#15 Caddy III Ausbau – Kosten & Erkenntnisse

Meine Caddy-Cave, das Schneckchen, hat die erste große Reise erfolgreich absolviert. Zeit also, mal etwas darüber zu sagen, was mich der Ausbau-Spaß kostete und welche grundlegenden Erkenntnisse ich bei dem Projekt so sammeln konnte. Darüber, wie sich Ausbau und Ausstattung so bewährten, habe ich ja schon ausführlich berichtet.

Grundsätzliches und ein Überblick über die Kosten des Ausbaus meines Hochdachkombis (HDK)

Eine der Fragen, die mich immer wieder erreichen, ist die nach den Kosten. Und wie so oft kommt es darauf an. Welche Bedürfnisse hat man eigentlich und was war schon vorhanden?
Für sich gesehen ist auch der Ausbau eines VW-Caddy oder eines vergleichbaren HDK zum Mini-Camper, wenn er denn nur einigermaßen komfortabel sein soll – und was jeder darunter versteht ist auch schon sehr individuell – keine Angelegenheit zu Discountpreisen. In Relation zum Ausbau größerer Kastenwagen ist so ein Mini-Camper jedoch immer noch ein absolutes Schnäppchen – auch die Haltung.

Anschaffung eines gebrauchten Caddy

Besonderen Sinn macht der Ausbau eines HDK, wenn so ein Fahrzeug bereits vorhanden ist. Durch den Ausbau wird es einfach nur „umgewidmet“. Oder aber, man legt sich ein gutes gebrauchtes Fahrzeug für nicht allzu viel Geld zu. Extra ein neues Fahrzeug für richtig Kohle kaufen und dann auf die beschriebene Weise auszubauen, käme zumindest für mich nicht infrage. Aber auch das machen manche mit Erfolg und sind zufrieden damit.
Gute gebrauchte Caddys sind nicht selten und eine entsprechende Suche bei Autoscout24.de oder Mobile.de zu speichern ist keine schlechte Idee. Wer nicht viel ausgeben kann oder möchte, findet schon zwischen 2.500 und 4.000 € einen der gequälten Caddys z.B. aus der Postflotte. Mir war das jedoch zu unwägbar. Die armen Dinger wurden im alltags-stop-and-go-Betrieb zu reichlich geschunden.
Grundsätzlich kommen für den Gebrauchtkauf zwei Varianten infrage: Die mit Pkw-Zulassung und die mit Lkw-Zulassung (N). Letztere oft mit geschlossenem Kasten. Sofern das Fahrzeug künftig ausschließlich mit zwei Sitzen gefahren werden soll, scheint mir die Lkw-Variante die sinnvollere. Man hat keine Scherereien mit den ausgebauten Sitzen, im Fahrzeug ist mit Glück schon eine Bodenplatte eingebaut und irgendwelche Innenverkleidungen rauben auch nicht unnötig Raum.
Schiebetüren links und rechts? Grundsätzlich ist beidseitig wegen der leichteren Zugänglichkeit zum Innenraum besser! Bei mir hätte das aber z.B. wegen des unterzubringenden und für mich unverzichtbaren Notrads wenig Sinn gemacht. Höchstens für eine bessere Lüftungsmöglichkeit.
Heckklappe oder Türen? Beides hat Vor- und Nachteile. Ich ziehe die Klappe vor, denn bei schlechtem Wetter habe ich gleich ein Dach über dem Kopf. Auch lässt sie sich zur Belüftung ausstellen und sogar ein Shelter oder Heckzelt daran anbringen. Ob das mit Türen auch geht ist mir nicht bekannt
Fenster oder geschlossener Kasten? Da sollte man sich vorher prüfen. Ich z.B. liebe den freien Blick ringsum. In einem geschlossenen Kasten käme ich mir eingesargt vor. Meine Gardinen dienen auch nur dem Sichtschutz, nicht der Abdunkelung. Auch das ist also eine Sache der ganz persönlichen Präferenz.
Eine andere Frage ist die der Öffnungsmöglichkeit der Fenster. Meine Meinung: Je mehr zu öffnen sind, des so besser für eine variable Be- und Entlüftung.

Wohnmobilzulassung?

Sowohl HDK’s mit Pkw- als auch Lkw-Zulassung lassen sich zum „Wohnmobil“ umschreiben, wenn das Fahrzeug vier bestimmte Merkmale beinhaltet. Nur so kann es als Wohnmobil anerkannt werden. Das Fahrzeug benötigt:

  • Sitzgelegenheit(en) mit Tisch (auch klappbar möglich)
  • Schlafplatz/-plätze
  • eine fest installierte Küche
  • ausreichend Stauraum

Die Einrichtung muss fest eingebaut sein und der Wohnraum muss den größeren Teil des Fahrzeugs ausmachen. Volle Stehhöhe ist jedoch nicht erforderlich. Zu den Schlafplätzen werden auch Elemente gewertet, die sich zum Bett umbauen lassen.

All dies ist bei meinem Ausbau gegeben. Aber welche Vorteile brächte mir die Umschreibung? Eigentlich nur einen aus meiner Sicht gewichtigen: Ich könnte meinen Mini-Camper wie ein Wohnmobil versichern.

Anschaffungskosten für meinen Caddy

Mein Anforderungsprofil für meine Caddysuche war:

  • max. 8 Jahre alt,
  • Laufleistung nicht über 125.000 km,
  • mindestens Euro 5 Diesel
  • Heckklappe
  • Preis um die 8.000 €.

Der Caddy, den ich schließlich fand: gut 6 1/2 Jahre alt, mit nur 76.000 km Laufleistung, Euro 5 Diesel und Heckklappe für 8.200 € plus 100 € neuer TÜV.
Seine Besonderheiten: Er war ein Service-Fahrzeug der Telekom in wirklich makellosem, top gepflegtem Zustand mit Zulassung als zweisitziger LKW. Das brachte einige Vorteile mit sich. So musste ich mich nicht um den Verkauf der für mich überflüssiger Sitzen kümmern. Das Beste war jedoch die bereits eingebaute Bodenplatte und die hatte sogar sog. Airlineschienen, an denen ich meine Einbauten fixieren konnte. Besser ging nicht! Lediglich die Zwischenwand aus Kunststoff (nicht im Schein eingetragen!) musste ich heraus nehmen. Hier werde ich noch ein Schutznetz spannen. Dank der von mir bei der Anbringung der senkrechten Blenden an den Seiten und der unter dem Himmel kein Problem.
Im Kastenbereich war nichts verkleidet, viel nacktes, lackiertes Blech. Das störte mich jedoch nicht. Im Gegenteil! So konnte ich den maximalen Raum für den Ausbau optimal nutzen.
Zu den Kosten für das Fahrzeug kamen die für eine Dachreling (mit ABE!) plus Grundträger mit gesamt rund 160 €. Eine Thule Pacific Dachbox besaß ich bereits.
Das Fahrzeug verfügte im Kaufzustand über kein Reserverad, keinen Wagenheber mit Radmutterschlüssel und, ganz wichtig! – keine Abschleppöse. Es hatte nur einen kleinen 12 V-Kompressor und eine Flasche Dichtungsmilch an Bord. Das war mir für die Gegenden Europas, in die ich auch fahren will, zu gewagt und so kaufte ich ein neues Notrad (180 €) und die anderen Dinge für rund 40 € über Ebay Kleinanzeigen.
Die vorderen Fenster erhielten Windabweiser (auch mit ABE) für 50 €.
Das der Caddy letztlich mit ca. 8.730 € doch über meinem Budget lag, verschmerzte ich gern.

Kosten Standheizung

Auch hier kommt es darauf an, was man will. Die deutschen Platzhirsche Webasto und Eberspächer haben ihren Preis. Aber, sind sie wirklich so exorbitant besser, wie sie teurer als meine russische Autoterm Air D2 (ex Planar) sind? Die kostete mich bei vergleichbarer Ausstattung und Leistung mit rund 550 € nur etwas mehr als ein Drittel einer Webasto oder Eberspächer, hat sich bereits in vielen Campern bestens bewährt und bekommt fast nur gute Bewertungen.
Für die Montage kamen noch Edelstahlmontagekasten oder Warmluftschalldämpfer sowie Kleinmaterial hinzu.
Insgesamt kostete mich meine Autoterm-Standheizung komplett rund 1.600 €. Das halte ich für ausgesprochen günstig.

Möbel & Einrichtung

Der Innenausbau habe ich mit den beschriebenen Materialien inklusive Matratzen, Bodenbelag, Vorhang, Gardinen etc. rund 300 €.
Für den Kartuschenkocher (mit Gasstop!) gab ich mit ein paar Kartuschen rund 70 € aus, für alles rund um die Wasserversorgung rund 100 € und für die Kühlbox 380 €. Für diverse Kleinigkeiten noch einmal rund 100 €.
Insgesamt für die Einrichtung also rund 950 €.

Elektrik

Die Stromversorgung war neben der Standheizung der dickste finanzielle Brocken, ist aber m.E. unverzichtbar. Dabei habe ich zunächst einmal sogar auf das Laden über Lichtmaschine verzichtet. So richtig zu Buche schlug inbesondere die Wahl eines sauteuren 100 Ah LiFePo4-Akkus, statt eines übliche AGM oder GEL. Geladen wird der über Netz oder Solar. Zusammen mit diversen Anschlüssen, Kabeln, Sensoren, einer 25 m Kabeltrommel, einem Satz Landstromadapter und diversen Kleinigkeiten kostete mich das alles rund 1.000 €.
Letztlich schien mir die LiFePo4 für meine angestrebte Nutzung „Switch on at starting and forget for the trip“ die bessere und über schon eine mittlere Nutzungsdauer die wirtschaftlichere Variante. Mal abgesehen davon, dass ich bei gleicher nutzbarer Kapazität einen deutlich größeren und schwereren Gel- oder AGM-Trumm im Auto hätte mitschleppen müssen.
Dazu kam noch die 100 W Solaranlage mit ca. 200 €
Ob ich noch eine Lademöglichkeit über die Lichtmaschine per Ladebooster einbaue ist nicht entschieden. Sollte ich mit Landstrom- und Solarlademöglichkeit problemlos auskommen, sehe ich keine Notwendigkeit dafür.
Also hier so 1.200 €.

Außenbereich

Hier schlugen eigentlich nur die Ausgaben für das Tarp und den Wetterschutz für die Heckklappe mit rund 100 € zu Buche.

Kleinkram

Erstaunlich fand ich auch, wieviel Geld in viele Kleinigkeiten wie z.B. Schrauben oder spezielle Werkzeuge/Materialien für die Elektrik fließt. Das sollte man keinesfalls unterschätzen.

Zusammfassung

Für meinen Caddy habe ich also insgesamt rund 8.730 € ausgegeben, für Ausbau und Ausstattung rund 3.850 €. Da ich vermutlich diverse Kleinigkeiten gar nicht berücksichtigt habe, denken ich, dass ca. 4.000 € realistischer sind.
Für sich gesehen nicht wenig Geld! Für ein Mini-Camper mit der beschriebenen Ausstattung m.E. jedoch unschlagbar! Ich habe ein vergleichsweise junges, wendiges und sparsames Fahrzeug, mit dem ich auf einem Campingplatz oder irgendwo im Nirgendwo vollkommen autark und relativ unauffällig ein paar Tage stehen kann. Genau so wollte ich es! Der Preis ist für mich also mehr als nur angemessen.
Auch die Betriebs- und Unterhaltungskosten für den Caddy halten sich in einem erfreulich angemessenen Rahmen. Reparaturen, außer solchen von Verschleiß herrührend, hatte ich bei meinen bisherigen VW-Fahrzeugen wenige. Und dann waren die Kosten nicht exorbitant. Zusammen mit entsprechenden Berichten im Web deutet dies auf eine günstige Prognose hin. Auch ein nicht zu vernachlässigender Faktor.

Betriebskosten

Versicherung & Steuer

In meiner SFK 25 zahle ich pro Jahr für den Euro 5 Diesel mit knapp 1.600 cm³ und 75 Kw rund 320 € Versicherung und rund 160 € Steuern. Insgesamt also rund 480 € pro Jahr. Zu meinem Erstaunen ist das Leistungs- und Hubraumbereinigt nicht sonderlich mehr, als für meinen alten Polo mit 1.200 cm³ und 50 PS.

Verbrauch

Der Diesel läuft sparsam und ist zusammen mit dem günstigen Literpreis erstaunlicher Weise deutlich günstiger als mein ehemaliger Super verbrennender Polo, der bei vergleichbarer Fahrweise mit Dachbox stolze 7,5 – 8,0 Liter pro 100 km benötigte.
Auf der Autobahn nimmt der Caddy bei um die 120 km/h im Schnitt um 6,0 Liter pro 100 Kilometer und damit deutlich weniger, als der Polo mit Dachholmen und Dachbox.
Abseits der Autobahnen sind es eigenartigerweise eher zwischen 5.0 und 6,0 Liter. Eine Tankfüllung kann realistisch also durchaus für 1.000 Kilometer reichen wie ich auf dem Weg nach Kroatien feststellen konnte.

Arbeitsaufwand

Da gibt es nichts schön zu reden. Der Ausbau des Caddys war schon mit einiger Arbeit verbunden. Erschwerend kam bei mir noch hinzu, dass dies auf dem Stellplatz vor dem Haus stattfinden musste, was mit viel zeitraubender und nervender Hin- und Herräumerei verbunden war.
Die anfallenden Arbeiten können nach meiner Einschätzung durchaus von Personen mit durchschnittlich handwerklicher Begabung und Kenntnissen erbracht werden. Vorraussetzung: Man muss bereit sein, sich ein wenig schlau zu machen und zu lernen! Dies ist insbesondere bei den Elektroinstallationen wichtig und geradezu lebenswichtig bei 230 V. Da sollte grundsätzlich besser eine Fachkraft ran.
Aber es hat auch richtig Spass gemacht, dass Werk peut a peut entstehen zu sehen. Mit dem was jetzt ist, bin ich sowohl vom Design, aber auch von der Funktionalität her sehr zufrieden. Das Schneckchen bietet alles, was ich gerne haben wollte.

Noch ein paar Erkenntnisse & Tipps

Der Ausbau meines Caddy zum Mini-Camper ist also erst einmal abgeschlossen und ich konnte jetzt auf meine erste Tour gehen. Zeit für ein kleines Résumé. Insgesamt hat beim Ausbau alles weitgehend so funktioniert, wie ich es mir vorstellte und plante. Aber einige Dinge scheinen mir erwähnenswert zu sein, denn sie könnten zu Problemen führen. Was gibt es also zu bedenken?

Standheizung

Zu meiner Überraschung musste ich lernen, dass nicht jeder Betrieb, der sich großspurig preist, Top-Adresse in Sachen Einbau von Standheizungen zu sein, dies auch tatsächlich ist. Viele sind nur darauf aus, 08/15 Einbauten z.B. bei VW T5 oder T6 zu machen. Erfordert nicht viel Aufwand und ist quasi Standard. Zu einem Unterflureinbau bei einem kurzen Caddy III z.B. sehen sie sich nicht in der Lage. Meine Vermutung: Sie scheuen einfach die etwas anspruchsvollere handwerkliche Arbeit abseits eingefahrenener Gleise.
Und wenn sie dann noch hören, dass statt einer Webasto oder Eberspächer für rund 1.500 € eine preiswerte Autoterm Air 2D (ex „Planar“) für rund 550 € eingebaut werden soll, dann sinkt das Interesse endgültig auf Null.
Doch letztlich hatte ich Glück. Ein Bekannter, dem ich von meinem Problem erzählte, riet mir, es bei Waldemar Bien und seiner Firma www.heatsys.de in Nordhorn zu versuchen. Der Tipp schlechthin. Waldemar baute mir die Heizung perfekt ein! Allerdings hörte ich kürzlich, dass er das bei Kurz-Caddys wohl nicht mehr machen soll. Bei Bedarf am besten anfragen.
Wer sich also in einen Kurz-Caddy oder vergleichbar eine Standheizung einbauen lassen möchte, dem empfehle ich dringend, sich vor Beginn aller Arbeiten eine Werkstatt zu suchen, die dazu auch bereit ist. Zumindest im Norden der Republik sieht es damit etwas mau aus.
Nach allem, was ich bisher weiß, tun sich die drei oben angesprochenen Hersteller bezüglich Qualität und Leistung nichts. Entsprechende Tests und Reviews von Nutzern bestätigen dies. Vielleicht ist das Bedienteil der Webasto etwas chicer und die Elektronik der Autoterm ist nicht für U-Boot Ausflüge gekappselt. Aber die Preisunterschiede sind wirklich enorm! Es lohnt sich m.E. unbedingt, gut zu überlegen wie man sein Geld investiert.
Was ich vorher auch nicht so wusste war, dass zum Einbau der Heizung bereits eine geladene Bordbatterie für ihren Betrieb vorhanden sein sollte. Ein Anschluss an die Starterbatterie ist nicht ratsam, denn sie ist nicht für Dauerstromentnahme ausgelegt.
Bei meinem Caddy mit Unterflurmontage musste oberflur nur der Warmluftdurchlass eingebaut werden. Alle anderen Arbeiten fanden unter dem Fahrzeug statt. Sollten also schon Einbauten vorhanden sein, ist dies kein Problem. Allerdings müssen immer noch die Warmluftverteilung und ggf. ein Warmluftschalldämpfer Platz finden.
Worüber man sich jedoch vorher im Klaren sein sollte ist, wo bei einer Unterflurmontage der Warmluftdurchlass montiert werden soll. Bei meinem kurzen Caddy sollte dies unbedingt an der rechten Seite des Kastens sein und dort gibt es nur einen realistischen Platz – hinter dem Radkasten. Ein weiterer Durchlass war bei mir nicht erforderlich, da meine Heizung im Frischluftbetrieb läuft und nicht im Umluftbetrieb. Auch das ist vorher zu bedenken.
Das Abgasrohr führt bei mir nach hinten heraus. Eigentlich eine gute Lösung – solange man nicht vorhat bei ausgestellter Heckklappe zu schlafen oder dort ein Shelter/Heckzelt hat. Bei Gelegenheit wird mein Abgasrohr zur Seite verlegt.
Oder man entschließt sich zu einem Oberflureinbau, der dann üblicherweise im Umluftbetrieb läuft. Eine Heizung, die bei einem so kleinen Raum den eigenen Mief im Umluftbetrieb wieder und wieder nur umschaufelt wollte ich nicht. Im Frischluftbetrieb soll sie zudem wirksamer gegen Kondens sein. In so einem kleinen Camper wäre zudem der Raumverbrauch bei Oberflureinbau sowohl prozentual, aber auch ganz praktisch betrachtet, spürbar. Ganz wesentlich: Ich befürchtete bei Oberflureinbau einen deutlich höheren Lärmpegel. Und tatsächlich höre ich jetzt im Innenraum beim Heizungsbetrieb nur ein leises Rauschen. Außerhalb des Fahrzeugs ist diese Rauschen dann beileibe nicht mehr so leise. Das bischen Mehrverbrauch an Brennstoff bei der Frischluftvariante ist für mich irrelevant.
Insgesamt gibt es vor dem Einbau einer Standheizung in einen Caddy (und andere) viel zu bedenken. Auch sollte man sich, wenn irgend möglich, mit der Werkstatt seines Vertrauens gründlich beraten. Es geht schließlich um einen schönen Batzen Geld!

Wasserver- und -entsorgung

Der Trinkwasserkanister sollte zum Befüllen leicht erreichbar sein. Die Befüllung sollte ohne Um- oder Ausbauarbeiten funktionieren. Wichtig ist dies vor allem, wenn nur eine Schiebetür vorhanden ist. Deshalb hat bei mir die Spüle, abweichend von Rene Kreher, ihren Platz am hinteren Ende des Küchenblocks gefunden.
Das Grauwasser leitet er einfach unter das Fahrzeug nach außen. Ich habe allerdings bei mir ein geschlossenes System 20 Liter Trinkwasser (dürften für ein paar Tage frei stehen reichen) – 10 Liter Grauwasser eingebaut, weil ich einfach Ärger auf Campingplätzen oder sonst wo aus dem Weg gehen möchte. Ich habe kein Problem damit, den Grauwasserkanister jeden zweiten, dritten Tag zu leeren. Bezüglich möglichen Geruchs habe ich besonders auf eine elastische Dichtung Abwasserschlauch/Kanister geachtet. Und alle paar Wochen wird der Grauwasserkanister mit Sauerstoffbleiche gereinigt.

Sicherheit

Ich bin nicht unbedingt ein Schisser, aber Sicherheit ist mir schon wichtig. Neben dem Fahrzeug als solchem gibt es bei meinem Mini-Camper vier große Sicherheitsaspekte: Elektrik 5 V/12 V, Elektrik 230 V, Gase und Feuer, auf die ich besonderes Augenmerk richte.

Elektrik 5 V/12 V

  • Kein Verbraucher ohne Sicherung!
  • Immer gut ausreichende Leitungsquerschnitte um Kabelbrand zu vermeiden.
  • Alle Verbraucher bis auf die Standheizung können per Hauptschalter von der Batterie getrennt werden
  • Das Solarpanel kann zweipolig vom Laderegler getrennt werden
  • Leitungen in Schutzrohren verlegen

Elektrik 230 V

  • Die 230 V Steckdosen sind durch Fi-Schutzschalter und Sicherungen für Phase und Null anbgesichert
  • Auf alle Leitungsenden sind Aderendhülsen aufgecrimpt
  • Nur Leitungen mit Gummimantel im Fahrzeug

Was noch kommt:

  • CEE-konforme Außensteckdose
  • Kabel mit 2,5 mm² Leitungsquerschnitten

Gase

  • Kocher mit Gasstop-Funktion.
  • In 30 cm Höhe ist ein Trigas-Sensor für Butan/Propan, Kohlenmonoxid und Narkosegas eingebaut.
  • Ein zusätzlicher Kohlenmonoxidsensor als Backup in 1 Meter Höhe.

Feuer

  • Rauchgasensensor
  • Feuerlöscher
  • griffbereit.

Was werde ich noch ändern/korrigieren?

Die „Seesterne“ aus den vielen Anschlüsse an den Batteriepolen gefallen mir überhaupt nicht! Da werde ich demnächst Verteilerschienen für Plus und Minus anbringen.

Der Gang zwischen Front- und Sitzkiste ist ein paar Zentimeter etwas zu schmal geraten. Da habe ich einfach nicht aufgepasst. Das lässt sich jedoch korrigieren. Ich werde die Frontkiste bei Gelegenheit ca. 5 cm nach vor verschieben und gut ist.

Werkzeug und Material

Wichtige Elektrowerkzeuge für den Möbelbau:

  • Stichsäge
  • Akkuschrauber
  • Bohrmaschine
  • Bandschleifer
  • Dremel o.ä.
  • Exzenterschleifer – nice to have

Wichtiges Spezialequipment für die Elektroinstallation:

  • Crimpzange 12 V Kfz-Flachstecker etc.
  • Sortiment 12 V Kfz-Flachstecker, Verbinder, Ringösen etc.
  • Crimpzange für Aderendhülsen
  • Sortiment Aderendhülsen
  • Sortiment „Wago“-Klemmen

Ich empfehle o.g. Sortimente z.B. bei Amazon oder Ebay zu kaufen. Man bekommt sie auch zusammen mit den Crimpzangen. Einzelkauf fand ich teurer und oft fehlen gerade die Stecker oder Hülsen, die man gerade nicht gekauft hat.

Gibt es den idealen HDK-Ausbau für den Caddy und vergleichbare?

Ich habe nun etliche Monate intensiven Studierens und Abwägens der unterschiedlichsten Ausbaukonzepte hinter mir sowie meine erste größere Tour über einen Monat und meine Antwort ist eindeutig: Ja, es gibt den idealen Ausbau und nein, es gibt ihn nicht. Wow! Da kann man ja jetzt richtig was mit anfangen.
Der ideale Ausbau ist gegeben, wenn er optimal den eigenen Anforderungen und Bedürfnissen entspricht. Und die sind so individuell wie jeder einzelne Mensch. Einige kommen mit einer Biberbox bestens klar, andere mit einem Vollausbau, wie ich ihn habe und wiederum anderen reicht mehr oder weniger eine Schlafpritsche. Heißt, man sollte sich erst einmal z.B. darüber klar werden, was man eigentlich braucht und will, um sich wohl zu fühlen, wie man hauptsächlich reisen will, wohin, in welchen Jahreszeiten, ob solo oder zu zweit usw.. Helfen kann einem dabei durchaus das Studium der vielen YT-Videos, diverser Blogs, der Beiträge bei Pinterest und anderen. Aber nicht verrückt machen lassen! Meine Meinung: Aus allen Welten das Beste plus eigene Ideen und dann ein ganz eigenes, maßgeschneiderstes Konzept entwickeln. Nur Mut!
Zwei Beispiele aus meiner eigenen Entwicklung. Abwechsungsreich Kochen können ist mir wichtig. Bei jedem Wetter. Dies ständig mit einem Heckauszug unter der Heckklappe quasi im Freien tun zu müssen sagte mir allerdings nicht so zu. Renes Lösung mit einer Kochstelle im Fahrzeug gefiel mir aber auch nur teilweise, denn Braten z.B. würde letztlich bleibende Gerüche hinterlassen. Ich wählte eine Kombilösung und baute arretierbare Arbeitsplatten an die Enden von Küchenblock II und der Sitzkiste. So kann ich bei längeren Aufenthalten und brauchbarem Wetter unter der Heckklappe meine durch das Shelter geschützte „Sommerküche“ einrichten und schmurgeln, wie es mir gefällt.
Ein anderes Beispiel ist der Einbau einer grundsätzlich Platz raubenden Trockentoilette. So eine Rundumentsorgung brauche ich nicht. Allerdings zwickt mich nachts zwei-, dreimal die Blase und Nachtwanderungen zur Toilette mag ich überhaupt nicht. Also verwende ich outdoor dafür schon seit Jahren im Zelt eine Nalgene-Faltflasche – meine „Pullerpulle“ – mit weitem Hals, die morgens diskret in der Toilette entleert und gespült wird. Eine Frau würde das mit dem Portapotti aufgrund ihrer anderen physiologischen Gegebenheiten vermutlich vollkommen anders beurteilen. Oder sie verwendet z.B. das hier zusammen mir der Nalgeneflasche, wie es meine langjährige Tourgefährtin Claudia auf vielen Touren sehr erfolgreich und ohne Malheur bis jetzt tat und immer noch tut. Es braucht allerdings etwas Übung.
Mein Rat also, sucht euch aus der Unmenge von Konzepten das heraus, das euren Vorstellungen am besten zusagt, passt es konsequent euren Bedürfnissen und Notwendigkeiten an. Wenn es dann passt wie ein guter Schuh, dann ist es gut und ihr habt euren idealen, da exakt zu euch passenden Ausbau.
Und warum gibt keinen idealen Ausbau? Ich denke, das ist bereits klar geworden. Es gibt m.E. nur ideale individuelle Ausbauten. Ein allgemeingültiges Konzept für einen idealen Ausbau jedoch nicht. Auch, wenn der eine oder andere Protagonist der Szene zuweilen ein wenig einen anderen Eindruck bei der Vorstellung seiner Vorschläge vermittelt.

„Der Krieg sei der Vater aller Dinge“ …

… behauptete einst Clausewitz. Da lag er jedoch dramatisch falsch. Es ist ist nicht der Krieg, es ist die Faulheit! Oder ökonomisch ausgedrückt: Menschen streben generell danach, Dinge mit möglichst geringem Arbeitseinsatz zu erledigen. Das ist so sicher wie Einsteins E=mc² und bestimmt seit jeher der Menschen ganzes Sinnen und Trachten. Es ist das Urmotiv jeglicher Erfindung. Und ich bin ziemlich faul und auch furchtbar bequem und dieser kritisch-ehrlichen Selbsterkenntnis folgten, so gut es ging, das Konzept meines Caddy-Ausbaus und die Gestaltung vieler Details.
Alles soll möglichst in Griffnähe sein, wenn ich mich im Kasten aufhalte oder in der Sommerküche werkel. In diversen Kisten, Kästen und Taschen möchte ich möglichst auch nicht suchend herumkrumpeln müssen, wenn ich irgendwelche Dinge brauche. Es sollte alles möglichst seinen Platz haben, alle Tätigkeiten mit möglichst wenig Aufwand verbunden sein und unnötige Arbeiten vermieden werden. Auch will ich möglichst nicht Dinge aus- oder umbauen müssen um wiederum an andere Dinge zu kommen. Wie würde mich das schnell nerven!
Und bei schlimmen Mistwetter draußen am Auto herum zu hüpfen um mir was zu essen zu kochen oder das Nachtlager aufzuschlagen oder nachts über den C-Platz zu pilgern, weil Piranhas in meiner Blase toben, dass ist auch nicht so mein Ding. Möglichst nichts soll mit unnötigem Arbeitsaufwand verbunden sein, denn der geht ja der Zeit der Muße verloren.
Daher ist mein Ausbau wie er ist.
Fazit: Eigentlich gibt es kaum blödsinnige Ausbauten – nur jede Menge andere!

Danksagung

Damit ist mein Bericht über den Ausbau meines Caddy III zur „Caddy-Cave“ erst einmal beendet.
Mein ganz besonderer Dank geht an Rene Kreher, auch wenn wir uns nicht persönlich kennen. Ich habe an seinem Konzept zwar viel meinen Bedürfnissen und Verhältnissen folgend modifiziert und angepasst – insgesamt geht mein Ausbau jedoch auf seine wirklich gut durchdachten Ideen zurück.

Haftungsausschluss

Und auch noch ein Wort zu einem anderen Thema. Ich berichte hier über den Ausbau meines Caddys zum Mini-Camper. Die Berichte wurden mit großer Sorgfalt abgefasst. Trotzdem sind Fehler nicht vermeidbar.
Wer also meine Berichte dazu nutzen will, selbst so ein Projekt durchzuführen, tut dies vollkommen auf eigene Gefahr und in dem Wissen, das sie Fehler enthalten können.
Ich hafte für keinerlei Schäden, die daraus entstehen könnten. Weder für Personen, Sach- oder Vermögensschäden beim Nutzer meiner Berichte oder bei Dritten.
Dies gilt auch für Verlinkungen zu fremden Inhalten.

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