselt hatten, ging es über kaum befahrene Landstraßen durchs Land. Über etliche Kilometer verliefen sie parallel zur Autobahn. Wieder einmal bemerkte ich, dass ich in den letzten Wochen recht lärmempfindlich geworden war.

Teilweise tolle Wegführung direkt an der Atlantikküste

Bei Port Punay kamen wir dann endlich wieder an den Atlantik. Ab hier verlief der Weg mit nur kurzen Unterbrechungen bis La Rochelle direkt an der Küste und war herrlich zu fahren, wenn auch nicht immer von bester Qualität. An einer Stelle machten wir eine lange Pause und genossen die würzige Seeluft und den weiten Blick aufs Meer.
In La Rochelle wollten wir auf den Campingplatz bei dem riesigen Marina

… oder auf den Promenaden der Seebäder

Port des Minimes übernachten. Von dem kann man die Altstadt bequem zu Fuß erreichen. Doch daraus wurde nichts, denn der sollte erst zum 21. Juni öffnen. Zut! Zum Glück gab es ja Alternativen: Einen Platz im Westen bei Port Neuf und einen im Osten beim riesigen Gewerbegebiet Le Beaulieu. Claudia schlug den im Westen vor, da wohl etwas näher an der Altstadt gelegen. Auf dem Weg dorthin bekamen wir schon mal einen ersten Eindruck von dieser wirklich interessanten Stadt. Beim Campingplatz gabs dann zum zweiten Mal lange Gesichter: Nur für Wohnmobile! Also wuselten wir uns wieder mit inzwischen müder werdenden Beinen quer durch die Stadt. Doch aller guten Dinge sind drei und auf dem Platz in Le Beaulieu kamen wir endlich, nach ca. 13 zusätzlichen Kilometern unter. Und das gar nicht schlecht mit Grasplatz fürs Zelt und extra Tisch und Stühlen für uns. Dank noch einmal an die freundlichen Menschen an der Rezeption!
Eingekauft habe ich dann noch schnell in einem schlicht gigantischen U-(Utile?) Supermarkt gleich nebenan. Ich dachte, nach Arcachon oder Rochefort wäre eine Steigerung dieses gigantistischen Irrsins nicht mehr möglich. Ich irrte!

Montag, 11. Juni – Rochefort

Einfach klasse, Ladestation für Akkus. Manche Municipals waren besser aufgestellt als gewerbliche

Was habe ich gut geschlafen! Gut, wie schon einige Zeit nicht mehr. Manchmal scheint es auch wirklich am Platz zu liegen oder den Verhältnissen dort. Der freundliche Empfang und die gepflegten Verhältnisse auf dem Municipal wirkten wohl positiv auf unser Wohlbefinden. Und über Nacht war es erstaunlich still dort, obwohl der Platz mitten in der Stadt liegt und fast gänzlich mit Wohnmobilen belegt war.

Ruhetag ist Fresstag- Entschuldigung, aber es ist so

Den Morgen verbrachten Claudi und ich damit, bei einem endlosen Frühstück über Gott und die Welt zu plaudern und anschließend eine Maschine mit den stinkenden Klamotten – also eigentlich allen – zu füllen. Auch sie war wohl gestimmt und als ich wie üblich wieder vor ihr aus dem Zelt kroch, hörte ich heute keine entrüsteten halblauten Kommentare

Hier ein kleiner Imbiss von Claudia

wie z.B. “… seniler Bettflüchter …“. Es versprach also wirklich ein guter Tag zu werden. Und das obwohl es bis Mittag noch mehr oder weniger regnete.
Vorrang hatte natürlich erst einmal der Kauf eines neuen Akkupacks nebst Ladegerät, denn ausreichend Energie ist bei elektronischer Navigation halt das A & O. Am Nachmittag machten wir uns also auf zum Centre Commerciale, nur ein paar hundert Meter südlich des Campingplatzes. Wieder so ein riesiger Konsumtempel, in dem wir natürlich alles bekamen.
Am Abend dann das große Ruhetagsfressen. An solchen Tagen überkommts uns zuweilen sehr heftig. So musste bei mir ein richtig großer Camenbert – ohne Brot natürlich – dran glauben, ein dreiviertel Schinken-Käsebrot mit selbst gemachter Avocado-Creme usw…

Sonntag, den 10. Juni – La Palmyre – Rochefort (Municipal)

In der Nacht gabs ein mächtiges Gewitter mit ordentlich Regen. Danach konnte ich nicht mehr einschlafen und irgendwann hörte ich von nebenan: “Bist Du wach?“ “Grmmmbfff.“ “Mein Akku und das Ladegerät sind geklaut worden!“ Na gut, dafür können die Leute vom Platz nichts, aber wir beide hatten ein komisches Gefühl bezüglich Aufladen im Waschhaus und ich habs nicht gemacht. Jetzt hatte Claudia also auch das recht zweifelhafte Vergnügen. Wiederum wünschen wir der diebischen Ratte keine Freude mit der Beute. Möge sie vielleicht in seinem Auto oder so in Flammen aufgehen! Wir waren uns einig, nur noch weg hier.
Wieder ging es über 15 km auf gutem Weg durch Wald – den ich jetzt doch langsam etwas satt hatte – und dann über die große Brücke über den Seudre. Hier veränderte sich die Landschaft stark und noch stärker, als es dann später über die Dämme des endlosen Schwemmlandes Richtung Rochefort ging. Das südländische verschwand für einen Augenblick, doch kehrte es in Rochefort noch einmal zurück.

Da war sie weg, die Brücke …

Kurz vor Rochefort zuckte uns noch der Schreck in die inzwischen schon recht müden Glieder. Die historische Hängebrücke war wegen Restaurationsarbeiten gesperrt! Doch alles wurde mal wieder gut, denn die Franzosen hatten extra für Radfahrer und Fußgänger eine kleine Behelfsfähre eingerichtet. Ob man das bei uns auch gemacht hätte?
Der angepeilte Campingplatz “Le Bateau“

Zum Glück gabs eine Fähre

erwies sich als Reinfall. Miese Stellplätze, in die Häringe nur mittels Pressluft zu treiben waren und ein sturer Service per Sprechanlage, der uns partout diese Äcker zuweisen wollte, obwohl es andere geeignetere gab.
Wie beschlossen zum Municipal weiter zu fahren. Gute Entscheidung! Der war zwar sehr voll aber sonst prima.

Samstag, 09. Juni – Soulac-sur-Mer – La Palmyre (Camping La Cote Sauvage)

Eigendlich wollten wir es uns heute richtig gut gehen lassen, netter Platz mit Strand und so und alles deutete darauf hin, dass das auch klappt. Aber der Campingplatz in La Palmyre war ein ziemlicher Reinfall der Sorte vorne hui, hinten pfui. Vorne am Eingang alles chic, dahinter die Plätze z.T. recht ungepflegt. Wir belegten einen Platz in einem uns zugewiesenen Bereich und Claudia hatte gerade ihr Zelt aufgebaut, als eine recht resolute Zeltplatzlady auftauchte und uns forsch klar machte, das wir dort zu verschwinden hätten und zwar pronto, denn der Platz sei schließlich reserviert. Dass man uns freigestellt hatte dort zu Zelten, dass interessierte sie nicht die Bohne. Überhaupt gebärdete sie sich so, als wäre das Ganze unser Verschulden.
Wir zogen um und ich meldete unseren neuen Platz bei der Rezeption an. Da fragte mich selbige Lady doch glatt, ob wir denn jetzt einen richtig schönen Platz gefunden hätten. Da fühlte ich mich schon ein wenig verarscht! Ich machte ihr recht deutlich klar, dass ich den Service für ausgesprochen Scheiße hielt (wörtlich!) und zumindest ein Wort des Bedauerns oder der Entschuldigung für die uns entstandenen Umstände aufgrund eines Fehlers an der Rezeption erwarten würde und nicht eine recht unverschämte Schuldzuweisung. Irgendwie hab ich es wohl sehr verständlich hingekriegt, denn auf einmal floss sie über vor Bedauern und Entschuldigungen. Zu spät! Müde Radwanderer hassen wenig mehr, als am Ende des Tages aufgebaute Zelte ab- und wieder neu aufbauen zu müssen und dann auch noch verscheissert zu werden!
Nun gut, später gabs bei mir ein recht leckeres Bolognese mit viiiiel Knoblauch und die Welt war wieder einigermaßen in Ordnung. Doch statt der ein, zwei

Auf der Fähre über die Gironde

Ruhetage beschlossen wir am nächsten Tag weiter zu fahren. Weg hier, weg von lautstarker Animation bis in die Puppen, weg von offenkundig überfordertem Personal und weg von einem grottigen Strandzugang.

Dabei war der Tag so gut gelaufen. Bis zur Fähre gings auf erstklassigen Wegen weiter durch den Wald. Vorbei an den alten Bunkerstellungen des Atlantikwalls und entlang der verfallenen Versorgungsbahn, die diese Stellungen wohl verband. Bei bestem Wetter

Küste bei Royan

setzten wir dann über die Gironde-Mündung nach Royan über und waren ganz im Urlaubsmodus.
Nach Karte schien der weitere Weg durch Royan etwas tricky, aber er stellte sich dann als genauso erstklassig und gut zu fahren, wie der bisherige heraus. Es ging fast immer an der traumhaften Küste mit vielen herrlichen Aussichten entlang und später dann wieder durch den Wald des Hinterlandes. In La Palmyre kauften wir noch ein und legten dann die letzten Kilometer zu dem unseren Zorn erregenden Platz zurück.

Freitag, 08. Juni – Hourtin – Soulac-sur-Mer (Camping Les Sables ‚Argent)

Beim Frühstück trafen wir uns noch einmal: Erich, der sympatische Vieltourenfahrer aus Karlsruhe und das saarländische Ehepaar, das soviel über seine Urlaube in dieser Gegend zu erzählen hatte. Doch bald waren wir alle wieder unterwegs. Wir folgten dem EV 1 nach Norden. Erst entlang der Straße

Straßen nur für Fahrräder, in Frankreich keine Utopie

auf eigenem Radweg, später nur noch auf eigens angelegter Radstraße, denn anders kann man es kaum nennen. Die Franzosen haben in großem Maßstab ein eigenes Radstraßennetz angelegt und bauen es immer weiter aus. Oftmals ist es einfach perfekt angelegt, zweispurig und mit eigener Beschilderung, Verkehrszeichen usw.. Kraftfahrzeuge mit Ausnahme von Pedelecs sind meist verboten. Zuweilen teilen sich lediglich Radfahrer und Fußgänger diese Straßen. Und dies nicht nur in den Touristengebieten, sondern auch in vielen Städten. In Frankreich hat man offenkundig die

Bei Soulac hatte die Biscaya ein gutes Stück von Frankreich abgebissen

Bedeutung des Fahrrads für den Verkehr der Zukunft erkannt und handelt entsprechend. Die sprunghaft zunehmende Bedeutung der E-Bikes tut Übriges. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren das Deutschland dies alles mal wieder tief verschläft, so wie die Digitalilisierung – ob die dafür zuständige Ministerin wohl inzwischen weiß, dass Bits & Bytes keine Knabbergebäckmischung sind? – oder die E-Mobilität.
Gegen Mittag beschließen wir, den Campingplatz im Süden Soulacs anzufahren. Ein guter Entschluss, denn inzwischen ist es brechend heiß.

Donnerstag, 07. Juni – Camping Bremontier – Hourtin

Endlich hatte sich das Wetter wieder gebessert und wir konnten weiter. Gegen 09.30 Uhr rollten wir wieder auf diesem wunderschön angelegten Radweg. Vorgestern noch durch Regenwald und heute durch das endlose grüne Meer der knorrigen Pinien der Landes. Und als die Sonne dann herauskam verbreitete sich auch der wundervolle Duft dieser Bäume des Südens. So ging es in sanftem Auf und Ab über den kurvigen Weg und unsere Reifen sangen auf dem glatten Asphalt. Ich hatte fast immer irgendwie das Gefühl, bergab und damit entsprechend leicht zu fahren. Darauf angesprochen konnte Claudia dieses Gefühl für sich nicht bestätigen. Eigenartig.

Der “Partydampfer“ in voller Fahrt!

Irgendwann hörte ich die typischen Bässe hipper Musik hinter mir und dachte, ich werde von einem Partydampfer verfolgt. Als selbiger an mir vorbei rauschte entpuppte er sich als Tandem + Anhänger auf dem zwei sportive jungen Frauen mit gutem Tempo an mir vorbei düsten. Die beiden waren richtig gut drauf.
Nach Carcans erreichten wir gegen Mittag Lacanau, wo wir uns wieder mit Lebensmitteln und Geld eindeckten. Runde sieben Kilometer vorher mutierte übrigens der bis dato tadellose Weg zu einer der ursprünglichen Forststraßen, d.h. einem ca. 60 cm breiten Weg aus Betonplatten. Zum Glück war er noch recht gut fahrbar. Allerdings waren auch hier schon Vorbereitungsmaßnahmen für den weiteren Ausbau getätigt worden.

Kreisverkehr für Fahrradwege!

In Lacanau wurde uns dann erst richtig bewusst, wie fahrradverrückt die Franzosen wohl sind. Wir stießen dort auf einen richtigen Kreisverkehr für fünf Radwege – ausschließlich für Fahrräder!
Uns war es noch zu früh und es lief einfach so gut. So beschlossen wir, bis zum Camping in Hourton weiter zu fahren. Der EV 1 führte dorthin über ca.14 km bestens asphaltierter Forststraße ohne sonderliche Problemstellen. Mir begegnete gerade mal ein! Fahrzeug der Forstleute.
Auf dem Campingplatz trafen wir wieder auf Erich aus Karlsruhe. Er war solo in Frankreich unterwegs und wir hatten uns tagsüber auf der Strecke schon getroffen. Auch unsere Ösis meldeten sich über WhatsApp und berichteten über tolle Schlossbesichtigungen an der Loire. Die Welt war schön!

Mittwoch, 06. Juni – Camping Bremontier

Strand, so weit der Blick reicht …

Der Tag begrüßte uns mit Regen und als es mittags noch nicht aufgehört hatte, beschlossen wir zu bleiben. Der Platzbetreiber war super nett, die Versorgung gesichert, es gab preiswertes Internet und der Strand war hier einfach sensationell – feinster Sand vor dem Dünenwall von Horizont zu Horizont. Dahinter die unendlich scheinenden, dunkelgrünen Pinienwälder der Landes. Vor der Erdölzeit soll hier ein Zentrum zur Herstellung von Terpentin gewesen sein, welches man wohl aus ihrem Harz gewann.

Dienstag, 05. Juni – Arcachon – Camping Bremontier (ca. 15 km nördl. Cap Ferret), 36 km

Zur Überfahrt Regen

Die dritte Nacht hatte der Himmel im wahrsten Sinne des Wortes ein Einsehen mit uns. Gerade, als die Rüpelbande wieder loslegen wollte öffnete er seine gnädigen Schleusen und es war Ruhe. Regen bringt tatsächlich Segen!

Ansonsten hatten wir tolle Nachbarn. Zwei Familien aus Rostock mit vier kleinen Kindern und zwei Paare aus München. Die

Das Eisenschwein und die Colabüchse waren gut gesichert

Rostocker boten uns z. B. ihre Stühle zum Sitzen an – eine nette Geste für jemanden, der nicht mehr auf dem Boden sitzen kann. Und der Bayern-Häuptling staunte nicht schlecht, als ich prompt das Musikstück, dass er mir breit grinsend des morgens vorspielte, als Bayerischen Defiliermarsch identifizierte. Da war er platt! Wenn schon Strauß, dann bitte Franz-Josef. Der Abschied fiel uns schwer und wurde ein wenig dadurch getrübt, dass mein

Auf Cap Ferret nach Norden. Der Weg war prima, der Regen nicht

Ladegerät + Akku in der Nacht geklaut wurden. Ich wünsche dem Dieb oder der Diebin keine Freude damit. Zum Glück gibts in Arcachon einen riesigen Intermarche und ich konnte Ersatz besorgen. Aber es war einfach ärgerlich.

Von Arcachon setzten wir mit einer kleinen Fähre nach Cap Ferret über und fuhren dann auf einem richtig schönen Radweg Richtung Nord.

Eine kleine Verkostung ausgezeichneter Spezialitäten bis nach Mitternacht

Der Zeltplatz Bremontier war fast leer und bei der Anmeldung kamen wir mit einem Paar aus Linz ins Gespräch, Andrea und Andreas. Sie luden uns zum Abend auf ein Glas zu sich ein und es wurde einer der nettesten Abende unserer Tour bisher. Wir redeten über die Dinge der Welt, verbesserten diese ein wenig und verkosteten eine Reihe vorzüglicher Sprituosen, die sie in ihrem Camper dabei hatten: Einen edlen 15 Jahre alten Rum, einen selbst gebrannten Himbergeist, der phantastisch nach Himbeeren duftete und nicht auf der Zunge brannte und Andreas selbst aufgesetzten “Zirben“, irgendwie eine Art Likör aus Zirbenzapfen, der sehr fremdartig und sehr lecker schmeckte. Es war schon nach Mitternacht, als wir in unsere Zelte krochen und beim Rauschen der Brandung einschliefen.

Montag, 04. Juni – Arcachon

Gleitschirmflieger greifen an …

Auch in der zweiten Nacht verhielt sich eine Gruppe junger Gleitschirmflieger, die etwas unterhalb campierten, vollkommen rücksichtslos und störte alle umliegenden mit lautem Gegröhle. Einer fiel dabei besonders durch sein ziegenhaftes, widerlich meckerndes Lachen auf. Wir nahmen uns vor ihnen ihren Schlaf bei unserer Abfahrt gründlich zu rauben und wünschten ihnen

Es war einfach schön dort

allesamt von ganzem Herzen einige härtere Landungen für den Tag. Meine Güte, wie weit es mit einem kommt, wenn man durch rabiate Rücksichtslosigkeit aufs äußerste gereizt wird. Eigentlich sind wir doch ganz friedfertige und freundliche … hmmmm … eigentlich …

Sonntag, 03. Juni – Arcachon

Küstenfeeling …

Es ist ein schöner Platz hier und die Lage ist wirklich phantastisch. Nach ausgiebigem Frühstück gings aber zunächst an die übliche Wäscheprozedur. Während diese schön in einem Packbeutel, meiner “Reisewaschmaschine“, in heißem Wasser einweichte, verlor ich mich auf einer schattigen Bank beim Schreiben des Blogs und vergaß vollkommen die Zeit. Ins

Start auf der Düne

Jetzt wurde ich dann durch eine knarzige Whatsapp-Nachricht zurück geholt. Madame war äußerst unwirsch. Da ich gefragt hatte ob ich sie auf die Düne begleiten könne, hatte sie lange auf mich gewartet und machte sich nun allein auf zu Strand und Düne. Ich hätte ihr wirklich eine Info zukommen lassen können. Mea culpa, mea maxima culpa!

Die Düne von Pilat

Aber ehrlich gesagt stand mir der Sinn sowieso nicht nach Düne. Als Flachländler halte ich Steigungen für ein vollkommen überflüssiges Phänomen der Natur und seit meiner Herz-OP sowieso. Also suchte ich temporär Verstoßener mir einen Platz auf einer Bank vorn an der Steilküste. Die ragt hier so 30 bis 40 Meter über das Meer und ich hatte von dort einen wundervollen Blick auf die riesigen

Der übliche und obligatorische Sonnenuntergang ….

Sandbänke mit dem endlosen Atlantik dahinter und die Einfahrt zum Bassin d’Arcachon. Ich schrieb wieder, war glücklich und zufrieden und sicher, dass die Riesendüne auch ohne meine Besteigung weiter wachsen würde.
Abends blickten wir dann noch lange gemeinsam in die Weiten der Biscaya und blieben bis die Sonne untergegangen war. Einige Gleitschirmflieger nutzten noch die stetigen Hangwinde der Steilküste und zischten z.T. um uns herum oder direkt über unseren Köpfen vorbei. Manche schwebten allerdings fast bewegungslos wie Möven über der Kante und wurden langsam höher und höher getragen.

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